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Leipziger Kitas – Freie Träger finden immer schwerer genügend Fachpersonal

Kinderbetreuung Leipziger Kitas – Freie Träger finden immer schwerer genügend Fachpersonal

Die Stadt Leipzig reagiert auf die Kita-Krise und baut ihr Angebot mit erheblichen Anstrengungen aus. Doch schon jetzt beklagen Freie Träger, die ein Großteil der künftigen Kindertagesstätten betreiben, dass qualifiziertes Fachpersonal immer schwerer zu bekommen sei.

Spielen in der Kita – dabei wird es in Leipzig immer schwieriger, genügend Fachpersonal zu finden.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Stadt baut Kindertagesstätten, um die Kita-Krise zu mildern. Derzeit finden mindestens 1100 Eltern keinen Krippenplatz für ihre Sprösslinge. 3000 Plätze sollen 2018/19 laut Bedarfsplan entstehen. Dreizehn Grundstücke, auf denen Investoren bis Ende 2018 Bauten auch in Systembauweise errichten können, kommen obendrauf. Doch wer soll die Kinder eigentlich betreuen? Vor allem Freie Träger, die ein Großteil der Einrichtungen betreiben, klagen darüber, dass es immer schwerer wird, geeignetes Fachpersonal zu finden.

 „Die Herausforderung besteht für die Stadt ebenso wie für Freie Träger. Deshalb sollten wir das Problem gemeinsam lösen“, sagt Vicki Felthaus, Vize-Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in der Stadt Leipzig (AGW), die 85 Träger vertritt, darunter 22 Kita-Betreiber. „Die Stadt hat einen entscheidenden Vorteil, weil sie Tarif bezahlt“, sagt sie.

Andere Bundesländer sind beliebter

Mittlerweile ziehen viele Träger zwar nach – auch als Ergebnis der Verhandlungen um die Kita-Vereinbarungen, die allerdings immer noch nicht beendet sind. „Die Zahl der Menschen, die sich für einen Erzieherberuf entscheiden, ist dennoch gleich geblieben.“ Weil Leipzig aufgrund des Geburtenbooms und der Zuzüge Kitas aus dem Boden stampfen muss, habe sie aber ihre Zweifel, ob genügend Fachkräfte da sind. „Für eine größere Kita brauchen wir 30 bis 35 Betreuer. Manche können wir gar nicht voll auslasten, weil es jetzt schon eng ist.“ Notfalls gebe es dann eben ein, zwei Gruppen weniger. „Wir müssen schließlich Gesetze einhalten.“ Oftmals werden die Einrichtungen aber auch langsam aufgebaut, um Kindern gute Bedingungen bei der Eingewöhnung zu bieten.

Für die Stadt sieht Jugendamtsleiter Nicolas Tsapos derzeit kein unlösbares Problem. „Leipzig ist ein attraktiver Arbeitsort. Davon profitieren wir, weil auch Erzieher zu uns kommen. Deshalb konnten wir bisher alle Stellen in den kommunalen Kitas besetzen“, sagt er und verweist auf die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst. Dabei springt ihm die Gewerkschaft zur Seite und spricht vom Tariflohn. „Es gibt deutliche Unterschiede zwischen Kommune und Freien Trägern“, bestätigt Astrid Axmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Die Bewerberlage für kommunale Kitas ist gut.“ Freie Träger indes hätten seit Längerem ein Problem. Besonders eng sei es, wenn am Ende des Jahres Erzieher gesucht werden, weil die Kita im Frühjahr öffnet.

„Die Situation wird in den nächsten Jahren auch für uns zusehends schwieriger“, räumt Tsapos ein, obwohl sachsenweit gut 2000 Erzieher pro Jahr ausgebildet werden – bei verschiedensten Trägern. Die bleiben aber nicht unbedingt hier.

„Geld ist eben nicht alles. Inzwischen können die Erzieher es sich aussuchen, wo sie arbeiten“, so Diplomheilpädagogin und Sozialmanagerin Felthaus. Viele bevorzugen Arbeitsorte in Thüringen, Sachsen-Anhalt oder anderen Bundesländern, die bessere Bedingungen bieten. So gehöre Sachsen bundesweit zu den Schlusslichtern beim Betreuungsschlüssel, der regelt, wie viele Kinder pro Gruppe zulässig sind.

In der Krippe kommt eine vollbeschäftigte pädagogische Fachkraft auf 5,5 Kinder (ab 1. September 2018 dann fünf), in der Kita auf zwölf Kinder. Berechnet ist dies auf neun Stunden Betreuungszeit, viele Einrichtungen haben aber zwölf auf. Viele Beschäftigte, oft im Teilzeitjob, arbeiten am Limit, die Krankenstände in den Kindergärten sind hoch. Vom Gruppendienst freigestellte Kita-Leiterinnen springen ein, um die Personallücken zu stopfen. Eltern verweisen darauf, dass in der Kernbetreuungszeit (meist zwischen 9 und 15 Uhr) Gruppengrößen in Sachsen von 15 bis 18 Kindern normal sind. Elterninitiativen und Gewerkschaften planen eine Demo in Dresden zum Weltkindertag am 20. September, um Politiker aufs Problem aufmerksam zu machen.

Gestiegen ist auch die Fluktuation: Viele Erzieher, die große Gruppen nicht mehr wollen, suchen sich oft genug einen neuen Job. „Sie können gucken, welcher Träger und welches Konzept sie bevorzugen. Deshalb versuchen wir, attraktiver zu werden, eine gute Teamarbeit und Weiterbildung anzubieten“, so Felthaus.

1100 Stellen müssten besetzt werden

Derzeit gibt es in den Leipziger Kindertagesstätten 3840 pädagogische Vollzeitstellen, bis 2019 müssten es 4945 sein, um den Bedarf in den bestehenden und zusätzlichen Kitas zu decken. Eine gigantische Aufgabe! Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) hat sich bereits mit der Bitte an den Freistaat gewandt, die Ausbildungskapazitäten in Sachsen zu erhöhen. Abhilfe schafft inzwischen auch die berufsbegleitende Qualifizierung für künftige Erzieher, die bis zu 20 Stunden pro Woche in den Gruppen eingesetzt werden dürfen.

Die zu forcieren, hat am Dienstag die SPD-Stadtratsfraktion angemahnt. „Die Kita steht, Kinder, die gerne einen Platz hätten, gibt es auch genug. Nur die Erzieherinnen und Erzieher zu finden, ist sehr mühsam und zeitaufwendig“, sagte Fraktionsvorsitzender Christopher Zenker. Daher soll die Stadt duale Ausbildung in kommunalen Kitas in einem größeren Umfang umsetzen. Er will das Thema „Fachkräftemangel“ daher in den Stadtrat einbringen.

Um Personal zu finden, haben Freie Träger und die Kommune schon dauerhaft Stellenausschreibungen auf ihren Homepages stehen.

Von Mathias Orbeck

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