Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Leipziger Museen uneins: Wer wird der Herr im ehemaligen Stasi-Kinosaal?

Sonderausstellungen Leipziger Museen uneins: Wer wird der Herr im ehemaligen Stasi-Kinosaal?

Eine Wanderausstellung soll ab Oktober nach Leipzig kommen und im ehemaligen Stasi-Kinosaal im Goerdelerring 20 gezeigt werden. Den nutzt derzeit das Museum in der „Runden Ecke“. Ein lange schwelnder Konflikt zwischen Schulmuseum und „Runder Ecke“ bekommt neue Nahrung.

Die Ausstellung zur Friedlichen Revolution im ehemaligen Stasi-Kinosaal im Erweiterungsbau der „Runden Ecke“

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Wanderausstellung „Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland“ soll ab Ende Oktober nach Leipzig geholt werden. Darüber diskutiert jetzt – auf Initiative der SPD-Fraktion – der Stadtrat. Die von der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelte Schau soll helfen, Vorurteile abzubauen und die Integration zu befördern. Gezeigt werden soll sie im Kinosaal im Gebäude Goerdelerring 20, in dem derzeit die (eigentlich befristet an diesem Ort geplante) Sonderschau zur Friedlichen Revolution zu sehen ist. Nun ist ein lange schwelender Konflikt um die Nutzung des Saales wieder ausgebrochen.

Denn das Bürgerkomitee Leipzig, das das Museum in der "Runden Ecke" betreibt, sowie das Schulmuseum – offiziell Werkstatt der Schulgeschichte – teilen sich seit 2000 den Saalanbau an der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung. Das Schulmuseum kann den Saal seit nunmehr sechs Jahren nicht nutzen. Eine Kooperationsvereinbarung sieht eigentlich vor, jährlich auszuhandeln, welche Ausstellungen gezeigt werden. In der Einrichtung, die sich als Zentrum für demokratische Bildung etablieren will, trifft sich mittlerweile auch das Jugendparlament.

„Uns geht es wirklich nicht darum, Muslime gegen die Friedliche Revolution auszuspielen. Beide sind für die demokratische Bildung wichtig“, sagt Vizefraktionschef Christopher Zenker (SPD). Vorstellbar wäre, dass die Sonderschau nach der etwa drei Monate dauernden Muslime-Ausstellung wieder einzieht. „Einem Vorschlag, die Muslime-Ausstellung an einem anderen Ort zu zeigen, verschließen wir uns sicher auch nicht.“ Dennoch sei es überfällig, gemeinsam mit dem Bürgerkomitee sowie geeigneten externen Partnern ein schlüssiges Zukunftskonzept für die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ zu entwickeln. Die soll die Verwaltung – so heißt es in einem weiteren SPD-Antrag – bis zum ersten Quartal 2017 vorlegen.

Dass das Museum erhalten bleibt, steht für die SPD gerade bei der Bedeutung der Friedlichen Revolution 1989 für Leipzig außer Frage. Spätestens zum 30. Jahrestag der Ereignisse sollte es aber „zukunftsweisend“ gestaltet sein. „Das Bürgerkomitee nutzt unsere Räume. Regeln, die unsere Arbeit über Jahre geprägt haben, werden zurzeit leider nicht eingehalten“, hatte Schulmuseumschef Thomas Töpfer, der gestern für Nachfragen nicht zu erreichen war, gegenüber der LVZ bedauert.

„Der authentische Stasi-Kinosaal gehört zwingend zur Gedenkstätte ’Runde Ecke“, betont hingegen Museumschef Tobias Hollitzer. Schließlich sei der Anbau mit Kinosaal, Verwaltungsräumen und Kegelbahn 1958 für die Stasi errichtet worden. Der Vorstand des Bürgerkomitees habe sich verständigt, für den Verbleib in den Räumen zu kämpfen. Ein Konzept liege beim Kulturamt der Stadt vor. Eigentümer des Eckgebäudes Dittrichring 24 ist der Bund. Neben dem Museum ist darin auch die Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen untergebracht.

Eine Expertenkommission hat zwar der Bundesregierung empfohlen, die Unterlagen in das Bundesarchiv zu überführen und die bisherigen Außenstellen der Behörde weitgehend zusammenzulegen. Das wurde vom Bundestag aber abgelehnt. Hollitzer wertet dies als Signal, die „Runde Ecke“ als Ort der Begehung rund um die Friedliche Revolution auszubauen. Konsequent wäre es, wenn die SPD auch ein Konzept fürs Schulmuseum fordert. „Unser Ziel ist es, den jahrelangen Streit endlich beizulegen“, sagte Sebastian Walther (SPD) gestern im Jugendhilfeausschuss. Karsten Albrecht (CDU): „Wir sollten zuerst über Konzepte reden, dann über Räume.“

Von Mathias Orbeck

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
LVZ-Reportage zu Crystal Meth in Sachsen

Die große Multimedia-Reportage berichtet über Crystal-Abhängige, Suchtberater und Drogenfahnder. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2016

    Sport frei!, heißt es auch 2016 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr