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Leipziger Pendler: Nichts bleibt auf der Strecke

Leipziger Pendler: Nichts bleibt auf der Strecke

Auto, Flugzeug, Bahn - viele Menschen (müssen) pendeln. Drei von ihnen, für die Leipzig mehr oder weniger Lebensmittelpunkt ist, erzählen aus ihrem oft nicht ganz leichten Alltag.

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Stau in Leipzig (Symbolbild)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Leo Brauneiss holpert am Abend mit seinem Fahrrad über Leipzigs Kopfsteinpflaster, wie es viele Menschen jeden Tag tun. Er kommt vom Bahnhof, auch das ist nicht ungewöhnlich. Die wenigsten Leute werden aber gerade aus Wien gekommen sein. Für Brauneiss ist das Routine. Der 52-jährige Wiener hat einen Lehrauftrag für Tonsatz an der Hochschule für Musik und Theater (HMT). Einen Tag in der Woche unterrichtet er neun Stunden in Leipzig, 1170 Kilometer Fahrt nimmt er dafür auf sich - am Dienstagabend kommt er mit dem Zug, am Mittwochabend geht es von Berlin aus mit dem Flugzeug zurück. "Viele sagen, ich sei verrückt, aber das empfinde ich nicht so", sagt Brauneiss. "Diese Abwechslung tut gut. Ich nenne mich Teilzeitaussteiger." An der Hochschule sei er wegen des Pendelns der Exot. Dabei pendeln laut Bundesagentur für Arbeit etwa 87 000 Menschen für ihren Job nach Leipzig, etwa 50 000 aus Leipzig heraus (Stand Juni 2012).

Brauneiss fährt die Strecke Wien-Leipzig seit acht Jahren, aber noch ist es ihm nicht zur Last geworden. Ohne die Finanzierung der HMT könnte er das nicht - sie bezahlt 80 Prozent der Reise- und Übernachtungskosten. Als Zeitverschwendung empfindet er das Pendeln nicht. "Man vertut ja auch zu Hause Zeit", sagt der Ehemann und Vater zweier erwachsener Kinder. Er nutze die Stunden unterwegs, um seinen Unterricht vorzubereiten. Auf dem Heimweg lese er dann ein Buch, etwa Mitternacht sei er wieder in seiner Wohnung in Wien - und die Aussteigerfantasie bis zur nächsten Woche befriedigt.

Die aktuellste Pendlerbefragung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2008 zeigt, dass der Großteil der Pendler immer noch mit dem eigenen Auto unterwegs ist. Nur knapp 13 Prozent fahren dagegen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Einer von ihnen ist Clemens Mall. Der 23-Jährige, der Musik und Spanisch auf Lehramt studiert, pendelt einmal in der Woche für einen Nebenjob nach Berlin. Es ist nicht irgendein Job, sondern eine Chorleitungsassistenz bei den "Vokalhelden", einem Kinder-Chorprojekt des Education-Programms der Berliner Philharmoniker. "Die Entfernung hat für mich bei der Entscheidung keine Rolle gespielt", sagt Mall. "Ich wäre dafür sogar noch weiter gefahren." Eine Stunde und 15 Minuten ist er pro Fahrt unterwegs. "Am Anfang war es heftig, ich musste mich erst daran gewöhnen: Ausspannen oder etwas Sinnvolles machen?" Es ist schließlich eine Mischung aus beidem geworden. Seine Freunde hätten anfangs darüber gestaunt, dass er den wöchentlichen Weg nach Berlin auf sich nehme, aber die schnelle Fahrt im ICE habe sie überzeugt. "Irgendwann denkt man auch nicht mehr über die Entfernung nach, die man zurücklegt."

Susan Händler pendelt täglich fast genauso lang zur Arbeit nach Leipzig wie Clemens Mall nach Berlin. Allerdings legt sie dabei nur ein Fünftel der Strecke zurück. 80 Kilometer hin und zurück sind es mit dem Auto aus Tornau in Sachsen-Anhalt. "Im Schnitt brauche ich für einen Weg 50 Minuten, aber das macht mir nichts aus." Die 33-Jährige wohnt gerne mit ihrem Freund und dem fünfjährigen Sohn auf dem Land. "Auf der Fahrt habe ich die Zeit, meinen Gedanken nachzuhängen, die einem als Mama manchmal fehlt." Seit 1999 ist die Sachbearbeiterin zwischen Tornau und Leipzig unterwegs. Die Leipziger schüttelten schon den Kopf über die Strecke, aber anstrengend sei es nur in der Ausbildungszeit ohne Auto gewesen. Seit einem halben Jahr hat Susan Händler Hörbücher für sich entdeckt. "Und ich höre Deutschlandradio, weil ich sonst nicht zum Zeitunglesen komme." Außerdem parke sie noch ein Stück vom Büro entfernt, um am Tag eine halbe Stunde frische Luft zu schnappen. Sie hat ihren Rhythmus gefunden: "Ich genieße auch das Stadtleben und würde mir keine Arbeit da draußen suchen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.02.2014

Sofia Dreisbach

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