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Leipziger Ordnungsamtsleiter Loris in Affäre um herrenlose Häuser verwickelt

Leipziger Ordnungsamtsleiter Loris in Affäre um herrenlose Häuser verwickelt

Auch der jetzige Ordnungsamtsleiter Helmut Loris hat Akten zu den sogenannten herrenlosen Grundstücken unterschrieben. Im Prozess um Immobilien, die Mitarbeiter der Stadt Leipzig verkauft haben sollen, ohne nach den rechtmäßigen Eigentümern zu suchen, wurde der 56-Jährige am Landgericht gestern aber nicht als Beschuldigter, sondern als Zeuge angehört.

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Helmut Loris, Leiter des Leipziger Ordnungsamts (Archivbild).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Dennoch belehrte Richter Rüdiger Harr ihn darüber, dass er die Auskunft auf Fragen verweigern könne, durch deren Beantwortung er sich selbst belasten würde. "Es gibt keinen konkreten Tatverdacht gegen Sie, aber Sie hatten mit Vorgängen zu tun, die relevant sind", so Harr.

Grund: Loris war um den Jahreswechsel 2006/07 etwa zweieinhalb Monate lang amtierender Leiter der Rechtsamtes, zuvor eine kurze Zeit lang auch Vertreter von Heide Boysen-Tilly, der Chefin des Leipziger Rechtsamtes von 1992 bis 2006. "Ich habe mir definitiv keine einzelnen Akten zu herrenlosen Grundstücken angeguckt", so Loris gestern. Er habe keinen Anlass dafür gesehen, sich um diese Materie zu kümmern, weil es aus seiner Sicht seit Jahren "beanstandungsfrei" gelaufen sei. "Es gab keine Notwendigkeit einzugreifen." Die ihm vom zuständigen Sachbearbeiter - einem der vier jetzt Angeklagten - vorgelegten Papiere habe er unterschrieben. "Es gab keine Beanstandungen, ich konnte mich auf die Vorarbeiten verlassen", sagte Loris. Bei den von ihm unterzeichneten Unterlagen handelte es sich auch um die Bestellung gesetzlicher Vertreter für die Veräußerung von Grundstücken, ohne dass zuvor die Eigentümer ermittelt worden waren.

Weil Loris aber "nur kurze Zeit amtiert" habe, sah die Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht für ein strafbares Verhalten beziehungsweise für ein vorsätzliches Handeln. "Es gab kein Ermittlungsverfahren gegen Herrn Loris", sagte gestern Staatsanwalt Christoph Brückner. Helmut Loris arbeitet eigenen Angaben zufolge seit 1992 bei der Leipziger Stadtverwaltung. Von 2002 bis Anfang 2007 war er im Rechtsamt tätig, seither als Ordnungsamtsleiter.

Nachdem Heide Boysen-Tilly 2006 in den Ruhestand gegangen war, gab es laut Justiziarin Angela Helfmann, einer weiteren gestern angehörten Zeugin, eine große Aufräumaktion im Büro der Ex-Amtsleiterin. Etwa 200 Akten hätten erst einmal durchgesehen, Rechtsgebieten zugeordnet und zur Registratur gebracht werden müssen. "Es gab etliche Vorgänge ohne Aktenzeichen." Wie es gestern hieß, handelte es sich offenbar um noch weitaus mehr, um 500 Akten. Auch Lose-Blatt-Stapel hätten sortiert werden müssen, so Helfmann auf eine Frage von Verteidigerin Gesine Reisert. Laut Anwältin Reisert wurden 2007 zudem 769 Akten entdeckt, die Mitarbeitern vorgelegt werden sollten, die allerdings gar nicht mehr im Rechtsamt tätig waren. Zeugin Helfmann zufolge bestand in der Ära Boysen-Tilly eine hierarchisch geprägte Struktur; um das Thema herrenlose Häuser habe sich in den 1990er-Jahren ausschließlich die Amtsleiterin selbst gekümmert. "Sie hat sehr viel allein gemacht", so die 55-Jährige, die damals in Abwesenheit Boysen-Tillys als deren Vertreterin nur für die Erledigung der aktuellen Post zuständig gewesen sei.

Wie berichtet, erhob die Staatsanwaltschaft auch Anklage gegen Boysen-Tilly. Nach ihrem Tod im April 2014 wurde das Verfahren aber eingestellt. Wegen Untreuevorwürfen verantworten müssen sich Amtsnachfolgerin Gesa Dähnhardt (48) sowie zwei Ex-Mitarbeiter (52/60) und eine Rechtsanwältin. Nach weiteren Zeugenanhörungen am 26. November und 3. Dezember sieht das Gericht für den 10. Dezember die Plädoyers und den 17. Dezember die Urteilsverkündung vor.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.11.2014

Kreuz, Sabine

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