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Lokales Leipziger Museum für Druckkunst rückt „Gedruckte Werte“ ins Blickfeld
Leipzig Lokales Leipziger Museum für Druckkunst rückt „Gedruckte Werte“ ins Blickfeld
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09:14 10.01.2017
Susanne Richter (links) und Astrid Wolff mit einem Musterbuch. Das Museum für Druckkunst erklärt in der Sonderschau, wie Wertpapiere gedruckt worden sind.  Quelle: Fotos: André Kempner
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Leipzig

 Rauchende Schornsteine, Lokomotiven, riesige Elefanten – auf Wertpapieren gibt es eine vielfältige Bildwelt. „Es sind kleine Kunstwerke, die auf wertvollem Papier und mit einer hoher Kunst des Druckens angefertigt worden sind“, sagt Ludwig Devrient. Der gelernte Buchdrucker entstammt der Gründerfamilie der Firma Giesecke & Devrient, die ihr Firmenhistorisches Archiv für die neue Ausstellung im Museum für Druckkunst in der Nonnenstraße 38 öffnete. Die Schau „Gedruckte Werte“ wurde am Dienstagabend eröffnet.

Sie bietet anhand zahlreicher Aktien und anderer Exponate aus zwei Jahrhunderten bis 14. August einen Einblick in die Geschichte, Gestaltung und Herstellung von Wertpapieren. Darüber hinaus sind originale Druckplatten, Rahmen, Guillochen, Trockenstempel und Holzstiche zu sehen. Banknoten spielen in der aktuellen Ausstellung allerdings keine Rolle. Sie konzentriert sich auf teilweise sehr repräsentative Wertpapiere.

Sicher: Aktien werden heute digital gehandelt, nur noch selten als Papier. Wie Vertrauen gedruckt werden kann, spielt aber nach wie vor bei allen Sicherheitspapieren eine Rolle. Neben Banknoten gibt es weiterhin „geldähnliche Papiere“ oder geldwerte Produkte – bis hin zu Schecks, Briefmarken, Eintrittskarten oder Kreditkarten. Das Museum widmet sich mit der Sonderschau einem seltenen erzählten Kapitel der Technik- und Wirtschaftsgeschichte, die am Beispiel Leipzigs und Teilen Sachsen behandelt wird. Giesecke & Devrient wurde 1852 in Leipzig als typographisches Kunst-Institut gegründet. Kuratorin Astrid Wolff: „Die beiden Gründer konzentrierten sich zunächst auf den Buch- und Kunstdruck. Später kamen schon aus wirtschaftlichen Erwägungen Abteilungen für Lithographie und Steindruck, aber auch für Kupfer- und Stahldruck hinzu.“ Daraus entwickelte sich der Banknotendruck, der bald das wichtigste Geschäftsfeld des Unternehmen wurde, sowie mit dem Industriezeitalter der Wertpapierdruck. Leipzig war viele Jahrzehnte das Zentrum des Wertpapierdrucks in Deutschland.

Für alle Wertpapiere gilt: Sie müssen fälschungssicher sein. „Dies wurde durch den Einsatz mehrerer komplexer Drucktechniken erreicht, müssen“, erklärt Susann Richter, die Direktorin des Museums für Druckkunst. Grundmotiv einer Aktie sei die Guilloche, ein kompliziertes filigranes, geschwungenes Liniennetz. Spätestens seit den 1870er Jahren wurden auch Wasserzeichenpapiere verwendet. Werks- sowie Firmenarchiv und das Sächsische Staatsarchiv Leipzig haben Druckplatten, Dokumente, Musterbücher und Druckvorlagen aufbewahrt. „Es ist erstaunlich, welcher Aufwand an Handarbeit da betrieben wurde. Immerhin waren Aktien ein Serienprodukt“, erläutert die Museumschefin. Für den Untergrund und Rahmen gab es spezielle Musterbücher, die dem Kunden vorgelegt worden sind. Wie Aktien fälschungssicher hergestellt worden sind, wird auch in einem Begleitbuch zur Ausstellung umfangreich erklärt.

In einer weiteren Schau präsentiert das Museum bis 3. April übrigens noch unter dem Titel „K: KafKa in KomiKs“ Klassiker des in Prag geborenen Autors Franz Kafka in einem zeitgenössischen Gewand. Es hat ebenfalls auf der Buchmesse einen Stand, wo Ingenieurskunst live an der Linotype vorgeführt wird.

Geöffnet ist Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr, am Sonntag 11 bis 17 Uhr. Zur Buchmesse gibt es zusätzliche Angebote. Eintritt sechs Euro, ermäßigt vier Euro, Kinder 1,50 Euro.

Von Mathias Orbeck

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