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Lokales Leipziger Lichtfest startet mit Theater-Premiere
Leipzig Lokales Leipziger Lichtfest startet mit Theater-Premiere
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23:59 06.10.2013
Probe zum Lichtfest-Theaterstück: Nina-Mercedés Rühl (Zweite von rechts) und Stephan Fiedler (rechts) verkörpern eine Krankenschwester und einen Arzt, die einen Ausreiseantrag gestellt haben und von der Staatssicherheit belauert werden. Quelle: André Kempner

"Nach klassischer Musik und Ballett haben wir diesmal bewusst das gesprochene Wort für eine ausdrucksstarke Inszenierung ausgewählt", sagt Lichtfest-Leiterin Marit Schulz. Denn die Protagonisten der Demokratiebewegung in der damaligen Tschechoslowakei waren Schriftsteller wie Vaclav Havel, Ludvic Vaculik und Milan Kundera. In den beiden diesjährigen Partnerländern stieß das Leipziger Projekt auf große Resonanz. "Noch nie zuvor hatten wir so viele ausländische Gäste und Beteiligte wie diesmal aus Tschechien und der Slowakei", freut sich Schulz und hofft auch auf ein großes Interesse bei den Leipzigern.

Am Sonntag in einer Logistik-Halle der Eventagentur Pasemann in der Sommerfelder Straße: Letzte Hauptprobe für die 40-minütige künstlerische Performance, den zentralen Teil des Lichtfestes am Mittwochabend. Fünf Profischauspieler und 20 Laiendarsteller engagierte der Veranstalter, die Leipzig Tourismus- und Marketing GmbH. 100 000 Euro stellt die Stadt für das Event am Tag der Friedlichen Revolution zur Verfügung. Das Bühnenspiel über Ausreise, Freiheitssehnsucht und Neuanfang ist eingebettet in eine Videoinstallation von Jürgen Meier. Die Musik dazu schrieb der Komponist Mike Dietrich, die Folk-Rock-Band Ty Sycaci aus der Leipziger Partnerstadt Brünn ist mit einem Live-Act dabei. Über eine große Videoleinwand vor der Oper werden unter anderem originale Einspieler von der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 durch Truppen des Warschauer Paktes flimmern. Meier ist eigens die legendäre Bahnstrecke Prag-Dresden-Hof nachgefahren, über die 1989 tausende DDR-Bürger nach ihrer Flucht in die Prager Botschaft in die Bundesrepublik ausreisen durften. Die Botschaftsszene und die Zugfahrt finden sich in der Theater-Premiere wieder.

Eine der Hauptdarstellerinnen ist Heike Ronniger, vielen Leipzigern aus Kabarettprogrammen der Academixer bekannt. Die 47-jährige Merseburgerin war 1988 zum Studium an der Theaterhochschule nach Leipzig gekommen. "Wir waren der Wendestudiengang." Die Massendemonstrationen erlebte sie so hautnah mit. Ronniger spielt eine Mutter, die mit ihren Kindern bricht, weil die die DDR verlassen. "Als ich das Drehbuch las", gesteht sie, "war ich wegen des harten Typs anfangs verstört. Die Frau ist ja eine Tausendprozentige und das ist nicht gerade eine Lieblingsrolle. Aber zum Schluss wird das Stück doch noch versöhnlich."

Die Idee dazu stammt von Ralph Oehme. "Es ist eine fiktive Geschichte", sagt der Autor und Theaterregisseur. Auch wenn sie Parallelen zu einem Zahnarzt aus seinem Bekanntenkreis aufweist. Oehmes Lichtfest-Beitrag ist alles andere als eine Jubel-Arie auf die Vorboten der deutschen Wiedervereinigung. "Ich mache kein Konsenstheater", sagt er. "23 Jahre später können wir doch nicht so tun, als wären überall nur Landschaften erblüht."

Weitere Informationen zum Lichtfest finden Sie auf unseren Internet-Sonderseiten unter www.lvz-online.de/lichtfest.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.10.2013

Klaus Staeubert

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