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Leipziger Jugendamt braucht acht Millionen Euro mehr für Hilfen zur Erziehung

Immer mehr Familien überfordert Leipziger Jugendamt braucht acht Millionen Euro mehr für Hilfen zur Erziehung

Kurz vor Jahresende braucht das Jugendamt einen kräftigen finanziellen Nachschlag von 7,98 Millionen Euro für erzieherische Hilfen. Familien und Alleinerziehende sind immer häufiger mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. So gibt es 600 Fälle mehr als im Vorjahr – die meisten Betroffenen brauchen stationäre Hilfe.

Verwahrlost, geschlagen, süchtig - die Probleme in den Familien nehmen zu. Das Jugendamt muss immer mehr Geld für Hilfen zur Erziehung ausgeben, besonders für stationäre Betreuung.

Quelle: dpa

Leipzig. Was läuft da falsch? Familien und Alleinerziehende sind immer häufiger mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Der Allgemeine Sozialdienst (ASD) des Jugendamtes musste bis Jahresmitte 216 Fälle mehr als im Vorjahr bewältigen – hauptsächlich bei stationären Hilfen. Bis Jahresende sollen es bereits 600 sein. Die aktuelle Prognose geht von einem Anstieg auf 3069 Fälle aus (Januar 2015: 2453 Fälle). Um die Aufgaben erfüllen zu können, braucht das Amt erheblich mehr Geld. Der Stadtrat soll daher auf seiner nächsten Sitzung am 19. November einen Nachschlag von 7,98 Millionen Euro bewilligen. Eine Wahl hat er wohl nicht – es handelt sich um eine Pflichtaufgabe der Stadt. In der Summe enthalten sind auch 2,7 Millionen Euro für minderjährige Flüchtlinge, deren Unterbringung, Versorgung und Betreuung abgesichert werden muss. Das Budget für die Hilfen zur Erziehung beträgt damit insgesamt 73,94 Millionen Euro (2014: 57,79 Millionen Euro). Dabei hat die Stadtverwaltung 2015 bereits vorsorglich mehr Geld eingeplant als in den Vorjahren.

Doch wie ist der rasante Anstieg zu erklären? „Das ist kein Leipziger Phänomen, es betrifft alle Großstädte. Die Anzahl der Kinder mit komplexen Hilfebedarfen und besonderen Risikolagen steigt“, sagt Nicolas Tsapos, der Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung. Häufig spielen Drogen eine Rolle – Mütter und Väter greifen immer häufiger zu Crystal. Früher haben die Sozialarbeiter die Kinder oft drei Monate in Obhut genommen, konnten anschließend durch eine ambulante Betreuung der Familien – also durch Vermittlung von Erziehungskompetenz – einiges geraderücken. Das ist jetzt immer seltener der Fall. Probleme sind inzwischen über Generationen familiär bedingt – viele Kinder werden zu Hause nicht mehr versorgt, sind permanenter Unzuverlässigkeit ihrer Eltern, aber auch Gewalt und Missbrauch ausgesetzt. Oft nimmt der ASD gleich mehrere Kinder einer Familie in Obhut, die dann stationär betreut werden müssen. Auch die Zeiträume, die für die Hilfe notwendig sind, werden zusehends länger. So gehören von 370 neu begonnenen Hilfen im ersten Quartal 2015 immerhin 40 Prozent einer Risikogruppe an, im zweiten Quartal bei 369 Fällen waren es bereits 48 Prozent. Hinzu kommt: Leipzigs Bevölkerung wächst und damit auch die Problemlagen. Das alles kostet zusätzliches Geld. „Im Vergleich zu anderen Großstädten liegt Leipzig mit 37 Hilfen pro 1000 Jungeinwohnern aber unterhalb des Durchschnitts“, erklärt Tsapos. Dieser liegt laut sogenanntem IKO-Netz, das Vergleichsdaten auflistet, bei 43 Hilfen.

Von Mathias Orbeck

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