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Leipziger Organspenden-Affäre facht Debatte um Transplantationszentren an

Leipziger Organspenden-Affäre facht Debatte um Transplantationszentren an

Leipzig. Die Organspende-Affäre am Universitätsklinikum Leipzig hat die Debatte um das Transplantationssystem in Deutschland neu befeuert.

Patientenschützer fordern, die Zahl der 47 Transplantationszentren in Deutschland zu halbieren. Auch der medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Günter Kirste, sagte: „Es muss in den Transplantationszentren ganz heftig was geschehen.“ Die neue Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Brandenburgs Ressortchefin Anita Tack (Linke), sprach sich für unbedingte Transparenz aus, betonte aber zugleich, dass die 2012 verschärften Regeln griffen.

Das bekräftigte auch der Jurist Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer. Die Leipziger Verdachtsfälle stammten aus der Vergangenheit. „Diese Art von Manipulationen sind nicht mehr möglich. Sie sind dort passiert, wo ein oder zwei Leute allein vor sich hingewerkelt haben“, sagte Lilie. Inzwischen gebe es überall fachübergreifende Teams, die über die Organvergabe entschieden. Man habe aus dem ersten großen Transplantationsskandal 2012 in Göttingen gelernt.

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Leipzig. Das Leipziger Universitätsklinikum (UKL) verspricht eine lückenlose Aufklärung der Manipulationen an seinem Transplantationszentrum. Die drei suspendierten Mediziner hätten ihre Kooperationsbereitschaft erklärt, sagte der medizinische Vorstand des UKL, Prof. Wolfgang Fleig. Das Transplantationsprogramm am UKL gehe unterdessen weiter. „Es wird keine Abstriche an Qualität und Quantität geben“, sagte Fleig.

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„Es gibt ein Problem: Die Auslastung der Transplantationszentren funktioniert nicht“, sagte dagegen Eugen Brysch, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Patientenschutz, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Deswegen gebe es einen Konkurrenzkampf und einen Wettbewerb, der in diesem sensiblen Bereich fehl am Platze sei. „Bei solchen ethischen Fragen darf der Profit keine Rolle spielen“, erklärte Brysch. „Wir sagen: Mit gut 20 Zentren kommen wir sehr gut hin. Patienten müssen ja nicht wohnortnah transplantiert werden, sondern qualifiziert.“ Weniger Zentren ließen sich auch leichter kontrollieren. Dazu bedürfe es einer staatlichen Behörde.

"Unverantwortlich, was in Transplantationszentren passiert ist“

Auch die DSO, die Organspenden in Deutschland koordiniert, fordert Konsequenzen aus dem erneuten Skandal. „Es ist unverantwortlich, was in den Transplantationszentren passiert ist“, sagte Kirste. Laut DSO schmälern die Affären die Spendenbereitschaft in Deutschland. „Das Wichtigste ist jetzt, Vertrauen zurückzugewinnen.“

Gesundheitsministerin Tack betonte, dass die Entdeckung der Mauscheleien in Leipzig das Ergebnis der im August 2012 in Kraft getretenen Änderung des Transplantationsgesetzes sei. Jetzt müsse über Transparenz im System die Bereitschaft zur Organspende wieder gefördert werden. „Der Verdacht von Machenschaften und Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe lebenswichtiger Organe darf erst gar nicht aufkommen“, sagte Tack.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe befürchtet infolge des neuen Organspenden-Skandals schweren Schaden für Patienten. „Das ist ein harter Schlag gegen alle Bemühungen, Menschen zur Organspende zu ermutigen. Solche Vorfälle zerstören Vertrauen in die Transplantationsmedizin. Hier schaden schwarze Schafe in dramatischer Weise einer ganzen Medizinrichtung, die geeignet ist, vielen Menschen zu helfen“, sagte Gröhe am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Am Dienstag hatte die Leipziger Uni-Klinik die Manipulationen bei Lebertransplantationen in ihrem Haus publik gemacht. Insgesamt 38 Patienten sollen fälschlicherweise als Dialyse-Fälle geführt worden sein, um sie auf der Warteliste für eine Spenderleber nach oben rutschen zu lassen. Der Direktor der Transplantationsklinik und zwei Oberärzte wurden suspendiert. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat Vor-Ermittlungen aufgenommen. Auch in Göttingen sowie Regensburg und München waren voriges Jahr ähnliche Manipulationen bekanntgeworden.

Prüfung der Staatsanwaltschaft dauert mehrere Wochen

Das von der Leipziger Staatsanwaltschaft eingeleitete Prüfverfahren kann noch mehrere Wochen dauern. Umfang und Zeitrahmen könnten noch nicht genau abgeschätzt werden, sagte Sprecher Ricardo Schulz am Donnerstag. In den nächsten Tagen seien keine Ergebnisse zu erwarten.

„Wir wollen auch die Arbeit der von der Bundesärztekammer geschickten Sonderkommission in unsere Ermittlungen mit einfließen lassen“, sagte Schulz weiter. Diese beginne erst in der kommenden Woche ihre Prüfungen am Leipziger Universitätsklinikum. Das Prüfverfahren der Staatsanwaltschaft ist eine Vorstufe zu möglichen strafrechtlichen Ermittlungen.

dpa/dapd

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