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Leipziger Löwen-Apotheke: "Es wäre schade, wenn auch dieses Haus abgerissen würde"

Leipziger Löwen-Apotheke: "Es wäre schade, wenn auch dieses Haus abgerissen würde"

Wenn die Berliner TLG Immobilien GmbH in Leipzigs Innenstadt Gebäude verkaufte, dann rückten kurz darauf meist die Abrissbagger an. So war es zuletzt beim Robotron-Haus zwischen der Nord- und Gerberstraße, wo die Sächsische Aufbaubank neu bauen will.

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Der markante Stahlskelettbau in der Grimmaischen Straße beherbergt Leipzigs älteste Apotheke.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Im vorigen Jahr verschwand das Hauptgebäude des ehemaligen Baukombinates in der Grimmaischen Straße 29. Und vor fünf Jahren schlug dem alten Interpelz-Gebäude in der Nikolaistraße die letzte Stunde. Mit jedem dieser Objekte verschwand zugleich ein Stück DDR-Architektur aus dem Leipziger Stadtbild.

Nun will sich die TLG Immobilien, die das Bundesfinanzministerium im vorigen Jahr an den US-Finanzinvestor Lone Star verkauft hatte, auch von dem Geschäftshaus trennen, das Leipzigs älteste Apotheke beherbergt. Seit 1983 residiert die 1409 gegründete Löwen-Apotheke in der Grimmaischen Straße 19. "Die TLG Immobilien plant den Verkauf der Immobilie und ist hierzu aktuell mit Interessenten im Gespräch", sagt Unternehmenssprecherin Sabine Pentrop auf LVZ-Anfrage, ohne nähere Angaben zu machen.

Angesichts des Schicksals der Gebäude von Robotron, Baukombinat und Interpelz betrachtet Michael Sauter die Entwicklung um die Immobilie mit Sorge. "Es wäre schade, wenn auch dieses Haus abgerissen würde", meint der 55-Jährige. Er hatte die Traditionsapotheke 2007 übernommen und beschäftigt heute 20 Mitarbeiter. Sein Mietvertrag läuft noch sieben Jahre. "Über Geschmack lässt sich streiten", sagt Sauter, "aber dieses 30 Jahre alte Haus ist ein Repräsentant des Baustils der 1980er-Jahre. Es ist das letzte aus dieser Epoche." Und noch dazu mit einer durchaus interessanten Geschichte.

Ähnlich wie das Empire State Building in New York wird es von einem Stahlskelett getragen. Die Fensterscheiben sind mit reflektierendem Metall bedampft, der Baukörper hat klare Symmetrielinien, die von Natursteinen eingerahmt sind. Die Fassade besteht aus Kottaer Sandstein und Beuchaer Granitporphyr - genau jenen Materialien, die zur gleichen Zeit im neuen Gewandhaus eingesetzt wurden. Den Innenraum des Erdgeschosses schmückt ein Wandgemälde. Vier mal neun Meter groß ist das Bild "Flora in der Waage". Geschaffen wurde es vom Maler-Ehepaar Hans-Peter Müller und Alexandra Jontschewa. Beide waren Meisterschüler von Werner Tübke und werden der berühmten Leipziger Schule zugerechnet.

Michael Sauter hofft, dass das Haus erhalten bleibt und saniert wird. "Eine Stadt lebt ja von Erinnerungen", sagt er, "das architektonische Gedächtnis ist, wie man gerade am Paulinum sieht, über Jahre in Leipzig sehr gepflegt worden."

Der markante DDR-Bau in der Grimmaischen Straße 19 hat durchaus gute Chancen, der Nachwelt erhalten zu bleiben. "Das Gebäude", erklärt Heike Hellkötter, Leiterin des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege, gegenüber der LVZ, "steht unter Denkmalschutz, kann also nicht problemlos abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden."

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.08.2013

Klaus Staeubert

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