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Leipziger Kinderbüro: Demokratie muss erlernt werden

Nach der Bundestagswahl Leipziger Kinderbüro: Demokratie muss erlernt werden

Ganz Deutschland befindet sich seit der Bundestagswahl auf Ursachensuche. In Leipzig schließen Politikwissenschaftler und Kinderrechtsorganisationen auf Protest und zu geringe politische Bildung in Schulen.

Das Leipziger Kinderbüro setzt auf frühe altersgerechte Demokratieerziehung.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Seit der Bundestagswahl suchen Experten im ganzen Land nach Ursachen für die Ergebnisse. Der Leipziger Politikwissenschaftler Hendrik Träger schloss beispielsweise auf Politikverdrossenheit, Protest-Wähler und auf ein vielerorts vorherrschendes politisches Vakuum, in das die Alternative für Deutschland (AfD) eingetreten ist. Das zum Deutschen Kinderschutzbund gehörende Leipziger Kinderbüro sagt: Um dieses Vakuum gar nicht erst entstehen zu lassen, müsse schon früh mit altersgerechter politischer Bildung begonnen werden.

Leipziger Jugendliche wollen aktiv mitgestalten

„Wir stellen keine Politikverdrossenheit bei den Jugendlichen fest. Sie wollen eher die Politik und ihre Umgebung mitgestalten“, sagt Christian Gundlach, einer der beiden Mitarbeiter im Leipziger Kinderbüro. Klar sei aber auch: Das funktioniert nur, wenn die Schüler merken, dass ihre Vorschläge wahrgenommen und umgesetzt werden. Passiere das nicht, dann verlieren die Jugendlichen die Lust daran, so der Sozialpädagoge weiter. Dies könne auch auf die Erwachsenen und deren aktuelles Wahlverhalten übertragen werden, ergänzt Kristin Drechsler. Die Geschäftsführerin des deutschen Kinderschutzbundes in Leipzig ist sich sicher: „Politik kann nicht einfach umgesetzt werden, sie muss von klein auf erlernt werden.“

Die Jugendbeteiligung in Leipzig sei ein Thema, dass von der Stadt ernst genommen und dementsprechend stark diskutiert wird, sagt William Rambow, Sprecher des Leipziger Jugendparlaments. Als Beispiel für ein von der Stadt umgesetztes und vom Jugendparlament initiiertes Projekt nennt Rambow den Trinkwasserbrunnen in der Petersstraße. Dieses sei innerhalb eines halben Jahres realisiert worden. Zwar laufe die Jugendbeteiligung in Leipzig bereits gut, doch müsse sie aufgrund ihrer Vielschichtigkeit auf vielen Ebenen stattfinden. „Es gibt nicht eine Stelle für Jugendbeteiligung und dann geht es allen gut.“ In Leipzig funktioniere das aber sicher schon besser als in anderen Kommunen, so Rambow. Das Jugendparlament ist die gewählte Vertretung aller Jugendlichen in Leipzig. Es verfügt über Rede- und Antragsrecht im Stadtrat.

„Mehr Politik in die Schule“

„Die Forderung nach mehr Demokratieerziehung ist vom Grundsatz richtig“, sagt der Pressesprecher der sächsischen Bildungsagentur Roman Schulz. Es habe in Sachsen lange die Tendenz gegeben – resultierend aus „überpolitisierten Schulen in der DDR“, dass bevor etwas falsch gemacht wurde, lieber gar nichts gemacht wurde. Nun sei die Maxime aber: „Mehr Politik in die Schule!“, so Schulz.

Dafür habe Sachsens kürzlich zurückgetretene Kultusministerin Brunhilde Kurth (CDU) im Januar 2017 ein Expertengremium berufen, das reagierend auf die Umfragewerte im Bildungsmonitor 2016 ein Handlungskonzept zur politischen Bildung erstellen sollte. Am vergangenen Montag präsentierte die Arbeitsgruppe ihren Maßnahmenkatalog „W wie Werte“. Beispielsweise sollen demnach zukünftig Lehrkräfte verpflichtend zur demokratischen Bildung geschult werden und Lehramtsstudenten ein Modul Demokratieerziehung belegen.

Schüler müssten auf eine komplexere Welt und auf die vielschichtige Parteienlandschaft vorbereitet werden, fasst Schulz zusammen. Es könne aber wiederum nicht alles auf die Schulen geschoben werden.

Für eine politische Jugendkultur

Für den Ausbau der politischen Jugendkultur tritt auch das Kinderbüro ein: Zusammen mit der Landesjugend führt es seit 2013 die U-18-Wahlen in Leipzig durch. Auch wenn ihre Stimmen nicht in das Ergebnis der Erwachsenenwahl zählen, haben die heranwachsenden Leipziger Wähler damit die Chance, ihre Meinung öffentlich zu machen. „Auch die Auseinandersetzung mit den Inhalten der Parteien muss geübt werden“, sagt Drechsler. Im Vorfeld der diesjährigen Wahl reichten die Jugendlichen 18 Fragen an jede antretende Partei ein. Deren Antworten wurden dann in der Gegenüberstellung „Ansichten“ zusammengeführt. „Ich würde mal behaupten, dass sich die Jugendlichen mehr mit den Themen der Parteien auseinander gesetzt haben, als so mancher Erwachsener“, sagt Drechsler.

Von Mathias Schönknecht

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