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Leipziger Norden: Hunderte Wohnungen neben der Krochsiedlung geplant

200 Quartiere plus Parkhaus Leipziger Norden: Hunderte Wohnungen neben der Krochsiedlung geplant

Zu beiden Seiten der Krochsiedlung, die zu den wichtigsten Zeugnissen der Architektur der klassischen Moderne in Leipzig gehört, entstehen bald Hunderte neue Wohnungen. Insbesondere auf einer Freifläche zwischen der Bremer Straße und dem Stadion des Friedens haben Investoren viel vor, wobei ab Anfang 2016 auch ein Parkhaus direkt an der Max-Liebermann-Straße gebaut werden soll.

An der Max-Liebermann-Straße wird ein Parkhaus mit einigen Läden im Erdgeschoss errichtet. Es dient zugleich als Lärm- und Emissionsschutz, damit dahinter ein ruhiges und in sich geschlossenes Viertel heranwachsen kann. Links und rechts neben dem Parkhaus sorgen transparente Lärmschutzwände mit viel Glas dafür, dass die Wohnungen dahinter nicht abgeschottet wirken.
 

Quelle: Mann&Schott

Leipzig.  Zu beiden Seiten der Krochsiedlung, die zu den wichtigsten Zeugnissen der Architektur der klassischen Moderne in Leipzig gehört, entstehen bald Hunderte neue Wohnungen. Insbesondere auf einer drei Hektar großen Freifläche zwischen der Bremer Straße und dem Stadion des Friedens haben Investoren viel vor.

Seit die Stadt die Max-Liebermann-Straße umfangreich erneuert hat, avanciert Gohlis-Nord zu einer gefragten Wohngegend. „Sportanlagen, Kitas, Schulen, das Wackerbad oder die Schladitzer Bucht zur Erholung finden sich ganz in der Nähe“, sagt Steffen Voigt. Er ist Projektleiter bei der LE Quartier 1 GmbH, die Anfang 2016 ein großes Bauprojekt an der Max-Liebermann-Straße starten wird. „Im Grunde knüpfen wir damit an die Pläne des Bankiers Hans Kroch an, unter dessen Ägide bis 1930 die Krochsiedlung entstand.“ Deren mehr als 1000 Wohnungen wurden stark vom Bauhaus-Stil geprägt. Damals höchst modern, erfreuen sie sich heute – nach einer Generalsanierung in den Neunzigerjahren – wieder großer Beliebtheit.

Zu Krochs Zeiten gingen die Ideen aber noch viel weiter. Geplant war eine Wohnstadt „Neu-Gohlis“ mit der Versöhnungskirche als Mittelpunkt. Zumindest für die riesige Freifläche zwischen der Bremer Straße und dem Stadion des Friedens gibt es nun konkrete Absichten für ein neues, modernes Viertel. „Wir schaffen dort einen angenehmen Kiez. Er ist vor allem für Neu-Leipziger gedacht, die im nördlichen Wirtschaftsgürtel arbeiten und denen die Mieten in der City zu teuer sind“, erläutert Voigt das Konzept. „Gleichgesinnte Familien können sich da begegnen, gemeinsam feiern, die Kinder zusammen spielen.“

Konkret will das Unternehmen 93 Mietwohnungen bauen, die alle auch mit dem Kinderwagen erreichbar sind: schwellenfrei über Rampen oder Fahrstühle. Die Größe reicht von 64 bis zu 217 Quadratmetern (im Penthouse). Mittelbereich-Küchen, Fußbodenheizung und große Balkone gehören ebenso zu den Annehmlichkeiten wie günstige Betriebskosten durch den Energieeffizienz-Standard KfW 70, ergänzt Tilo Mann vom Leipziger Büro Mann&Schott Architekten. Damit ein autofreies sowie in sich geschlossenes Quartier mit hoher Lebensqualität entsteht, werde an der Max-Liebermann-Straße ein fünfgeschossiges Parkhaus mit Auto-Liften errichtet. Dieses Gebäude, in dessen Erdgeschoss noch einige Gewerbeflächen für kleine Läden eingeordnet werden, diene zugleich als Emissionsschutz zur Straße.

 Links und rechts kommen noch transparente Lärmschutzwände hinzu, die wie eine Hausfassade wirken. „Dort verwenden wir Glasflächen mit einem gut gestalteten Tragsystem“, so der Architekt. „Die Hofseite wird immergrün bepflanzt.“

Jochem Lunebach, Leiter des Stadplanungsamtes, hebt bei dem ganzen Projekt einen „hohen Durchdringungsgrad“ hervor. Die Investoren hätten mit der Kommune sehr viele Details abgestimmt. Im Ergebnis seien auf dem 6400-Quadratmeter-Grundstück nun beispielsweise auch 158 Fahrrad-Stellplätze vorgesehen.

Unmittelbar nördlich dieses Baufeldes hat sich der in Schweden beheimatete Baukonzern NCC ein Nachbarareal gesichert, das sogar 25 000 Quadratmeter umfasst. „In Leipzig sind wir bislang nur mit Siedlungs- oder Stadthäusern in Erscheinung getreten“, erklärt Regionsleiter Frank Schwennicke. So laufe in Probstheida neben dem Gasthaus „Kaiser Napoleon“ gerade der Abriss einer früheren Bäckerei. Wie berichtet, baut NCC dort ab dem nächsten Frühjahr 23 moderne Doppel- und Reihenhäuser in Anordnung eines Dorfangers, der zu dem alten Ortskern an der Russenstraße passt. Für die städtebauliche Einordnung wurde ein Architektenwettbewerb durchgeführt, den das Leipziger Büro Hentsch Mühle gewonnen hat.

In Gohlis-Nord wolle NCC nun erstmals auf Leipziger Fluren zeigen, dass die Schweden eigentlich der größte Wohnungsbau-Projektentwickler in Deutschland sind, sagt Schwennicke. Mit einer Zufahrt über die Bremer Straße solle ab kommendem Frühjahr zunächst ein Mehrgeschosser mit 70 Wohnungen entstehen. Später könnten auf demselben Areal noch weitere 70 Wohnungen im Geschossbau sowie bis zu 65 Wohnungen als Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäuser folgen. „Wir stehen dazu in guten Gesprächen mit der Stadt. Das schnell wachsende Leipzig braucht deutlich mehr neue Wohnungen.“

Auch auf der anderen Seite der Krochsiedlung (neben dem Einkaufszentrum Gohlis-Park) entstehen neue Häuser. NCC hat dort bereits zwei Sechsgeschosser samt Tiefgarage im Rohbau hochgezogen. Sie beherbergen künftig 42 Eigentumswohnungen mit 55 bis 100 Quadratmetern. Investitionsvolumen: zwölf Millionen Euro. Eines der beiden Häuser dockt unmittelbar an ein neues Pflegeheim der Casa-Reha-Gruppe in der Hedwig-Burgheim-Straße an. Wie berichtet, soll dieses Heim mit 127 Zimmern im kommenden Sommer öffnen. Das andere Wohnhaus arrondiert das Gelände in Richtung Max-Liebermann-Straße, wo schon ein Lärmschutz existiert.

Am anderen Ende der Max-Liebermann-Straße (kurz vor der Delitzscher Straße) errichtet die Firma ICS Climasysteme die hier abgebildete neue Nied

Am anderen Ende der Max-Liebermann-Straße (kurz vor der Delitzscher Straße) errichtet die Firma ICS Climasysteme die hier abgebildete neue Niederlassung.

Quelle: Mann&Schott

Dass die Lage in Gohlis-Nord gut angenommen wird, zeigten auch die ehemaligen Kasernen, die jetzt zu großen Wohnstandorten umgebaut werden, so Architekt Tilo Mann. Auch die Wirtschaft ziele auf die Max-Liebermann-Straße. So baue sein Büro in Kürze eine architektonisch außergewöhnliche Niederlassung für die Firma ICS Climasysteme. Und zwar am anderen Ende der Trasse: Ecke Delitzscher Straße.

www.mann-schott-architekten.de

Von Jens Rometsch

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