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Leipziger Löwen entwickeln App für multimedialen Stadtrundgang

Multimedialer Stadtrundgang Leipziger Löwen entwickeln App für multimedialen Stadtrundgang

Der Medienclub Leipziger Löwen entwickelt eine App für einen multimedialen Stadtrundgang. Zeitzeugen berichten dafür über interessante Leipziger Orte und ihre Geschichte. An den Projekttreffen des Vereins kann jedermann spontan teilnehmen.

Der Medienclub Leipziger Löwen entwickelt einen Stadtrundgang als App. Ulrich Rocke (links) und Jenny Traina interviewen den Zeitzeugen Gerd Voigt.

Quelle: André Kempner

Leipzig.

„Ziel ist es, einen multimedialen Audioguide für einen alternativen Stadtrundgang durch Leipzig zu entwickeln“, erklärt Caroline Baetge, Projektverantwortliche im Medienclub Leipziger Löwen. Der Club ist seit 2010 eine Kooperation des Leipziger Vereins Gesellschaft, Altern, Medien e.V. und des Seniorenkollegs der Universität Leipzig. Im aktuellen Projekt arbeitet die Gruppe aus Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Leipziger Bürgerinnen und Bürgern aller Altersgruppen an einer App für Smartphones, mit deren Hilfe Interessierte bald Geschichten zu verschiedenen Leipziger Orten in Ton und Bild abrufen können.

Ein solcher Ort ist auch der Krystallpalast in der Magazingasse. „Vor dem Krieg hatte Leipzig 14 Varietés und danach gab es plötzlich keines mehr“, erinnert sich der 70-jährige Gerd Voigt, „für Revuen gab es lange Zeit keinen festen Ort in Leipzig und wir haben viele Jahre gekämpft, um das zu ändern“. Er hat einige Bilder aus dieser Zeit mitgebracht. Eines zeigt ihn bei seiner wohl bekanntesten Nummer: Auf einem Messer, das er mit dem Mund hält, balanciert er einen Kerzenleuchter. Als er von seiner ersten Vorstellung im neuen Krystallpalast nach der Eröffnung im Jahre 1997 erzählt, ist die Rührung in seiner Stimme noch heute zu hören: „Da ist ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen. Dieses Gefühl am ersten Abend: Ich war so glücklich, dass ich die Bühne geküsst habe.“ Auf solche Ausschnitte von Lebensgeschichten hat es Interviewerin Jenny Traina abgesehen. „Die Zusammenarbeit mit den Zeitzeugen ist besonders spannend“, so die 32-Jährige, „es gibt so viele persönliche Geschichten zu entdecken, die es Wert sind, erzählt und nicht vergessen zu werden“.

Der Titel des Projekts lautet „Ich höre was, was du nicht siehst“ und spielt auf diese subjektiven Erlebnisse und Ereignisse an, die nicht zum Allgemeinwissen gehören, aber doch eng mit den bekanntesten Orten der Stadt verknüpft sind und nun zum Teil erstmals öffentlich hörbar werden. In gemeinsamen Workshops erarbeiten sich die zwischen 20 und 83 Jahre alten Teilnehmenden des Medienclubs das technische und historische Wissen für die Umsetzung des Projekts.

„Im Mittelpunkt steht die intergenerationelle Zusammenarbeit, wir sind ja ein pädagogisches Projekt“, stellt die die Medienpädagogin Baetge klar, „wir wollen dabei so viel wie möglich selbst machen und Neues lernen“. Erklärtes Ziel ist aber nicht nur der praktische Medienkompetenzerwerb: „Wir wollen gemeinsam mit den Teilnehmenden auch Vorurteile abbauen und vermeintliche Altersgrenzen überwinden“, ergänzt Projektmitarbeiterin Rebekka Haubold.

Das liegt auch dem 74-jährigen Ulrich Rocke am Herzen, der einer von den etwa 12 regelmäßig Aktiven im Medienclub Leipziger Löwen ist: „Es macht mir riesigen Spaß, mich mit jungen Leuten auszutauschen. Die Arbeit an einem gemeinsamen Produkt ist dafür eine ideale Gelegenheit“. Dem ehemaligen Lehrer ist es zu verdanken, dass Gerd Voigt seine Leipziger Erlebnisse für das Projekt Revue passieren lässt. Die beiden sind Jugendfreunde, haben sich bei der Armee kennengelernt und nutzen nun die Gelegenheit, Bilder und Geschichten aus dieser und späterer Zeit vor laufendem Mikrofon auszutauschen. Auch als das Mikrofon längst abgeschaltet ist, sitzen Jenny Traina, Gerd Voigt und Ulrich Rocke immer noch in dem kleinen Büro, erzählen, staunen, diskutieren und lachen.

Welche Leipziger Jugendschwänke es am Ende in die App schaffen werden, ist offen. Alle inhaltlichen und gestalterischen Entscheidungen in diesem Projekt werden zwischen allen Teilnehmenden diskutiert und nach dem Konsensprinzip getroffen. Bisher haben sich 15 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bereit erklärt, ihre Geschichten beizusteuern. „Neue Mitstreitende jeden Alters und weitere Zeitzeugen sind im Medienclub jederzeit willkommen und herzlich eingeladen, an unseren Treffen teilzunehmen“, betont die 27-jährige Baetge.

In den nächsten Wochen und Monaten bis zur Veröffentlichung wird es insbesondere um die Sammlung, Sichtung, Sortierung und Auswahl des Materials gehen. Gleichzeitig wird die Programmierung der App in Zusammenarbeit mit Leipziger Webentwicklern vorangebracht und gesteuert. Für die Teilnahme an den Treffen des Medienclubs gibt es keine besonderen Voraussetzungen.

Die Projekttreffen des Medienclubs Leipziger Löwen finden jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat im Raum 2.17 in der Emil-Fuchs-Straße 1 statt. Interessenten können ohne Anmeldung spontan teilnehmen. Telefon: 0341 9735853.

Von Roman Kreusch

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