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Leipziger Kleingärtner verärgert: Vereine verlassen den Kreisverband

Zerreißprobe droht Leipziger Kleingärtner verärgert: Vereine verlassen den Kreisverband

Der Kreisverband der Kleingärtner hat massive Probleme. Im Finanzbericht 2013 steht ein Fehlbetrag von fast 420.000 Euro. Nun erklären mehrere große Mitgliedsvereine ihren Austritt.

Kleingarten (Archivbild)

Quelle: Thomas Kube

Leipzig. Der seit Monaten tobende Streit zwischen Mitgliedsvereinen und dem Vorstand des Kreisverbandes Leipzig der Kleingärtner Westsachsen (die LVZ berichtete) hat Konsequenzen: Der Schkeuditzer Kleingartenverein „Auenblick“ – mit 191 Parzellen einer der größten im Kreisverband – hat seinen Austritt erklärt, ebenso der Markkleeberger Kleingartenverein „Zur Sonne“ mit 181 Parzellen. Zum Kreisverband gehören 139 Vereine, darunter 63 aus Leipzig. Der Verband hat rund 10.000 Mitglieder.

In den Kündigungsschreiben der beiden Vereine werden erneut massive Vorwürfe gegen die Verbandsspitze erhoben. Während „Auenblick“ den Austritt mit einem „gestörten Vertrauensverhältnis zum jetzigen Verbandsvorstand“ begründet, schreibt der Verein „Zur Sonne“ noch von einer „kontinuierlichen Verschwendung der Verbandsgelder“ und einem „absurd falschen Selbstverständnis des jetzigen Verbandsvorstandes bezüglich seiner Aufgaben und Befugnisse“.

Im Verein „Auenblick“ wurde einstimmig für den Austritt votiert; im Verein „Zur Sonne“ kam dafür eine Mehrheit von 75 Prozent zusammen. Weil in den vergangenen Monaten noch ein Dutzend weiterer Vereine ähnliche Kritik am Kreisvorstand äußerten, schließen Beobachter nicht aus, dass weitere Austritte folgen könnten.

Diese Austritte bringen den ohnehin schon finanziell gebeutelten Kreisverband zusätzlich unter Druck: Nachdem im Jahr 2013 der langjährige Kreisvorsitzende M. wegen unklarer Finanztransaktionen gehen musste und der Verband von rund 460.000 Euro Schaden sprach (die LVZ berichtete), brechen jetzt durch die Austritte wichtige Einnahmen weg. Denn jeder Mitgliedsverein überweist jährlich 20 Euro pro Parzelle an den Kreisverband. In vielen Kleingartenvereinen wird deshalb eine Erhöhung der jährlichen Umlage befürchtet, die sie entrichten müssen.

Auf der Tagesordnung der nächsten Hauptversammlung am 3. Juli steht schon der Punkt „Beratung und Beschlussfassung des Verbandsbeitrages für 2016“, der von einigen als „Umlageerhöhung“ interpretiert wird. Kreisverbandsvorsitzender Ralf-Dirk Eckardt dementiert dies. „Eine Erhöhung des Verbandsbeitrages ist für das Jahr 2016 nicht vorgesehen“, erklärte er auf LVZ-Anfrage. Es werde versucht, die Einnahmeausfälle „über Einsparungen aufzufangen“.

Auch der jetzt für das Jahr 2013 vorgelegte Finanzbericht lässt bei nicht wenigen Kleingärtnern Sorgen aufkommen. Kritiker des Vorstands berichten, sie hätten eine ursprünglich vorgelegte Fassung angefochten; diese sei daraufhin überarbeitet und mit neuen Zahlen in Umlauf gebracht worden. „Dies entspricht nicht der Wahrheit“, sagt Kreisvorsitzender Eckardt. „Wir können versichern, dass die finanziellen Mittel durch den Vorstand satzungsgemäß und mit großer Sorgfalt verwendet werden.“

Nicht wenige Kleingärtner irritiert auch, dass im Finanzbericht 2013 ein Minus von 419.000 Euro erwähnt wird und als Verlustvortrag in den nächsten Finanzbericht aufgenommen werden soll. Auch die Ankündigung, dass auf der Versammlung am 3. Juli über einen Finanzbericht für das Jahr 2015 diskutiert wird, gibt vielen Rätsel auf. Denn es gibt noch keinen Finanzbericht für das Jahr 2014. Eckhard hat auch dafür Erklärungen: Der Finanzbericht 2014 befinde sich in der Fertigstellung; „die Gründe der Verzögerung werden wir am 3.Juli darlegen“, sagt er. Und bei dem Minus handle es sich um einen „buchhalterisch korrekten Vortrag“ aus zahlreichen Auffangposten und Rücklagen. „Das Verbandsvermögen beträgt zum 31. Dezember 2013 rund 550.000 Euro. Im Vergleich beider Positionen wird nachvollziehbar, dass der Kreisverband kein Minus oder Schulden zum 31. Dezember 2013 besitzt.“

Auch deshalb erwarten viele Kleingärtner mit Spannung die Jahreshauptversammlung, die im Konferenzraum der Stadtwerke in der Bornaischen Straße 120 stattfindet und zu der jeder Verein einen Abgesandten schicken kann. Dort soll unter anderem über die Abberufung des Verbandsvorsitzenden und seiner rechten Hand abgestimmt werden. Kritiker monieren den ungewöhnlichen Zeitpunkt dieser wichtigen Beratung – an einem Freitag ab 16 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt seien doch viele berufstätige Kleingärtner noch auf der Arbeit, heißt es. Nicht jeder könne Urlaub nehmen.

Pressevertreter dürfen an der Versammlung nicht teilnehmen. Dies lasse die Satzung nicht zu, sagt Eckardt. Kleingärtner, die mehr Transparenz fordern und einen Zerfall des Kreisverbandes befürchten, sehen dies anders. Die Satzung ermögliche sehr wohl Medienvertreter als Gäste zuzulassen, sagen sie.

Andreas Tappert

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