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Leipziger Medienpreis an Journalisten aus Deutschland, Tunesien und Russland verliehen

Leipziger Medienpreis an Journalisten aus Deutschland, Tunesien und Russland verliehen

Leipzig. Donnerstagabend auf dem Campus der Medienstiftung der Sparkasse: Zum elften Mal wird der Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien verliehen.

Die Leipziger Rede zur Pressefreiheit hielt Hans-Jürgen Papier, Präsident des Bundesverfassungsgericht a.D..

„Die Freiheit steht an der Wiege aller großen Gedanken: Sie ist es, die unseren Geist verfeinert und erhellt hat. Gebt mir die Freiheit zu wissen, mich mitzuteilen und, vor allem, frei nach dem Gewissen zu urteilen.“ Der Jurist Papier zitiert zu Beginn seiner Rede den britischen Dichter und Publizisten John Milton, der 1644 das erste Plädoyer für eine freie und unzensierte Presse in der Menschheitsgeschichte formulierte.

Bis heute können Journalisten in vielen Ländern der Welt von der Freiheit ihres Berufes nur träumen. Zwei von ihnen, Fahem Boukaddous (41) aus Tunesien und Oleg Kaschin (31) aus Russland, mussten ihr Engagement, frei und ohne Zensur berichten zu wollen, sogar mit schweren Angriffen auf Geist und Körper bezahlen. Der Tunesier Boukaddous gehörte unter der Diktatur von Ben Ali zu den wenigen Journalisten, die den Mut hatten, wahrheitsgemäß, also auch über die Proteste in einer Bergbauregion im Süden des Landes, zu schreiben. Der Journalist wurde verhaftet und zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Erst die Jasmin-Revolution im Frühjahr 2011 sorgte für Boukaddous Freiheit und, wie er sagt, „ganz neue Freiheitsliebe“.

„Noch“, so Boukaddous in Leipzig, „ist die Pressefreiheit in Tunesien nicht durchgesetzt. Es fehlen die Gesetze, auch ist zwar der Diktator gestürzt, noch aber sind die meisten alten politischen Kräfte an der Macht. In zehn Tagen finden die ersten freien Wahlen statt. Ich verbinde damit große Hoffnungen für ein sich demokratisch entwickelndes Tunesien.“

Wahlen, nämlich die des Präsidenten, wird es bald auch in Russland geben. Oleg Kaschin, Journalist der Zeitung Komersant, der mit 20 Jahren ältesten unabhängigen Zeitung im neuen Russland, verbindet mit diesem Ereignis aber so gar nichts Hoffnungsvolles: „Das Ergebnis steht schon fest, Putin, ein neuer Breschnew, wird wieder Präsident.“ Kaschin ist lokaler Enthüllungs-Journalist.

Als er es öffentlich machte, dass ein Wald nahe Moskau für eine Autobahn abgeholzt wird, die ein Freund Putins baut, wurde er überfallen und krankenhausreif geschlagen. Der Fall Kaschin war ein Thema für Präsident Medwedjew. Er versprach, dass die Täter gefasst werden. Bis heute ist das nicht geschehen. Nun hofft Kaschin, dass die Leipziger Preisvergabe für neue Aufklärungs-Aktivitäten sorgt.

Vergleichsweise komfortabel sind gegenüber den genannten Fällen die Bedingungen für Deutschlands Journalisten. Das weiß auch der dritte im Bundes der mit je 10.000 Euro geehrten Preisträger: Stefan Buchen. Er ist bekannt geworden durch packende Berichte für die ARD aus Krisenregionen des Nahen und Mittleren Osten und aus Nordafrika.

 Buchen, der auch Arabisch spricht, versteht sich nicht als Kriegsreporter. „Ich will zeigen, was wirklich in der Welt geschieht“, benennt der Journalist sein Ethos und meint zum Afghanistan-Einsatz der Weltgemeinschaft: „Die Mission ist gescheitert.“

300 Jahre nach Milton trat 1949 für die Bundesrepublik das Grundgesetz in Kraft. Artikel 5, Absatz 1, stellt Meinungs-, Presse- und Rundfunkfreiheit unter Schutz. Papier: „Dem Institut einer freien Presse kommt in der Demokratie eine überaus große, ja letztlich konstituierende Bedeutung zu.“ Wer das nicht gelten lasse, vergreife sich am Fundament des Rechtsstaates.

Die ganze Rede von Papier gibt es hier.       

Mehr zur Leipziger Medienstiftung im Internet: www.leipziger-medienstiftung.de

Thomas Mayer

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