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Lokales Leipziger Medizinstudie: Kinder aus gut situierten Familien leben länger
Leipzig Lokales Leipziger Medizinstudie: Kinder aus gut situierten Familien leben länger
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00:33 08.08.2015
Blick auf das Leipziger Uniklinikum. (Archivfoto) Quelle: dpa
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Leipzig

Eine neue Studie des Uni-Klinikums Leipzig offenbart erschreckende Ergebnisse: Je geringer das Einkommen und die Bildung der Eltern sind, desto schlechter ist die Gesundheit der Kinder. Hinzu kommen deutlich verminderte Bildungschancen. "Für diese Kinder steht die Ampel bereits auf Gelb", warnt Professor Wieland Kiess (57), Chef der Uni-Kinderklinik und Betreuer der Forschungsarbeit, die der LVZ exklusiv vorliegt. Denn die Langzeitwirkung sei verheerend: "Die Lebenserwartung ist deutlich geringer als bei Kindern, die aus gut situierten Familien stammen."

Im Rahmen des Großforschungsprojektes Life waren für die Studie 2200 Kinder zwischen 2 und 19 Jahren untersucht worden. Dem Forscherteam ging es dabei insbesondere um die Hämoglobin-Werte und den Eisen-Haushalt. Das Resultat: Die Werte von Kindern aus einkommensschwachen und weniger gebildeten Familien weisen bereits bedenkliche Defizite auf. "Man wird müde, ist unkonzentriert, weist Lernschwächen auf und verfügt über weniger Ausdauer beim Sport", erklärt der Leipziger Kinder-Spezialist die Folgen. Aus anderen Studien ist bekannt, dass Kinder aus unteren Schichten erheblich schlechtere Kalzium- und Vitamin-D-Werte aufweisen. "Eine der Ursachen ist die Ernährung, hinzu kommt Bewegungsmangel", macht Kiess klar und spricht von einem "verheerenden Kreislauf".

Eine weitere Studie, die an der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) angefertigt wurde, macht für gesundheitliche Defizite auch das Wohnumfeld verantwortlich. "Wir haben festgestellt, dass Kinder, die in benachteiligten Stadtteilen aufwachsen, eine höhere Wahrscheinlichkeit für Übergewicht und eine reduzierte Motorik aufweisen, daneben hängen die schulischen Leistungen zurück", sagt die HTWK-Sozialpädagogin Ulrike Igel. So seien Kinder aus Stadtteilen, die einen überdurchschnittlichen Anteil von Hartz-IV-Empfängern aufweisen, in einem viel schlechterem gesundheitlichen Zustand als in besseren Vierteln.

Als Konsequenz aus den Leipziger Ergebnissen mahnt Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU): "Für mich steht Aufklärung an erster Stelle. Denn auch ohne großen finanziellen Aufwand kann man Kinder gesund ernähren, sie zu Bewegung an frischer Luft animieren und ihnen Anregungen für ihre mentale Entwicklung bieten." Deshalb habe die Landesregierung etwa Gesundheitsziele ausgegeben und fördere verschiedene Programme. "Denn 'Gesund aufwachsen' beginnt auch in unseren Kitas", erklärt Barbara Klepsch.

Ihre Thüringer Amtskollegin Heike Werner (Linke) sieht in Kita-Modellprojekten des Landes für mehr Bewegung und gesunde Ernährung einen ersten Schritt. "Maßnahmen für die Kindergesundheit und den Kinderschutz müssen aber stetig weiterentwickelt werden", so die Sozialministerin. Hierbei seien insbesondere auch die Gesundheitspolitiker gefordert. "Wir müssen gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, damit Kinder und Jugendliche die bestmöglichen Chancen für eine optimale Entwicklung haben - und zwar unabhängig von ihrer sozialen Lage."

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