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Leipziger Klinikum St. Georg rechnet mit 1,9 Millionen Euro Verlust - Arbeitsplätze gefährdet

Leipziger Klinikum St. Georg rechnet mit 1,9 Millionen Euro Verlust - Arbeitsplätze gefährdet

Georg trudelt offenbar schon längere Zeit durch schwierige Fahrwasser. Mit Umstrukturierungen steuert das Unternehmen dagegen an. Auch dieses Jahr wird der kommunale Krankenhausbetrieb, der 2012 erst sein 800-jähriges Jubiläum beging, mit einem kräftigen Verlust abschließen.

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Das Portal des Klinikums St. Georg, das im vorigen Jahr sein 800-jähriges Jubiläum beging. Heute sagt Klinikchefin Minde: Es gab damals eigentlich keinen Grund zu feiern."

Quelle: Christian Nitsche

Das Klinikum St. Nach jetzigem Stand steht dann ein Defizit von 1,9 Millionen Euro in den Büchern.

Inmitten des Festreigens hatte Iris Minde vor 16 Monaten die Geschäftsführung der Unternehmensgruppe übernommen. Sie ist heute Chefin von 3304 Mitarbeitern (Stand Oktober) an 17 Standorten in und um Leipzig. Inzwischen weiß die 52-Jährige: "Es gab damals eigentlich keinen Grund zu feiern."

Bundesweit leiden Kliniken unter chronischer Unterfinanzierung. Das St. Georg macht da keine Ausnahme. Aufgrund seiner dezentralen Infrastruktur ist es dazu noch besonders personalintensiv. Die Personalaufwandsquote, die das Verhältnis von Lohnkosten zu Umsatzerlösen abbildet, liegt bei knapp 70 Prozent - und damit bis zu 20 Prozent über der anderer Leipziger Kliniken.

Minde: "Wir mussten uns entscheiden: weitermachen, einfach verwalten und auf volles Risiko gehen. Dann würden wir 2015/16 ein zweistelliges Defizit schreiben. Oder wir werden aktiv und verändern uns." Das St. Georg stehe im rauen Wettbewerb. Der Kostendruck steige stetig. Wolle das Klinikum seine Position halten, müsse es leistungsfähiger und produktiver werden. Die Stärken des Unternehmens sieht sie in seinem Traumazentrum. In die Onkologie soll in Zukunft stärker investiert werden.

Ausgangslage:

2011 wäre das Georg erstmals mit drei Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht. Durch Sondereffekte, wie etwa Verkäufen, habe sich das verhindern lassen. Doch der Trend war gesetzt. 2012 endete mit einem Verlust von 1,6 Millionen Euro, für dieses Jahr prognostizierten die Wirtschaftsplaner schon ein Defizit von sieben Millionen Euro. Wie berichtete, verordnete sich das Klinikum eine Rosskur. 5,1 Millionen Euro sollten übers Jahr eingespart werden. Minde geht davon aus, dass 2013 mit noch einem Verlust von 1,9 Millionen Euro abschließt. Verschärfend kam noch die vorübergehende Schließung des Brandverletztenzentrums im Haus 21 aufgrund von Baumängeln hinzu. Bereits zur Jahresmitte stellten Prüfer einen Rückgang der Erlöse aus Krankenhausleistungen von einer Million Euro fest, die sie im Wesentlichen auf einen Rückgang der Patientenzahlen im Brandverletztenzentrum zurückführen.

Personalabbau:

"Der Personalbestand des St. Georg ist zu üppig", erklärt Minde. "Man wusste schon 2009, dass 70 Vollkräfte zu viel waren. Stattdessen wurden 2009/10 noch 80 Vollkräfte eingestellt. Diese Fehlentwicklung müssen wir jetzt korrigieren." 103 Beschäftigte, darunter Haustechniker, Küchen- und Reinigungskräfte, wurden nach einer längeren Phase der Personalüberlassung in diesem Jahr gänzlich an Tochterunternehmen ausgelagert. Das Klinikum argumentiert, damit werde für gleiche Arbeit nun auch gleicher Lohn gezahlt. Für die Betroffenen sieht die Welt weniger heil aus. "Einzelne Mitarbeiter verlieren dadurch monatlich bis zu 800 Euro", weiß Gabriele Meyer, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi. Inzwischen hat das Georg auch den letzten verbliebenen 17 Stationshilfen die Kündigungen ausgesprochen. Sie werden bis Ende Juni 2014 ausscheiden. Dass der Personalabbau ausschließlich zu Lasten der unteren Berufsgruppen geht, sieht Verdi zunehmend kritisch. Immerhin beschäftigt das Klinikum allein 40 Chefärzte, in vergleichbar großen Krankenhausbetrieben sind es nur 23.

Strukturveränderungen:

Die Klinik für Stationäre Geriatrische Rehabilitation schließt zum Jahresende. Mit nur 35 Betten hält Minde sie für "schmalbrüstig" aufgestellt. Um die Abteilung wirtschaftlich betreiben zu können, müsste sie auf 80 Betten aufgestockt werden. Die Reha-Klinik schreibe von Jahr zur Jahr höhere Verluste. Zuletzt lagen sie bei 400 000 Euro. Erst im August seien Brandschutzmängel bekannt geworden. Minde: "Wir müssten neu bauen, doch die drei bis fünf Millionen Euro dafür haben wir nicht." Das Georg wolle sich aber nicht aus dem Zukunftsmarkt verabschieden. "Wir konzentrieren uns aber auf die Akutgeriatrie, das ist unser klinisches Kerngeschäft." Den betroffenen 30 Mitarbeitern soll in anderen Abteilungen eine Weiterbeschäftigung angeboten werden.

Hinter den Kulissen laufen seit Monaten Spekulationen darüber, ob der Sparkurs am Ende nur einem Ziel dienen könnte - das Krankenhaus für eine Privatisierung reif zu schrumpfen. Das Klinikum sieht sich allerdings auch künftig als "kommunales Krankenhaus der Schwerpunktversorgung" mit seinen verschiedenen Standorten. Zudem hatten sich 2008 die Leipziger gegen Verkäufe städtischer Betriebe der Daseinsvorsorge entschieden. Die Bindungsfrist des Bürgerentscheids lief zwar 2011 aus, aber politisch gibt es derzeit keine Mehrheit für so ein Vorhaben.

Investitionen:

In den letzten 20 Jahren flossen mehr als 300 Millionen Euro in den Gebäudebestand und die Medizintechnik des St. Georg. Dennoch sieht die Chefin hier ein Problem: "Wir haben viel in die Häuser investiert, aber es gab zu wenig prozessorientierte Investitionen." Zurzeit entsteht ein Neubau mit sechs OP-Räumen, der bis zum späten Frühling 2014 fertig sein soll. Bislang wird noch an vier Standorten operiert. Die Finanzierung weiterer größerer Bauprojekte gestaltet sich schwierig. Das Land hält sich nach Mindes Worten mit Zuschüssen zurück - ebenso wie Banken, die angesichts der fehlenden Liquidität die Kreditwürdigkeit des Klinikums in Frage stellten.

Im März wollen Verdi und das St. Georg Verhandlungen über einen Tarifvertrag aufnehmen. Eines versprach Minde schon mal: "Ich möchte keine Lohnverschlechterungen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.11.2013

Klaus Staeubert

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