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Leipziger Karl-Tauchnitz-Straße: Ist der Kreisel zu groß? Anwohner kritisieren Bau

Leipziger Karl-Tauchnitz-Straße: Ist der Kreisel zu groß? Anwohner kritisieren Bau

Seit gestern Nachmittag ist der umgebaute, fast eine Million Euro teure Kreisverkehr in der Karl-Tauchnitz-Straße für den Verkehr freigegeben. Doch die Diskussionen um seine Umgestaltung dürften weiter anhalten.

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Wieder befahrbar, aber stark gerügt: der Kreisverkehr in der Karl-Tauchnitz-Straße. Anwohner wollen zusätzliche Zebrastreifen.

Quelle: Volkmar HeinzMontage Patrick Moye

Leipzig. Die Petition zu geforderten Zebrastreifen ist noch nicht beschieden, und auch massive Kritik an der Dimension des Kreisels verstummt nicht.

Die von mehr als 700 Anwohnern des Musikviertels, dem Umweltbund Ökolöwe, dem ADFC, dem Fuß-Verein, dem Verkehrsclub Deutschland und dem Bürgerbündnis für umweltfreundliche Mobilität unterzeichnete Petition "Fußgängerüberwege am Kreisverkehr Karl-Tauchnitz-Straße" fordert weiterhin zwei Zebrastreifen, um Fußgängern ein sicheres Erreichen des Clara-Zetkin-Parks zu ermöglichen.

In einer Stellungnahme hatte das Verkehrs- und Tiefbauamt dies mit dem Verweis auf "das hohe Kfz-Verkehrsaufkommen" abgelehnt. Anwohner Carsten Möller versteht die Welt nicht mehr: "Gerade weil das Verkehrsaufkommen so hoch ist, brauchen wir doch sichere Übergänge in die Parks! Wie sollen die Kinder unseres Viertels die Karl-Tauchnitz-Straße kreuzen?" Zebrastreifen an den geforderten Stellen würden im Grunde nichts kosten außer ein bisschen Farbe, aber Sicherheit für die Fußgänger schaffen.

Die Stadt in persona des amtierenden Tiefbauamtsleiter Michael Jana räumt auf LVZ-Anfrage ein, dass "die Kfz-Belegung konkret für den Zeitpunkt der höchsten Fußgängerbelegung nicht ermittelt wurde", doch aufgrund der zusätzlichen Problemstellung Radverkehr in diesem Bereich "eine Erhöhung der Verkehrssicherheit durch die Anlage von Zebrastreifen nicht erreicht wird". Eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung hätten Überlegungen zur Durchlassfähigkeit des Kreisverkehrs gespielt. Die sei laut Berechnung am Limit. Heißt wohl im Klartext: Die Anzahl der durchfahrenden Autos ist uns hier wichtiger als die der querenden Fußgänger und Radfahrer. Aber: "Die Verwaltung hat den Fußverkehr überhaupt nicht gezählt", moniert Tino Supplies vom Ökolöwen. Was im Rathaus unwidersprochen bleibt. Im Juli soll der Stadtrat nun über die Petition befinden.

"Radius und Durchmesser durcheinandergehauen"

Die Dimension des Kreisels hält nicht nur Alexander John vom ADFC für völlig überdimensioniert. "Die Verwaltung hat aus unserer Sicht bewusst Radius und Durchmesser durcheinandergehauen", sagt der seit heute 32-Jährige. Indiz für diese Vermutung könnte sein, dass die ursprüngliche Pressemitteilung aus dem Rathaus nach einer LVZ-Anfrage noch einmal schnell korrigiert wurde. In der aktuellen ist nun von einem Außendurchmesser von 62 Metern anstatt der zuvor angegeben 31 Meter die Rede.

"Eigentlich dürfen innerorts nur Kreisel mit einem maximalen Durchmesser von 40 Metern gebaut werden", erklärt John. In seiner Stellungnahme dazu spricht Amtschef Jana hingegen etwas verschwurbelt von der Beachtung der "tatsächlichen geometrischen Verhältnisse" und "begründeten Abweichungen von Richtwerten". Dies treffe laut Stadt hier zu. "Die Einpassung in das Umfeld und die Lage der zuführenden Fahrbahnen machen den großen Außendurchmesser erforderlich", so Jana. Damit könne andererseits die Kreisfahrbahn mit einer Breite von 3,50 Meter gestaltet werden und es müssten nur große respektive lange Fahrzeuge den inneren Bord überfahren. "Bei einem kleineren Kreis wäre die Fahrbahnbreite deutlich größer gewesen", erklärt der Amtsleiter.

All dies hält Fahrrad-Experte John für hanebüchen. "Hier wurde meiner Meinung nach der Stadtrat betrogen und die Landesdirektion vera-" Die Verwaltung gehe davon aus, dass die Leistungsfähigkeit des Kreisels mit seiner Größe steige. "Es ist aber gerade anders herum", gibt das ADFC-Mitglied zu bedenken. Von allen Seiten würden die ankommenden Straßen nur einstreifig ankommen, somit sei der gesamte Bau völlig überdimensioniert. "Er ist aus unserer Sicht doppelt so groß wie notwendig", sagt John. Ganz zu schweigen übrigens davon, dass das historische und unter Denkmalschutz stehende Rosenbeet in der nun riesigen Kreismitte jetzt optisch vollends untergehe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.06.2014

Martin Pelzl

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