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Lokales Leipziger Kulturstiftung kann Pacht für Alte Nikolaischule nicht zahlen
Leipzig Lokales Leipziger Kulturstiftung kann Pacht für Alte Nikolaischule nicht zahlen
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07:01 25.08.2018
Die Alte Nikolaischule. Quelle: kempner
Leipzig

Die Alte Nikolaischule zählt zu den ersten denkmalgeschützten Bauten in Leipzig, die nach der Wende wieder hergerichtet wurden. Die Initiative dazu war von der Kulturstiftung ausgegangen, die die historisch wertvolle Immobilie zwischen 1990 und 1994 mit 13 Millionen D-Mark öffentlichen Geldern und Spenden sanierte und bis heute auch betreibt. Ab kommendem Jahr müsste die Stiftung nach 25 Jahren erstmals Pacht an die Stadt zahlen und diverse Bauarbeiten an dem Gebäude gegenüber der Nikolaikirche finanzieren. Doch dazu ist sie nicht in der Lage.

Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) hat den Stadtrat nun um Hilfe gebeten. Ohne öffentliche Unterstützung, appelliert sie, könne die „erfolgreiche Arbeit der Kulturstiftung nicht fortgeführt werden“. Soll heißen: Wenn sich keine Lösung findet, muss die Kulturstiftung aus der Alten Nikolaischule ausziehen. Um genau das zu verhindern, will Jennicke sie ab 2019 in die institutionelle Förderliste der Stadt aufnehmen und ihr so jährlich 52 676,12 Euro – auf diese Summe beläuft sich die Pacht – zukommen lassen. Darüber hinaus soll es für 2019 noch weitere 35 000 Euro für die inhaltliche Arbeit der Organisation geben sowie 350 000 Euro für bauliche Sanierungen in den Jahren 2019/20 sowie ab 2021 jährlich 65 000 Euro für den baulichen Unterhalt der Immobilie und die Bildung von Rücklagen.

Im Grundstücksverkehrsausschuss des Stadtrates stieß Jennickes Plan jedoch auf Vorbehalte. Eine Immobilie in Top-Lage müsse doch wenigstens die Pacht abwerfen, zumal die Stiftung mit ihr auch Einnahmen durch Vermietungen erwirtschaftet, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Die 1512 gegenüber der Nikolaikirche eröffnete erste städtische Bürgerschule war bis 1872 in Betrieb. Im einstigen Klassenzimmer im Erdgeschoss, dem Großen Auditorium, befindet sich heute ein florierendes Gasthaus. Im ersten Geschoss zeigt das Antikenmuseum der Uni seine Schätze, und das zweite Geschoss beherbergt eine spätklassizistische Aula, den einzig erhaltenen authentischen Ort für das Wirken Richard Wagners in Leipzig. Der Komponist war dort von 1828 bis 1830 zur Schule gegangen. Die Stiftung, die in der Nikolaischule auch ihre Geschäftsräume hat, lädt regelmäßig zu Kulturveranstaltungen und Ausstellungen ein, hat auch eine ständige Wagner-Schau etabliert und nach eigenen Angaben in den vergangenen 25 Jahren 265 000 Besucher angezogen.

Die Kulturstiftung wurde 1990 gegründet. Sie sieht ihre Aufgabe in der Förderung von Kultur und kulturellen Einrichtungen, des Denkmal- und Naturschutzes sowie von Wissenschaft und Forschung. Ihre Anliegen bringt sie auch über die „Leipziger Blätter“ in die Öffentlichkeit, einer Sammlung von Beiträgen zu Architektur, Denkmalpflege, Stadtge­schichte, Kunst, Kultur und Stadtleben. Die Stiftung vergibt den Hieronymus-Lotter-Preis für Denkmalpflege, organisiert Vorträge, veranstaltet Diskussionen und Projekte, berät und unterstützt Denkmaleigentümer.

Die Kulturstiftung habe mit Wirtschaftsplänen und Jahresabschlüssen glaubhaft dargelegt, dass sie den ab 2019 fälligen Erbbauzins nicht zahlen könne, verteidigt Jennicke ihren Fördervorschlag. Darüber soll der Stadtrat nun am 19. September entscheiden. Die Stiftung war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Von Klaus Staeubert

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