Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger Kultkneipe „Noch Besser Leben“ vom Aus bedroht
Leipzig Lokales Leipziger Kultkneipe „Noch Besser Leben“ vom Aus bedroht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:33 20.03.2017
Die Kneipe Noch-Besser-Leben ist finanziell akut bedroht - Geschäftsführer Olaf Walter wirbt um Spenden. Quelle: Dirk Knofe
Anzeige
Leipzig

„Liebe Freunde, wir haben akute Probleme, das NBL zu halten“ – mit diesen Worten hat sich das Team des „Noch Besser Leben“ (NBL) am Donnerstag an seine Facebook-Gemeinschaft gewandt. Es ist ein ernstgemeinter Hilfeschrei, der aus Kultkneipe in der Karl-Heine-Kneipe schallt. Die harten Fakten sind erschreckend: Binnen drei Tagen will eine Krankenkasse 12.000 Euro auf dem Konto sehen, ein Insolvenzverwalter wurde bereits eingeschaltet. Das Posting ist ein Spendenaufruf: „Wenn jeder unserer Facebook-Freunde jetzt 2-3 Euro (besser mehr in Anbetracht der Zeit) spendet, wären wir auf einen Schlag wieder handlungsfähig.“

Unbezahlte Rechnung und Idealismus

Doch wie konnte es so weit kommen? Von einem aufgeschobenen Berg unbezahlter Rechnungen, rapide steigenden Mieten und unvorhersehbaren Ausgaben ist die Rede und von dem „irrationalen Vertrauen, dass in der Zukunft alles besser wird“. Es scheint, als beschert jener Idealismus, der das NBL binnen eines Jahrzehnts von einem Experiment zu einem prägenden Anlaufpunkt für Musik, Kunst und Barkultur im Leipziger Westen gemacht hat, ihm nun große Probleme.

Das NBL, so ist es auch jetzt wieder auf Facebook zu lesen, versteht sich von Beginn an nicht als Kneipe, sondern als Kulturort. Die Konzerte im Salon sind kostenlos, am Ende geht für die Künstler der Hut rum, sie bekommen Catering und eine ordentliche Unterkunft. „Das ist leider genau der Punkt, den die meisten Menschen nicht sehen“, sagte Geschäftsführer Olaf Walter am Freitag im Gespräch mit LVZ.de. Vor einiger Zeit, als die Mieten im Leipziger Westen noch niedriger waren, hätten sich die Kosten im Hintergrund durch den Barbetrieb finanzieren lassen. Dieses System scheint aber zumindest in Teilen gescheitert.

Querfinanzierung funktioniert nicht mehr

„Wir haben erkannt, dass es nicht ausreicht, die Kultur und die dazugehörigen Räume durch Getränkeverkauf quer zu finanzieren“, schreibt das NBL-Team in seinem Posting. Deshalb soll sich einiges ändern. So sei unter anderem geplant, einen Verein zu gründen, der sich unabhängig vom Bargeschäft den kulturellen Aufgaben des NBL widmen kann. Vorher muss jedoch die finanzielle Notlage aus dem Weg geräumt werden.

Walter blickt optimistisch nach vorn: „Das Feedback auf unseren Aufruf ist überwältigend. So können wir die akute Lage auf jeden Fall bewältigen. Den Rest haben wir im Griff.“ Dass in naher Zukunft eine weitere Forderung so gravierend wird wie beim aktuellen Beispiel, sei ausgeschlossen. In den kommenden Tagen soll auf der NBL-Homepage aufgeschlüsselt werden, wie die finanzielle Situation ist und welche strukturellen Veränderungen konkret geplant sind.

Nicht die ersten finanziellen Sorgen

Für das NBL ist es binnen kurzer Zeit bereits die zweite schwere Probe. Im Sommer musste die alte Lüftungsanlage auf dem Dach für knapp 3.500 Euro vollständig ausgetauscht werden. Ein eigenes Gutscheinsystem – „kauft jetzt, trinkt später“ – und eine Fundraising-Aktion im Internet verhinderten damals Schlimmeres. Ob die treuen Fans die Plagwitzer Kultkneipe erneut retten, wird sich bis Anfang kommender Woche entscheiden.

Von Anton Zirk

Anmerkung: In der ursprünglichen Version des Artikels stand, dass die neue Lüftungsanlage 20.000 Euro gekostet hat. Diese Angabe war leider nicht korrekt und wurde korrigiert.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der juristische Weg ist ausgeschöpft: In letzter Instanz entschied das sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen am Freitagabend, dass die Demonstrationsroute der rechtsextremes Partei "Die Rechte" am Samstag ins Zentrum-Südost verlegt werden kann. Alle Infos plus interaktive Karte gibt es hier.

17.03.2017

Die Südvorstadt ist der Leipziger Stadtteil mit den meisten Einwohnern. Auf normalen Stadtplänen ist sie allerdings nicht leicht zu finden. Das ändert die isodemografische Darstellung.

Staunend stehen viele Plagwitzer vor einem Bauzaun am Parkplatz des Lidl-Marktes in der Zschocherschen Straße. Von dort hat man den besten Blick auf die frühere Brauerei C.W. Naumann, die jetzt für über 50 Millionen Euro in eine Wohnanlage verwandelt wird.

20.03.2017
Anzeige