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Leipziger Projekt: Vom Öko-Klo zum Mini-Kraftwerk

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipziger Projekt: Vom Öko-Klo zum Mini-Kraftwerk

Dieses stille Örtchen am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung gehört zu einer Innovation, bei dem wissenschaftlich noch einiges zu klären ist. Wer sich auf dem gut durchlüfteten Plumpsklo niederlässt und sein Geschäft verrichtet, der steuert seinen Anteil zum Gelingen des Projektes „Mikrobielle Brennstoffzellen in Latrinen“ bei.

Auf dem „Ökolocus“: Falk Harnisch (links) und Jörg Kretzschmar betreiben am Leipziger UFZ ein Projekt, bei dem das Plumpsklo zum Mini-Kraftwerk werden soll.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

LEIPZIG. „Die Nase rümpft hier keiner über unser Vorhaben, aber belächelt wurde es anfangs schon etwas“, erzählt Harnisch, der am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) arbeitet. Auf einer Konferenz in Mexiko hatte der 33-Jährige im letzten Jahr seine Idee von einem Abort vorgestellt, in dem aus den Exkrementen durch eine Art Schlammbatterie Energie gewonnen und zugleich der Klärprozess vorangetrieben wird. Bei der renommierten Electrochemical Society stieß der Gedanke auf fruchtbaren Boden. Harnisch bekam dafür einen mit 50 .000 Dollar dotierten Preis, finanziert von der Bill & Melinda Gates-Stiftung. Mit dem Geld wurden der Ökolocus angeschafft und Versuchsreihen gestartet, um das Verfahren technologisch auszuprobieren und zu optimieren.

Was ins Klo gewandert ist, dient als Rohstoff in einem Labor des an den Wissenschaftspark angrenzenden Biomasseforschungszentrums. Unverfänglich nennt der 34-Jährige Kretzschmar den braunen Brei, mit dem dort gläserne Versuchsbehälter befüllt werden, „Humanfraktion“. Eine Dunstabzugshaube nimmt dem Ganzen etwas die Anrüchigkeit. „Als wir mit den Experimenten begannen, habe ich Ohropax zweckentfremdet und in die Nase gestopft, aber geholfen hat das kaum“, so Kretzschmar. Mittlerweile sind schon diverse Versuchsreihen erfolgt, bei denen auch der Stromfluss in Gang kam. Und das funktioniert so: Ins Fäkalien-Gemisch kommen zwei Elektroden aus verkohlter Wellpappe, wobei an der Anode mit tatkräftiger bakterieller Hilfe die Oxidation läuft. An der Kathode wiederum vollzieht sich eine Sauerstoffreduktion – hinten raus kommt elektrische Energie.

Im Labormaßstab ist die Ausbeute noch sehr gering, aber bei größeren Fäkalienmengen würde sie beispielsweise für den Betrieb von LED-Lampen oder zum Aufladen von Handys reichen. „Das Ganze firmiert als Low-Tech-System, weil die Konstruktionsphilosophie relativ einfach ist“, meint Harnisch, der vor seinem Wechsel ans UFZ an der Technischen Universität Braunschweig wirkte. Von dort kommt auch die zu Elektroden karbonisierte Wellpappe, deren Wabenstruktur für eine große Reaktionsoberfläche sorgt.

Von Mario Beck

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