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Lokales Leipziger Ökobad - Lindenthal pocht auf Eingemeindungsvertrag
Leipzig Lokales Leipziger Ökobad - Lindenthal pocht auf Eingemeindungsvertrag
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23:59 11.12.2014
Streitobjekt zwischen Stadt und Ortsteil: das Ökobad Lindenthal. Quelle: André Kempner

Allein an drei Abenden seit Oktober debattierte der Ortschaftsrat hinter verschlossenen Türen über das Schicksal dieser vor allem bei Familien mit Kindern beliebten Badeoase. Jetzt beschloss das Gremium einstimmig - und damit über alle Parteigrenzen hinweg -, dass am Eingemeindungsvertrag, der den Erhalt des Bades festschreibt, kein Weg vorbeiführe. In dem Vertragsdokument von 1998 heißt es unter Paragraf 9, Absatz 8: "Die Stadt Leipzig sichert den Erhalt und den Weiterbetrieb des Freibades in Lindenthal zu." Juristisch befinden sich die Lindenthaler also auf der sicheren Seite.

Offensichtlich waren auch die nachgebesserten Angebote aus dem Rathaus zu dünn und nicht überzeugend genug, um den Lindenthaler Bürgern die Bad-Schließung vermitteln zu können. So sehr sich Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) ins Zeug legte, auch Inge Kunath, die Leiterin des Amtes für Stadtgrün und Gewässer, sowie Sportbäder-Geschäftsführer Joachim Helwing ihre Argumente für eine Umwandlung des Areals in eine Grünanlage mit Landschaftssee leidenschaftlich vortrugen, der Ortschaftsrat um Ortsvorsteher Thomas Hoffmann (CDU) knickte nicht ein, sondern pocht auf den Eingemeindungsvertrag. "Ja, wir erwarten von der Stadt, dass in die Anlage investiert und das Ökobad noch attraktiver gemacht wird", betonte Hoffmann. So sei im Beschluss des Ortschaftsrates, der inzwischen im Büro des Umweltbürgermeisters eintraf, festgehalten, dass Sanierungsarbeiten im nächsten Frühjahr oder Herbst erfolgen sollten, damit das Bad den Sommer über geöffnet werden kann. Unbedingt erneuert werden müsse die 35-Meter-Rutsche und die Steganlage, die schon in diesem Jahr wegen Baufälligkeit teilweise gesperrt war.

Fachleute machen fehlende Investitionen dafür verantwortlich, dass das Ökobad aufgrund mikrobiologischer Grenzwertüberschreitungen im August 2014 zeitweise geschlossen werden musste (die LVZ berichtete). Dies sei eine unmittelbare Folge des Bäderleistungsfinanzierungsvertrages der Sportbäder GmbH, in dem 2012 die Schließung des Ökobades festgeschrieben und im Dezember desselben Jahres vom Stadtrat beschlossen worden war. Erst heftige Proteste des damaligen Lindenthaler Ortschaftsrates und die Androhung einer gerichtlichen Klage zwangen die Stadtverwaltung zum Einlenken - das Ökobad blieb erhalten.

Natürlich schließen die Ortschaftsräte nicht die Augen vor den wirtschaftlichen Zwängen, die mit dem Erhalt des Bades einhergehen. Doch die Subvention von rund 13 Euro pro Eintrittskarte, von Sportbäder-Chef Helwing gern ins Feld geführt, halten die Räte für übertrieben. Einige machen eine Rechnung von etwa acht Euro pro Ticket auf. Damit würde man in Lindenthal gerade mal einen Euro über dem Subventionsdurchschnitt für Leipziger Freibäder liegen.

Wie die Stadtverwaltung auf das Scheitern ihrer Umgestaltungspläne und den Beschluss des Ortschaftsrates reagiert, bleibt abzuwarten. "Bürgermeister Rosenthal muss das Ganze jetzt nach allen Seiten abwägen und braucht dazu noch Zeit", erläuterte Martin Weber, der persönliche Referent des Umweltdezernatsleiters, auf LVZ-Anfrage. Ein neues Verhandlungsangebot aus dem Rathaus scheint eher unwahrscheinlich, zumal der Ortschaftsrat eindeutige Prioritäten gesetzt hat, wie Ortsvorsteher Hoffmann sagte: "Das Ökobad bleibt. Und wenn wir am Ende das Gericht bemühen müssen", betonte er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.12.2014

Gießler, Günther

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