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Leipziger Paulinum doppelt so teuer wie geplant

Baukosten-Explosion Leipziger Paulinum doppelt so teuer wie geplant

Das Paulinum am Leipziger Augustusplatz kostet die Steuerzahlern deutlich mehr Geld als gedacht: Statt der ursprünglich eingeplanten 52,5 Millionen Euro sind bislang Kosten von 117,5 Millionen Euro entstanden. Der Bauverzug beträgt inzwischen über sechs Jahre – ein Fertigstellungstermin ist nicht in Sicht.

Bis auf das Paulinum – der Aula-Kirchen-Bau mit dem Spitzdach im Zentrum des neuen Gebäudeskomplexes – ist der Campus schon seit sechs Jahren fertig. Für das zeitgleich begonnene Paulinum gibt es noch keinen Fertigstellungstermin.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Das sächsische Finanzministerium hatte zunächst einige Probleme, die aktuellen Gesamtkosten des Aula-Kirchen-Baus zu beziffern (die LVZ berichtete). Doch inzwischen hat die Freistaat-Behörde eingeräumt, dass die Baukosten über die zunächst vermuteten 100 Millionen Euro geklettert sind. Diese Kostenexplosion sei „infolge von großen Schwierigkeiten bei der Baudurchführung“ eingetreten, heißt es in Dresden. Widersprochen wird dem Eindruck, der seit Jahren um den Innenausbau des Aula-Kirchen-Baus tobende Streit habe das Gebäude enorm verteuert: Der Innenausbau des Paulinums schlage mit Gesamtbaukosten von rund 13,5 Millionen Euro zu Buche und habe „nur einen relativ geringen Anteil“ an der Kostensteigerung, heißt es. Die Gesamtbaukosten aller Bauabschnitte des neu gestalteten Campus-Areals am Augustusplatz werden mit 256 Millionen Euro beziffert.

Das Ministerium widerspricht der Befürchtung, dass jede erneute Bauverzögerung die Kosten weiter in die Höhe treibt. Bis auf die gläsernen Säulenverkleidungen im Innenraum sei das Gebäude fertig. Deshalb entstünden mit jedem Jahr zusätzlichen Bauverzug „voraussichtlich keine zusätzlichen Kosten“.

Die aktuellen Differenzen über die Glasverkleidung der Säulen könnten nach Auffassung des Freistaates schon bald gelöst sein. Architekt Erick van Egeraat hatte dagegen in einem LVZ-Interview erklärt, dass er noch mit einer langen Bauverzögerung rechnet, weil die vom Freistaat beauftragte Glasbaufirma die Technologie zur Herstellung des Säulen-Glases nicht beherrsche. Der Freistaat sprach zuletzt von „Fortschritten“ des Glasherstellers. Zur Monatsmitte werde ein neuer Glas-Prototyp vorliegen und damit ein Durchbruch erzielt, heißt es. Allerdings muss auch der Architekten von diesem Ergebnis überzeugt sein – wenn nicht, könnte es zu einem Rechtsstreit zwischen dem Freistaat und ihm kommen. „Der Freistaat beabsichtigt im Einvernehmen mit dem Architekten eine Lösung nach den gestalterischen Vorstellung des Architekten umzusetzen“, heißt es im Finanzministerium. Und: „Rechtliche Auseinandersetzungen würden die Baufertigstellung noch weiter verzögern.“ Nach LVZ-Informationen halten Experten des Finanzministeriums in diesem Fall eine Verzögerung von weiteren vier bis fünf Jahre für möglich.

Der Leipziger Paulinerverein fordert deshalb bereits seit Wochen eine provisorische Verkleidung der halbfertigen Innenraum-Säulen, um den Bau anschließend sofort öffentlich zu nutzen. „Bei uns mehren sich die Anfragen von Leipzigern, die das Gebäude betreten und nutzen wollen“, berichtet Vereinschef Ulrich Stötzner. „Es gibt eine zunehmende Ungeduld unter der Bevölkerung. Die Leute wollen rein.“ Wenn der für Mitte März avisierte erneute Bemusterungstermin der Glas-Elemente wieder keine Lösung bringe, müsse eine öffentliche Nutzung noch in diesem Jahr möglich gemacht werden.

Der Paulinerverein fordert auch, die Zeit bis dahin zu nutzen und die Restaurierung der aus der alten Paulinerkirche gerettete Kanzel unverzüglich fortzusetzen, damit sie an ihrem ursprünglichen Standort im Schiff der neuen Universitätskirche wieder aufgestellt werden kann. Auch die von der Kanzelkommission festgelegte Untersuchung der raumklimatischen Verhältnisse und ihrer Auswirkungen auf die Kanzel unter Nutzungsbedingungen müsse beginnen. „Die Finanzierung der Restaurierung ist durch Zusagen der evangelischen Landeskirche und der Stiftung Universitätskirche St. Pauli abgesichert“, betont Stötzner.

Von Andreas Tappert

Leipzig, Augustusplatz 51.338934 12.380981
Leipzig, Augustusplatz
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