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Lokales Leipziger Medienpreisträger Dündar: Journalisten-Familien als „Geiseln“
Leipzig Lokales Leipziger Medienpreisträger Dündar: Journalisten-Familien als „Geiseln“
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18:33 07.10.2016
Can Dündar ist am Freitag in Leipzig mit dem Medienpreis geehrt worden.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

 Der Journalist Can Dündar sieht eine neue Dimension im repressiven Vorgehen der türkischen Regierung gegen Medienschaffende. Noch nie zuvor habe er erlebt, dass auch die Familien von verfolgten Journalisten „als Geiseln“ genommen wurden, sagte Dündar am Freitag in Leipzig. Dies sei nun aber in der Türkei der Fall. „Man annulliert ihre Pässe und verbietet ihnen, ins Ausland zu reisen“, beschrieb der frühere „Cumhuriyet“-Chefredakteur die Situation. Auch seiner Frau sei der Reisepass entzogen worden, obwohl gegen sie nichts vorliege.

Am Abend sollte Dündar gemeinsam mit seinem früheren Kollegen Erdem Gül, dem „Cumhuriyet“-Büroleiter in Ankara, mit dem Leipziger „Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien“ der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig ausgezeichnet werden. Die Familien hätten Angst, die Situation für seine Kollegen sei schwierig. „Natürlich kann man für sich allein sehr mutig sein, aber wenn die Familie bedroht ist, dann leidet auch der Mut darunter“, sagte Dündar.

Die Politiker und Journalisten in Europa rief er dazu auf, in die Türkei zu reisen und mit inhaftierten Redakteuren zu sprechen. Sein Heimatland bezeichnete er als das „größte Journalistengefängnis der Welt“. Aus Solidarität mit in der Türkei inhaftierten Journalisten in Leipzig ließ das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) am Freitag rund 130 Luftballons steigen, je einen als Symbol für einen Gefangenen.

Der Leipziger „Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien“ ist mit 30.000 Euro dotiert. Gül konnte selbst nicht nach Leipzig reisen, da auch sein Pass für ungültig erklärt wurde. Dündar und Gül waren im Mai zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden, nachdem sie über türkische Waffenlieferungen an Islamisten in Syrien und die Verwicklung des Geheimdienstes in die Transporte berichtet hatten. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Von LVZ

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