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Lokales Leipziger Pfarrer wundern sich über den Bundespräsidenten
Leipzig Lokales Leipziger Pfarrer wundern sich über den Bundespräsidenten
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23:59 24.06.2014
Quelle: dpa

Wie berichtet, stoßen seine Forderungen nach mehr Auslandseinsätzen der Bundeswehr auf viel Kritik. Zwei Berliner Pfarrer haben einen Protest-Brief formuliert, für den sie Unterschriften sammeln.

"Ich schätze den Bundespräsidenten sehr und finde, dass er seinen Job gut macht", sagt Pfarrerin Britta Taddiken von der Thomaskirche. Sein Plädoyer für mehr Militäreinsätze könne sie aber nicht nachvollziehen. "Anstatt die Bevölkerung auf mehr Militäreinsätze einzustimmen, müsste er vielmehr aufrufen, darauf zu verzichten." Und sich stattdessen für eine europäische Friedenspolitik stark machen.

Anders sieht es Pfarrerin Ruth Alber von der Kirchgemeinde Connewitz-Lößnig: "Ich habe Gauck anders verstanden. Er schließt Einsätze der Bundeswehr als äußerstes Mittel der Politik nicht aus - ist keineswegs für mehr." Es komme auf den konkreten Fall an: "Richtig ist natürlich, vor einem militärischen Einsatz alle anderen Mittel auszuschöpfen."

Pfarrer Sebastian Führer von der Nathanaelkirchgemeinde in Lindenau plädiert dafür, die Sache differenziert zu behandeln. "Ich kann nur meine eigene Backe hinhalten, nicht die meines Mitmenschen", sagt er in Anlehnung an Worte Jesu. Wenn Skinheads jemanden in der Innenstadt verprügelten, sei es natürlich besser, die Polizei zu rufen.

Gewalt lasse sich als Ultima Ratio nie ganz ausschließen, findet Martin Henker. Der Superintendent des Kirchenbezirkes Leipzig ist aber diesbezüglich vorsichtiger geworden, "seitdem der ganze Sicherheitsapparat einer Supermacht die Welt belogen hat" und mit erfundenen Behauptungen den Krieg gegen den Irak habe legitimieren wollen. Gaucks Aussagen hätten ihn sehr gewundert. Allerdings: "Wenn jemand aus dem Kreis der Bürgerrechtler Bundespräsident wird, tritt er in Verbindungen und Zusammenhänge ein, die von anderer Art sind." Den Protestbrief müsse er zunächst einmal lesen, bevor er sagen könne, ob er ihn unterschreibe.

Auch für Christiane Dohrn kommt es darauf an, wie der Brief formuliert ist. Die Pfarrerin der Kirchgemeinde St. Petri hat Gauck immer als jemanden erlebt, der sich viele Gedanken macht. "Gerade aufgrund seiner Biografie habe ich mich über seine Aussagen sehr gewundert. Natürlich wünscht man sich als Christin, dass das reale Leben ohne militärische Mittel auskommt." Die öffentliche Debatte zu dem Thema findet Dohrn wichtig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.06.2014

Orbeck, Mathias

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