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Leipziger Paar will Leben im Amazonasbecken bewahren

Leipziger Paar will Leben im Amazonasbecken bewahren

Anja Robel und Orlando Danny Gualinga Aviles teilen eine Vision: Die 33-jährige Architektin aus Leipzig und der 29-jährige gebürtige Kichwa-Indianer aus Ecuador wollen die indigene Kultur des 600-Seelen-Dorfes Sani Isla mitten im südamerikanischen Amazonasbecken bewahren.

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Orlando Aviles und Anja Robel (auf dem Foto mit Sohn Yupanki Hans) setzen sich fürs Leben in der Fauna um den Río Napo ein, einem Zufluss des Amazonas im ecuadorianischen Regenwald.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Vor allem vor dem sozialen Unfrieden, den Erdölkonzerne in Aviles' Heimat stiften.

Drei Kanu-Stunden braucht es, um die Siedlung Sani Isla im Nationalpark Yasuní von der Stadt El Coca aus zu erreichen, wo der Río Napo in den Amazonas mündet. So tief im Regenwald Ecuadors gibt es keine Straßen, keinen Strom. Dafür aber eine Natur und eine Kultur, für die es sich zu kämpfen lohnt, meint Orlando Aviles. Er selbst stammt aus Sani Isla, ein großer Teil seiner Familie lebt noch dort mit dem sensiblen Ökosystem Regenwald - und mit Ölmultis wie der amerikanischen Chevron, die in dem Biosphärenreservat nach dem Rohstoff bohren und damit das natürliche Gleichgewicht aus den Fugen bringen.

"Selbst nach den heutigen, 'sauberen' Methoden ist die Erdölförderung mit großen Risiken und Umweltverschmutzung verbunden", schildert Aviles, der neben Quechua-Sprache auch Spanisch beherrscht, zudem Englisch und Deutsch spricht. Tatsächlich wurde Chevron erst im vergangenen November von Ecuadors oberstem Gerichtshof zu einer Geldstrafe in Höhe von etwa neun Milliarden Dollar (rund sieben Milliarden Euro) verurteilt. Wegen giftiger Ölabfälle, die Chevron literweise in den Amazonas kippte. "Die Einwohner des Regenwaldes spüren das", sagt Aviles. Nicht nur Krankheiten breiten sich aus. Der Nachwuchs von Sani Isla verliert zusehends seine Perspektive für die Zukunft. "Viele junge Menschen aus meinem Dorf haben mit Alkoholproblemen zu kämpfen", erklärt der Indianer, "es gibt wenig Gegengewicht, das sich für die Kultur stark macht." Eben dafür will Aviles jetzt eintreten. Von Leipzig aus, wo er mit Anja Robel und dem gemeinsamen, viereinhalb Monate jungen Söhnchen Yupanki Hans in Möckern lebt.

Das Paar lernte sich im August 2011 in Sani Isla kennen. Robel war mit einer Nichtregierungsorganisation dorthin gekommen und hat zusammen mit Aviles das Projekt "Llikchary Ecovillage" entworfen. "Wir wollen damit gezielt den Austausch und die Bildung der Jugendlichen am Amazonas fördern", so Robel. Noch steckt die Idee in der Machbarkeitsstudie, hoffen die Initiatoren auf Mitstreiter. Aviles und Robel denken etwa an den Aufbau einer alternativen Schule in Sani Isla, die das Leben im und mit dem Regenwald würdigt, oder die Einrichtung einer Wald-Apotheke, die ihr Angebot aus dem umliegenden Ökosystem bezieht. "Es ist ein sensibler Platz auf der Erde, der nicht nur für die Leute dort lebenswichtig ist, sondern auch für uns hier", sagt Robel.

@Kontakt per E-Mail an llikchary@gmail.com

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.02.2014

Felix Kretz

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