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Leipziger KiPPE auf der Bühne und auf der Suche nach neuen Verkäufern

Straßenzeitung Leipziger KiPPE auf der Bühne und auf der Suche nach neuen Verkäufern

Leipzig. Beim Neujahrssingen am Samstag im Haus Leipzig wird auch wieder ein Vertreter des Leipziger Straßenmagazins KiPPE auf der Bühne stehen. LVZ.de sprach mit den Machern auch über Obdachlosigkeit in Leipzig, Suche nach neuen Verkäufern und Potentialen durch die Flüchtlingsströme.

Markus Dörk (Vertrieb), Sandy Feldbacher (Redaktion), und Björn Wilda (Projektleiter) stellen den Verkäufern jeden Monat eine neue Ausgabe der Straßenzeitung KiPPE zur Verfügung.
 

Quelle: Jana Kühne

Leipzig.  Seit 20 Jahren sind die Verkäufer der KiPPE fester Bestandteil des Leipziger Straßenbildes. Am kommenden Samstag steht einer von ihnen auch beim traditionellen Neujahrssingen im Haus Leipzig wieder mit auf der Bühne. LVZ.de nahm das zum Anlass, um mit Redakteurin Sandy Feldbacher, Projektleiter Björn Wilda und Vertriebschef Markus Dörk über KiPPE-Verkäufer, aktuelle Themen und neue Potentiale zu sprechen.

Am Samstag steht die KiPPE wieder beim Neujahrssingen der Gastronomen auf der Bühne. Ihr gehört inzwischen zum festen Stamm der Interpreten, wie lange eigentlich schon?

Markus Dörk: Wir sind seit 2011 beim Neujahrssingen dabei. Damals wurden wir von der Produzentin des Abends, Maike Beilschmidt, angesprochen. Sie wollte uns als Medienpartner und auch mit einem Song auf der Bühne haben, damit unser Projekt und auch die Verkäuferinnen und Verkäufer unterstützen.

Wer wird denn dieses Mal singen und vor allem was?

Björn Wilda: Auch dieses Mal wird wieder Verkäufer Thomas „Tommy“ Bach für die Kippe auf der Bühne stehen, inzwischen zum dritten Mal in Folge. Nach „Skandal im Sperrbezirk“ und „Ich wär so gerne Millionär“ wird er dieses Mal die heiße NDW-Nummer „Bruttosozialprodukt“ von Geier Sturzflug zum Besten geben.

KiPPE-Verkäufer Thomas Bach beim Neujahrssingen 2015.

KiPPE-Verkäufer Thomas Bach beim Neujahrssingen 2015.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Apropos Prinzen: Zuletzt hatte Tommy ja auch prominente Unterstützung von Sebastian Krumbiegel. Steht er Euch auch dieses Mal wieder zur Seite?

Markus Dörk: Das Coaching von Sebastian vor zwei Jahren war wirklich Klasse! Allerdings traut sich Tommy aufgrund seiner mehrjährigen Erfahrung auf den Bühnen mittlerweile auch zu, eigenständig aufzutreten.

Mit Sebastian Krumbiegel habt ihr 2015 auch eine Jubiläums-CD organisiert. Die Sonderausgaben zu Eurem 20-Jährigen gingen weg wie warme Semmeln. Gibt es denn noch welche?

Björn Wilda: Wir selbst hatten ja mit der CD-Produktion gar nichts zu tun – das war ein Geschenk von Sebastian und allen anderen beteiligten Musikern sowie dem Versanddienst Zweitausendeins. Dafür sind wir nach wie vor auch sehr dankbar! Die Jubiläumsausgabe inklusive CD wurde unseren Verkäuferinnen und Verkäufern auch regelrecht aus den Händen gerissen, heute sind nur noch ganz wenige Exemplare über unsere Homepage verfügbar. Dort gibt es aber auch noch Restposten der CD im exklusiven Digipack.

Aktuell gibt es die 192. Kippe-Ausgabe auf den Straßen Leipzigs. Was bekommt man für die 1,80 Euro?

Sandy Feldbacher: Im Mittelpunkt der Ausgabe stehen dieses Mal Freizeittreffs für Kinder und Jugendliche in Leipzig und die Frage, wie die Stadt damit aufgestellt ist. Außerdem gibt es ein Interview mit dem Autor des Blogs „Dunkel. Dreckig. Reudnitz“, ein Porträt eines ehemals Suchtkranken und Dealers und noch jede Menge andere große und kleine Geschichten.

Viele Eurer Verkäufer sind ja inzwischen absolute Leipziger Originale, die zum Straßenbild einfach dazugehören. Kommen denn auch ab und an Neue dazu?

Sandy Feldbacher: Leider sind es weniger, als wir uns wünschen würden. Nach wie vor sind wir ständig auf der Suche nach neuen Verkäuferinnen und Verkäufern. Das ist derzeit auch das Hauptaugenmerk unserer Arbeit abseits der redaktionellen Sachen.

Angenommen, das ist jetzt ein Bewerbungsgespräch: Was würde ich als Kippe-Verkäufer verdienen und was muss ich mitbringen, um einer werden zu können?

Markus Dörk: Pro verkaufter Zeitung erhält der Verkäufer 80 Cent, mitunter kommt auch noch Trinkgeld dazu. Die Menge der verkauften Zeitungen liegt natürlich am Engagement des jeweiligen Verkäufers – da gibt es von uns keine Vorgaben. Prinzipiell kann Jeder, der sich etwas dazuverdienen möchte, die auch KiPPE verkaufen. Man sollte sich natürlich zutrauen, die Zeitung auf der Straße anzubieten.

Umgangssprachlich wird die Kippe auch gern als Obdachlosenzeitung gesehen. Wohnungsnot ist in Leipzig – trotz des Bevölkerungswachstums – zumindest noch kein akutes Problem, oder doch?

Björn Wilda: Im Vergleich zu anderen Großstädten ist Leipzig diesbezüglich noch gut aufgestellt, obwohl auch hier günstiger Wohnraum immer schwieriger zu bekommen ist. Übrigens sieht sich die KiPPE nicht als Obdachlosenzeitung, sondern als Straßenzeitung für eine breite Leserschaft.

Nicht wenige Leipziger leben in prekären finanziellen Umständen. Es gibt allein mehr als 20.000 Hartz-VI-Empfänger. Da reicht das Geld kaum für das Nötigste. Warum sind nicht alle auch Kippe-Verkäufer?

Markus Dörk: Diese Frage stellen wir uns natürlich ab und an auch. Vielleicht mögen manche Menschen Vorbehalte haben, wollen sich nicht auf die Straße stellen und die KiPPE anbieten – weil sie eben dieses falsche Bild einer Obdachlosenzeitung haben. Aber man muss sich nun wirklich ganz und gar nicht schämen. Ganz im Gegenteil: Viele unserer Verkäuferinnen und Verkäufer werden von ihrer Stammkundschaft überaus geschätzt und sind sehr angesehen.

KiPPE-Verkäufer Steffen in der Fußgängerzone in der Leipziger Innenstadt.

KiPPE-Verkäufer Steffen in der Fußgängerzone in der Leipziger Innenstadt.

Quelle: Andreas Döring

Seit dem Spätsommer gibt es auch eine immer größer werdende Gruppe in der Stadtgesellschaft, die sogar noch mit weniger Geld als Hartz-VI-Empfänger auskommen muss. Habt Ihr schon Kontakt zu Asylbewerbern geknüpft?

Sandy Feldbacher: Wir haben verschiedene Vereine, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, angesprochen und ihnen unser Angebot unterbreitet. Ehrlich gesagt, gab es bisher aber leider kaum Resonanz von Flüchtlingen. Aber wir wollen das weiterverfolgen.

Wie kann denn ein Asylbewerber in Leipzig auch Kippe-Verkäufer werden? Das ist sicher nicht so einfach?

Sandy Feldbacher: Nicht unbedingt. Wir haben uns zu den Modalitäten mit dem Sozialamt verständigt. Interessierte müssen seit mindestens drei Monaten in Deutschland leben und eine Arbeitserlaubnis haben. Sollte diese noch nicht vorliegen, können wir aber auch gemeinsam eine Lösung suchen.

In Kommentaren zu unserer Berichterstattung über Flüchtlinge heißt es oft, für Asylbewerber werde jetzt viel getan, der „obdachlose Deutsche“ bleibe aber auf der Strecke. Wie ist Euer Eindruck: Hat der Flüchtlingsstrom zu Einschnitten im hiesigen sozialen Hilfesystem geführt?

Björn Wilda: Den Eindruck haben wir nicht. Im Gegenteil: Wir haben festgestellt, dass die Spendenbereitschaft auch für Wohnungslose und andere Bedürftige in den vergangenen Monaten gestiegen ist.

Dieses Jahr wird sicher nicht nur in dieser Hinsicht sehr spannend. Was plant die Kippe-Redaktion denn für die kommenden Ausgaben?

Björn Wilda: Wir planen viele spannende Geschichten und vor allem soziale Themen auch aus der Betroffenenperspektive. Im Februar wird zum Beispiel das Thema Sucht im Fokus des KiPPE-Ausgabe stehen. Das betrifft viele, aber ist auch mit ebenso vielen Vorurteilen behaftet. Im März steht traditionell die Buchmesse im Mittelpunkt und im Mai werden Themen rund um den Leipziger Katholikentag einen breiten Raum einnehmen.

Und was wünscht Ihr Euch für das Neujahrssingen am Samstag?

Markus Dörk: Gute Stimmung und Unterstützung nicht nur für unseren Verkäufer auf der Bühne, sondern auch für diejenigen, die am Rand der Veranstaltung die aktuelle KiPPE-Ausgabe anbieten werden.

Von Matthias Puppe

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