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Lokales Leipziger OBM trauert um seinen Danziger Amtskollegen
Leipzig Lokales Leipziger OBM trauert um seinen Danziger Amtskollegen
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17:36 14.01.2019
Pawel Adamowicz Quelle: Foto: imago
Leipzig

Mit Bestürzung wurde gestern in Leipzig die Nachricht vom Tod des Bürgermeisters der polnischen Stadt Danzig, Pawel Adamowicz, aufgenommen. Der 53-jährige Politiker war am Sonntag bei einer Veranstaltung von einem Messerattentäter angegriffen worden. Gestern erlag er seinen schweren Verletzungen.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) nannte den Angriff auf seinen Amtskollegen einen „feigen Mordanschlag“. Die beiden Politiker kannten sich seit vielen Jahren. Beide Städte verbindet der Widerstand gegen den Sozialismus. In Danzig hatte die Solidarnosc-Bewegung ihre Geburtsstunde, in Leipzig die Friedlichen Revolution 1989.

„Für mich ist diese Attacke ein deutlicher Hinweis darauf, dass Worten irgendwann auch Taten folgen“, sagte Jung. „Wir erleben nicht nur in Polen eine seit Jahren aufgeheizte Stimmung und Spaltung der Gesellschaft, in der Hass von immer noch mehr Hass überboten wird und der jetzt ein Todesopfer gefordert hat. Der Angriff muss uns allen erneut Zeichen sein, jede Gewalt zu ächten und für eine friedliche Gesellschaft zu kämpfen.“

„Verlust für Leipzig, Danzig und die Demokratie in Polen

Betroffen von dem Mord an dem polnischen Politiker zeigte sich auch der Leipziger Bürgerrechtler Uwe Schwabe. „Ich hatte die Gelegenheit, den Bürgermeister zweimal persönlich zu treffen“, sagte er gegenüber der LVZ. „Er war ein großartiger Mensch und überzeugter Demokrat.“ Sein Tod sei ein großer Verlust für Leipzig, für Danzig, aber auch „für die Demokratie in Polen“.

Leipzig und Danzig sind zwar keine Partnerstädte, sie verbindet aber eine langjährige Zusammenarbeit. Schon seit 15 Jahren bestehen Kooperationen zwischen den Stadtverwaltungen. Seit 2004 haben die Leipziger Stadtwerke mit dem Fernwärmeversorger GPEC ein Tochterunternehmen in Danzig. Über das Städtenetzwerk Eurocities sind beide Kommunen eng verbunden. Am 9. Oktober 2011 war Danzig Partnerstadt des Lichtfestes zum Jahrestag der Friedlichen Revolution.

Erst im vergangenen September war eine Delegation mit 50 Teilnehmern aus Leipzig nach Danzig gereist, um sich dort unter anderem über das Solidarnosc-Zentrum zu informieren und Anregungen für ein ähnliches Erinnerungsprojekt auf dem Mätthäikirchhof in Leipzig zu holen. Während des Besuchs unterzeichneten Jung und Adamowicz ein „Memorandum of Unterstanding“. Darin bekräftigen beide Stadtoberhäupter ihren Willen, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten zu vertiefen.

Verfechter von Freiheit der Presseund Gerichte

Adamowicz gehörte bis 2015 der derzeitigen Oppositionspartei Bürgerplattform PO an. Er war ein scharfer Kritiker der in Polen regierenden rechtsnationalen PiS-Partei. Auf der Gedenkveranstaltung am 1. September 2018 auf der Westerplatte anlässlich des 79. Jahrestages des Kriegsausbruchs, an der die Leipziger als einzige ausländische Delegation teilgenommen hatten, mahnte Adamowicz eindringlich die Fortsetzung des europäischen Friedenswerks an und warb für die Achtung der Verfassung sowie für die Freiheit der Presse und Gerichte. Die Stadt Danzig versteht das jährliche Gedenken an dem Ort, an dem der verheerendste aller Kriege begann, als zivile Veranstaltung. Die nationale Regierung dagegen gibt ihr einen zunehmend militärischen Anstrich.

Der parteilose Adamowicz war am Sonntagabend auf offener Bühne bei einer Spendenveranstaltung von einem Angreifer mit einem Messer niedergestochen worden war. Der Täter, ein vorbestrafter 27-jähriger Danziger, war erst im Dezember aus dem Gefängnis freikommen. Hinter der Tat wird Rache vermutet. Der Mann soll gerufen haben, dass er unschuldig in Haft gewesen sei, hieß es in Agenturberichten unter Berufung auf Augenzeugen. Ermittler schlossen eine psychische Erkrankung des Angreifers nicht aus.

Von Klaus Staeubert

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