Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Leipziger Lepra-Ärztin Ruth Pfau stirbt mit 87 Jahren in Pakistan

Die Mutter der Leprakranken Leipziger Lepra-Ärztin Ruth Pfau stirbt mit 87 Jahren in Pakistan

In Pakistan ist die hoch verehrte deutsche Lepra-Ärztin und Ordensfrau Ruth Pfau verstorben. Sie sei um kurz nach Mitternacht (Ortszeit) in einem Krankenhaus in Karachi friedlich eingeschlafen, bestätigte eine Mitarbeiterin des von Pfau gegründeten Hilfswerks, Salwa Zainab, am Donnerstag.

Ruth Pfau am 12. Oktober 2011 in Leipzig.
 

Quelle: Armin Kühne

Islamabad. Weltweit wurde sie in einem Atemzug mit Mutter Teresa genannt, galt als Mutter der Leprakranken. Jetzt ist die Ordensschwester Ruth Pfau 87-jährig im pakistanischen Karachi gestorben. Auch in ihrer Heimatstadt Leipzig löste diese Nachricht gestern große Betroffenheit aus. Hier war Ruth Pfau 1929 geboren worden, ihre Familie wohnte An der Märchenwiese.  Ursprünglich wollte sie Biologielehrerin werden. „Aber es kam anders“, schilderte sie einmal gegenüber LVZ. „Wir waren fünf Mädchen und ein Bub daheim. Als der zwei Jahre alt war, hatte er plötzlich Lungenentzündung. Es war die Zeit, als Leipzig von den Russen besetzt war und nächtliche Ausgangssperre herrschte. Die Hausärztin konnte nicht mehr kommen. Der Junge starb. Von da an wollte ich Medizin studieren – und nicht heiraten: Weil ich so ja nur für mich allein verantwortlich sein und nachts rausgehen kann, wenn’s mal brenzlig wird.“

International vielfach gewürdigt

Mit 20 zog es die junge Frau in den Westen, in Mainz und Marburg studierte sie Medizin. In dieser Phase habe sie „eine bestimmende Kraft für ihr Leben“ im christlichen Glauben gefunden, wie sie später sagte. 1951 ließ sie sich taufen, vier Jahre später trat sie dem Orden der „Töchter vom Herzen Mariä“ bei. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, des beginnenden Wohlstands. Die junge Frau wollte „dem oberflächlichen Leben in der jungen Bundesrepublik“ entfliehen, sich „auf das Wesentliche konzentrieren“: Ihr Orden sandte sie 1960  nach Asien, wo sie in Karachi blieb, offiziell erstmals Leprahelfer schulte. Einen Gesundheitsdienst, auf dem sie in Pakistan aufbauen konnte, gab es nicht. Zudem musste sie sich gegen engstirnige Bürokraten und korrupte Beamte durchsetzen. Aber sie gründete für den Kampf gegen Lepra die Organisation „Marie Adelaide Centre (MALC)“, baute damit eine moderne Spezialklinik und ein flächendeckendes und bis heute funktionierendes Netz von Lepra- und TB-Stationen auf. So gelang es, die Patientenzahl in Pakistan von mehr als 100 000 (1960) auf 10 000 (1991) zu verringern.  Das ermöglichte der Ärztin und ihrem Team, sich fortan auch vermehrt anderen Leiden wie der Tuberkulose und Augenerkrankungen sowie bedürftigen alten Menschen zuzuwenden. Unterstützung fand die Leipzigerin etwa bei der Deutschen Lepra und Tuberkulosehilfe (DAHW), die ihre Arbeit seit 1961 unterstützte und mit ihr 1996 die Ruth-Pfau-Stiftung ins Leben rief.  International wurde Ruth Pfau mit zahllosen hohen Auszeichnungen bedacht. 1978 etwa bekam sie das Große Bundesverdienstkreuz (1985 auch das mit Stern) – und den höchsten pakistanischen Zivilorden. Der Staat Pakistan ernannte sie zu seiner Ehrenbürgerin, ab 1979 arbeitete sie als nationale Beraterin für Leprafragen im Rang einer Staatssekretärin.

Namen hart erkämpft

In Leipzig hatte sich das Berufliche Schulzentrum Gesundheit und Sozialwesen – gegen den Widerstand bockbeiniger Stadträte – 2010 den Namen „Ruth-Pfau-Schule“ hart erkämpft. Eine Ehre, die laut der Parlamentarier nur posthum vergeben werden sollte. Unvergessen, als die kleine, zierliche Ordensschwester dann im Oktober 2011 die Bildungsstätte erstmals besuchte und mitten in den herzlichen Empfang hinein mit einem heiteren Seufzer entschuldigend meinte: „Tja, ich habe Ihnen ja nun nicht den Gefallen getan, zwischenzeitlich verstorben zu sein. Dann wäre die Sache mit meinem Namen für Sie einfacher gelaufen.“

Noch im Frühjahr Kranke behandelt

Dass sie nunmehr entschlafen ist, wurde gestern morgen mit großer Traurigkeit an der Schule aufgenommen. „Wir hatten von Renate Reichelt, unserer Verbindungsfrau vom  DAHW in Würzburg, die Nachricht bekommen, dass sie vergangenen Nacht um 0.30 Uhr dortiger Zeit gestorben ist“, so Schulleiter Andreas Bidmon. So ganz überraschend sei dies dennoch nicht gekommen. Bereits am Wochenende hatte es aus Karachi geheißen, Ruth Pfau habe einen schweren Schwächenfall erlitten und sei in die Aga-Khan-Klinik eingeliefert worden. „Wenn man sich mal überlegt: Fast 60 Jahre ihres Lebens war diese schmächtige Frau in Pakistan unterwegs, sie kannte das Land wie ihre Westentasche. Und wir haben es beispielsweise 2012, als wir sie mal besuchten,   erleben können, wie sie, damals schon hochbetagt, täglich noch an die 100 Kilometer mit dem Auto zurücklegte, um Kranke zu behandeln. Bis  zum Frühjahr diesen Jahres hat sie das praktisch noch gemacht“, zollt Bidmon tiefsten Respekt. Ob sie in ihrem Leben nicht mal Momente gehabt habe, wo sie alles aufgeben wollte, wollten seine Schüler einmal von Ruth Pfau wissen. „Doch. Aber ich habe mir nützliche Worte der Jesuiten zu eigen gemacht: Weitermachen ist unnütz. Aufgeben ist auch unnütz. Also machen wir weiter“, sagte sie.

Kondolenzbuch ausgelegt

Ob sie einmal zurück nach Deutschland kommen möchte, wurde sie zudem oft gefragt. Die Antwort war stets ein festes „Nein“. „Ich bin ja nur mit einer Minirente versichert. Hier hätte ich kein Auskommen. In Pakistan, wo man für einen Euro ungefähr 100 Rupien bekommt, kann man eine Menge damit anfangen! Zugegeben, manchmal denke ich doch, es wäre nicht schlecht. Aber es gibt dort so viel zu tun, was auch ich noch machen kann! Und mein Team in Karachi würde auch protestieren! Also, die Rolle der Alten ist dort schon noch eine andere als hier“, hatte sie feinsinnig lächend gemeint.

„Ihr Wunsch war es ja auch immer, in Karachi beigesetzt zu werden, und so ist es jetzt auch vorgesehen“, wusste Bidmon gestern zu berichten. Geplant sei jedochs seitens des DAHW, Mitte September zeitgleich in Würzburg, in Münster und in Leipzig einen Gedenkgottesdienst für Ruth Pfau zu organisieren. An der Leipziger Berufsschule, wo in den letzten Jahren auch ein Ruth-Pfau-Archiv aufgebaut wurde, liegt seit gestern ein Kondolenzbuch aus.

Von Angelika Raulien

 

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

Wie weiter nach der Grundschule? Unsere Übersicht aller Gymnasien, Oberschulen und Freien Schulen in Leipzig will Eltern bei der Auswahl der passenden Bildungseinrichtung für ihr Kind unterstützen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Eine Multimedia-Reportage rund um die Leipziger Eisenbahnsstraße, die sich vom Problemkiez zum Hipsterviertel wandelt mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr