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Leipziger Jugendbericht: Positive Tendenz - aber ungleiche Bildungschancen

Leipziger Jugendbericht: Positive Tendenz - aber ungleiche Bildungschancen

Ohne Geld läuft es eben nicht. Zwar sind die meisten Schüler und jungen Erwachsenen mit ihrem Leben in der Messestadt zufrieden. Das ist die gute Nachricht des vierten Jugendberichts der Stadt Leipzig.

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Heike Förster vom Jugendamt und Leipzigs Sozialbürgermeister Thomas Fabian stellten den Jugendbericht vor.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das Thema Bildung offenbart aber: Wenn die Eltern arbeitslos sind und wenig Geld zur Verfügung haben, schaffen es die Kinder seltener aufs Gymnasium. "Wir müssen diesem Zusammenhang entgegenwirken", sagte Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) am Freitag bei der Präsentation der Studie.

Rund 4000 junge Leipziger wurden im Jahr 2010 gefragt, welche Werte und Ziele in ihrem Leben eine Rolle spielen, womit sie am liebsten ihre Freizeit verbringen und welche Pläne sie für ihre Ausbildung und den Beruf haben. Wie Jugendamtsleiter Siegfried Haller erklärte, hilft der Jugendbericht, verlässlich Maßnahmen zur Kinder- und Jugendförderung zu planen. In der Gesamtschau sind rund drei Viertel der Schüler in Leipzig mit ihrer Lebenssituation zufrieden, bei den jungen Erwachsenen sind es immer noch 67 Prozent.

"Freundschaften pflegen und ein gutes Familienleben rangieren ganz oben auf der Liste der Ziele und Werte", sagte Fabian. Die Umfrage dokumentiert, dass im gymnasialen Bereich die klassische Konstellation von Vater-Mutter-Kind dominiert. Kinder aus Patchwork-Familien sind häufiger in Mittel-, Förder- oder Berufsschulen anzutreffen. "Bei Alleinerziehenden besteht auch ein erhöhtes Risiko, dass die Kinder eine Förderschule besuchen", sagte Fabian. Laut Studie liegt der Anteil von Kindern, die bei nur einem Elternteil leben, in Förderschulen 50 Prozent höher als an Gymnasien.

Leipziger Osten und Grünau fühlen sich benachteiligt

Doch wie kann die Stadt hier Abhilfe schaffen? Familien stabilisieren, Erziehungshilfen ausbauen, so bringt Fabian das auf den Punkt. An allen Mittel- und Förderschulen gebe es bereits Schulsozialarbeiter, sagte Heike Förster vom Amt für Jugend, Familie und Bildung. Das Angebot wird auf die Grundschulen ausgedehnt, elf profitieren schon davon, "vor allem im Westen und Osten der Stadt", sagte Förster. Die Studie zeigt übrigens: Jugendliche in den stadtnahen östlichen Ortsteilen und in Grünau fühlen sich häufig benachteiligt. Der Bericht erklärt das mit dem Lebenslagenreport 2009. Viele Familien in diesen Stadtvierteln leben in eher bescheidenen Verhältnissen.

Für die Bildung der Kinder in Leipzig spielt Geld durchaus eine Rolle. So bekämen Kinder aus einkommensschwachen Familien seltener eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium, sagte der Sozialbürgermeister. Positiv überrascht zeigte sich Fabian vom Aufstiegswillen der Mittelschüler: Gut 20 Prozent wollen später das Abitur absolvieren. "Wir sind gefordert, das zu unterstützen", sagte Fabian.

Groß werden: Zensurenstress, Freizeitspaß und das liebe Taschengeld

Und was machen junge Leipziger gern in der Freizeit? "Die Nutzung des Internets mit surfen und chatten hat seit dem Jahr 2000 stark zugenommen", sagt Kerstin Förster vom Jugendamt. Der Vergleich zur Schülerbefragung der Freizeitstudie 2000 zeigt: Damals gingen 25 Prozent der Jugendlichen täglich oder mehrmals in der Woche online, heute sind es 85 Prozent. "Freunde treffen" rangiert hinter Musik hören, Fernsehen und Web auf Platz vier, genau wie im Jahr 2000. Sportliche Aktivitäten sinken dagegen auf der Beliebtheitsskala, und "das muss man kritisch sehen", sagte Förster. Positiv werten die Experten, dass trotz medialer Vielfalt Zeitschriften, Bücher und Comics wieder beliebter sind.

Den größten Stress machen sich Kinder und Jugendliche wegen schlechter Zensuren. Dauerhafter Ärger mit den Eltern ist für die Minderjährigen ebenso belastend wie Zukunftsängste. Wichtigste Frage: Was soll nach der Schule werden? Folgerichtig plagen die 18- bis 27-Jährigen vor allem finanzielle Sorgen. Die Jüngeren können hier noch aufs Taschengeld bauen, das im Durchschnitt pro Schüler bei 33 Euro liegt. Mittelschüler haben übrigens meist mehr Geld als Gymnasiasten in der Tasche. Während ein Neuntklässler auf der Mittelschule durchschnittlich 47 Euro im Monat für sich zur Verfügung hat, müssen die Altergenossen auf dem Gymnasium mit 25 Euro auskommen. Gut 40 Prozent der Schüler über 13 Jahre bessern das Taschengeld mit kleinen Jobs auf - das bringt durchschnittlich 55 Euro pro Monat extra.

Evelyn ter Vehn

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