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Leipziger Nahverkehr: Unpünktlichkeit nervt Kunden

Bahnen und Busse Leipziger Nahverkehr: Unpünktlichkeit nervt Kunden

Die Klagen über unpünktliche Straßenbahnen und Busse der LVB werden lauter. In den Hauptverkehrszeiten sei der Fahrplan praktisch außer Kraft gesetzt, beschweren sich Fahrgäste. Deshalb orientieren sich Leipziger inzwischen vor allem an den dynamischen Fahrgastanzeigetafeln.

Haltestelle Straßenbahnhof Angerbrücke

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Unzufriedenheit lässt sich auch an der Statistik ablesen, die die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) alle zwei Jahre über die Zufriedenheit ihrer Kunden anfertigen: Nach Jahren einer kontinuierlichen Verbesserung beim Qualitätsmerkmal „Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit“ verschlechterte sich der Wert 2014 erstmals wieder und fiel auf das Niveau von 2007 zurück. Bei diesen Umfragen bewerten Fahrgäste auf einer Skala von 1 („sehr zufrieden“) bis 4 („sehr unzufrieden“) die LVB. Für das Qualitätsmerkmal „Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit“ wurde 2005 der Wert 2,30 ermittelt, 2007 verbesserte sich der Wert auf 2,11. Im Jahr 2009 hielt der positive Trend mit 1,94 an und im Jahr 2011 gelang dem Unternehmen sogar der bislang beste Wert von 1,89. Doch seit 2014 ist alles anders: Die Unzufriedenheit mit der Pünktlichkeit trieb den Wert wieder auf 2,12.

Besonders hart trifft es oft Fahrgäste, die umsteigen müssen – zum Beispiel von einer Straßenbahn in eine S-Bahn. Denn Leipzigs Nahverkehrssystem ist eng vertaktet – deshalb reichen oft wenige Minuten Verspätung aus, um Anschluss-S-Bahnen zu verpassen. Und dann muss nicht selten lange gewartet werden, bis die nächste S-Bahn eintrifft.

Die Pünktlichsten

Die pünktlichste Leipziger Straßenbahnlinie war im vergangenen Jahr die Linie 14. Auf ihr rollten 90 Prozent der Bahnen pünktlich. Auf Platz zwei folgte die Linie 12, für die das rechnergestützte Verkehrsleitsystem der LVB eine Pünktlichkeit von 89 Prozent auswies. Auf Platz drei kam die Linie 16. Auf ihr erfüllten 86 Prozent der Bahnen das Pünktlichkeitskriterium der LVB und rollten nur mit maximal drei Minuten Verspätung an.

Abhängig ist die Pünktlichkeit auch von der Verkehrsleitstelle der LVB. Sie verhindert, dass mehrere Bahnen kurz hintereinander eine Haltestelle bedienen. Dann entscheidet die Leitstelle, dass ein Fahrzeug zur Fahrplanregulierung bei der nächsten Wendemöglichkeit wendet, also nicht mehr den gesamten Linienverlauf wie gewohnt bedient, sondern in der Gegenrichtung wieder ein normalisiertes Angebot sicherstellt. A. T.

Wie viele Fahrgäste dies täglich erleben, ist nicht bekannt. Aber interne Auswertungen der LVB belegen ebenfalls, dass Leipzigs öffentliche Bahnen und Busse unpünktlicher geworden sind. Zwar weist diese interne Pünktlichkeitsstatistik der LVB noch Fahrten mit Abweichungen von einer Minute zu früh bis drei Minuten zu spät als „pünktlich“ aus (siehe Diagramme unten). Doch der Trend ist negativ: Die vom computergesteuerten Betriebsleitsystem der LVB in der Angerstraße automatisch ermittelten Werte sind in den vergangenen fünf Jahren schlechter geworden: Fuhren im vergangenen Jahr 81,13 Prozent aller Straßenbahnen und 84,88 Prozent der Busse „pünktlich“, so waren im Jahr 2011 noch 6,7 Prozent der Straßenbahnen mehr „pünktlich“ (insgesamt 87,83 Prozent); bei den Bussen betrug die Verschlechterung 1,31 Prozent – wobei Pünktlichkeit Verspätungen bis drei Minuten bedeutet. „Damit fuhren im vergangenen Jahr acht von zehn Straßenbahnfahrten pünktlich“, betont LVB-Sprecher Marc Backhaus.

Zugenommen haben laut interner LVB-Statistik auch die Fälle, die in dem Verkehrsunternehmen auch offiziell als „verspätet“ gelten, weil Busse und Bahnen zwischen drei und zehn Minuten zu spät an den Haltestellen eintrafen. Bei rund 16,76 Prozent der Straßenbahnen war dies im vergangenen Jahr der Fall – im Jahr 2011 waren es „nur“ 9,66 Prozent gewesen. Von den LVB-Bussen trafen im vergangenen Jahr 12,77 Prozent bis zu zehn Minuten zu spät ein; 2011 waren „nur“ 9,94 Prozent so stark verspätet unterwegs.

Umfrage zur Pünktlichkeit der LVB

Welche Erfahrungen haben Sie mit den LVB gemacht?

Die Unpünktlichsten

Die Pünktlichkeitswerte schwanken von Linie zu Linie zum Teil erheblich. Leipzigs unpünktlichste Straßenbahnen waren im Jahr 2015 auf der Linie 7 unterwegs – nur 72 Prozent der Fahrzeuge kamen dort „pünktlich“ an, also nur eine Minute zu früh oder maximal drei Minuten zu spät. Auf Platz zwei folgte die Linie 11 mit 76 Prozent Pünktlichkeit; auf Platz drei die Linie 10 mit 78 Prozent. Die Linien 10 und die 11 wurden stark durch die Bauarbeiten auf der Karl-Liebknecht-Straße beeinflusst. In der Georg-Schumann-Straße wirkte sich zudem die Neuaufteilung der Verkehrsräume negativ auf den Straßenbahnverkehr aus. Zugunsten von Radwegen und Parkstreifen wurden über weite Strecken zwei Fahrspuren reduziert, sodass Autos auf den Gleisen fahren müssen. Bei der Linie 7 waren es neben Falschparkern in der Georg-Schwarz-Straße vor allem Langsamfahrstellen, die die LVB im Laufe des Jahres 2016 jedoch größtenteils beheben wollen. Bei Falschparkern, die Gleise blockieren, arbeitet das Unternehmen eng mit dem Ordnungsamt der Stadt zusammen. Je nach Situation wird über ein Abschleppen entschieden und dieses dann veranlasst. A. T.

Statistisch erfasst wird auch der Anteil der Fahrzeuge, die mit mehr als zehn Minuten Verspätung an den Haltestellen eintreffen – bei den Straßenbahnen stieg dieser Anteil von 0,41 Prozent (2011) auf 0,99 Prozent (2015) an; bei den Bussen blieb dieser Wert mit 0,51 Prozent (2011) und 0,54 Prozent (2015) nahezu konstant.

70 Prozent der Gleise werden von Autos mitbenutzt

Die LVB räumen ein, dass die meisten Verspätungen in den Hauptverkehrszeiten auftreten – in denen die meisten Fahrgäste unterwegs sind. „In einer stark wachsenden Stadt wie Leipzig gibt es immer mehr Autos und Fahrgäste, die ein- und aussteigen“, skizziert Sprecher Backhaus die Ursachen. Außerdem müssten sich die Straßenbahnen rund 70 Prozent ihrer Gleistrassen mit dem Autoverkehr teilen – da sei die Gefahr groß, in Staus stecken zu bleiben. Darüber hinaus gebe es fast täglich Verkehrsstörungen durch Falschparker beziehungsweise Unfälle Dritter; auch Baustellen seien im Straßen- und Gleisnetz praktisch ständig vorhanden. „Einen minutiös pünktlichen Betrieb können wir daher niemals anbieten“, sagt auch LVB-Verkehrsmanager Holger Flache. „Aber unser attraktiver Zehn-MinutenTakt im Stadtgebiet gleicht das teilweise aus.“

Die LVB halten nichts davon, diese Verspätungen gleich in ihren Fahrplan einzuarbeiten und so für mehr Fahrplantreue zu sorgen. Dies sei nur bedingt möglich und berge die Gefahr sogenannter „Verfrühungen“ – also Busse und Bahnen, die an den Haltestellen zu früh ankommen, heißt es. „Solche Abweichungen nehmen uns die Fahrgäste noch mehr übel als geringe Verspätungen“, berichtet LVB-Angebotsplaner Ekkehard Westphal. Um wieder pünktlicher zu werden, modernisieren die LVB in diesem Jahr vorrangig verschlissene Gleise, auf denen Straßenbahnen nur noch extrem langsam rollen können. Rund 26 Millionen Euro fließen in solche Investitionsschwerpunkte und sollen wieder für mehr Tempo sorgen.

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