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Leipziger OBM will keine Spezialprogramme für Flüchtlinge

Integration von Asylbewerbern Leipziger OBM will keine Spezialprogramme für Flüchtlinge

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) will die Angebote in der Stadt Leipzig systematisch erfassen lassen, um die Integration von Flüchtlingen in die Stadtgesellschaft neu installieren zu können. Er halte aber nichts von Spezialprogrammen.

Große Integrationsaufgaben liegen vor der Stadt Leipzig – und damit vor OBM Jung.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) will die Angebote in der Stadt systematisch erfassen lassen, um die Integration von Flüchtlingen in die Stadtgesellschaft neu aufstellen zu können. Von Beratungsstellen der Ausländerbehörde, über Arbeitsintegrationsprojekte bis zu Angeboten hiesiger Sportvereine. Das erklärte Jung jetzt gegenüber der LVZ. So solle auch geklärt werden, an welcher Stelle die Stadt noch eingreifen müsse. Es müsse stark darum gehen, die zivilgesellschaftlichen Kräfte zu unterstützen. „Was da in unserer Stadt an Hilfe geleistet wird, finde ich großartig.“ Es gebe in Leipzig bereits viele Angebote zur Integration. „Sie sind bloß nicht auf so viele Menschen ausgerichtet.“

Er halte aber nichts von Spezialprogrammen, betonte der OBM. Das Projekt der Handwerkskammer Leipzig, mit dem Flüchtlinge in Gesellschaft und Arbeitsmarkt integriert werden sollen, sei ein sehr gelungener Ansatz. Es müsse aber auch für junge deutsche Arbeitslose geöffnet werden, die seit langer Zeit eine Lehrstelle suchen. „Jedes Spezialprogramm könnte in die falsche Richtung gehen.“ Die Gefahr: Vorurteile könnten bestärkt werden. Das gelte auch für die knapper werdenden Ein- oder Zwei-Raum-Wohnungen. „Es darf nicht die Situation entstehen, dass der Hartz-IV-Empfänger oder der Geringverdiener ins Hintertreffen geraten. Es darf nicht zu einer gefühlten oder tatsächlichen Benachteiligung des Bürgers kommen, der hier seit Jahren lebt.“ In guter Absicht sei etwa eine Generalprobe für Asylbewerber mit ihren Kindern geöffnet – und einer Schulklasse abgesagt worden. „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.“ Die Stadt achte sehr auf Gleichbehandlung, betont Jung. So werde für hiesige Obdachlose auf keinen Fall weniger getan als für Flüchtlinge; den Vorwurf gebe es immer wieder.

Deutschkurs, Analyse beruflicher Fähigkeiten, Praktikum, Vermittlung – diese Reihenfolge sei zur Integration in den Arbeitsmarkt sinnvoll. Dass der Mindestlohn auch für arbeitende Flüchtlinge gelten müsse, stehe außer Frage. Sonst drohe auch an dieser Stelle Ungleichheit und Missmut.

„Ich setze ganz stark auf den Sport“, erklärte Jung. „Das ist der ideale Ort, um in Verbindung zu kommen – eine sehr gute Plattform.“ Es gebe positive Signale vom Stadtsportbund sowie von Fußballvereinen. Vereine und Verbände seien ohnehin die entscheidende Größe bei der Integration.

Und was macht die Stadt? Schon weit vor dem großen Ansturm habe die Verwaltung ein Migrationskonzept mit vielen Ansätzen erstellt. Der OBM hat inzwischen zwei zusätzliche Stellen beim Flüchtlingsrat bewilligt. Zudem würden zusätzliche Deutschlehrer für Sprachkurse an der Volkshochschule engagiert. Das wohnungspolitische Konzept der Stadt werde weiterentwickelt. Der Migrantenbeirat biete eine Plattform zur Diskussion über mögliche Programme. 60 Mitarbeiter der Verwaltung engagieren sich in der Betreuung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. In der Kultur werde viel geleistet. Sehr gefreut habe ihn die Initiative der Oper, die ohne großes Aufsehen Sonderkontingente angeboten habe – und zwar eben nicht nur für Flüchtlinge, sondern gleichfalls für sozial Schwache und Geringverdiener. Auch das Gewandhaus sei in diesem Sinne tätig; das Theater der Jungen Welt engagiere sich in Lindenau. Das Schauspielhaus beschäftige sich programmatisch mit dem Thema.

Wie das diskutierte Willkommenszentrum aussehen soll, sei noch unklar. Zu entscheiden sei etwa, ob es einen zentralen Standort geben soll – oder aber mehrere dezentrale Einrichtungen. Es sei richtig, hier genau zu prüfen, welche Vorgehen das bessere sei.

„Die Mehrheit in dieser Stadt ist dazu bereit, Flüchtlinge zu integrieren – davon bin ich fest überzeugt“, betonte OBM Jung. Wenn es eine neue Familie in der Nachbarschaft, einen neuen Mitstreiter im Sportverein gebe – dann werde sich auch gekümmert.

Von Björn Meine

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