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Lokales Leipziger Propsteikirche bleibt vorerst weiter stumm
Leipzig Lokales Leipziger Propsteikirche bleibt vorerst weiter stumm
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07:00 07.06.2017
Lässt auch 2017 nichts von sich hören: die neue katholische Propsteikirche am Rande der Leipziger City. Quelle: Dominic Welters
Leipzig


Der Brief der Glockenmacher erreichte Giele kurz vor der Vertragsunterzeichnung – und die Botschaft, die er enthielt, war bei weitem keine frohe: Man habe zum Zeitpunkt der Gespräche mit den Propstei-Katholiken nicht erkennen können, „dass unser Auftragsbestand zum jetzigen Zeitpunkt so hoch sein würde“, hieß es da. Kurzum: Die Kapazität reiche nicht aus, um die Leipziger Glocken in diesem Jahr mitzugießen. Als Ausweichtermin wurde der April 2018 ins Spiel gebracht. Dass Deutschlands Glockengießer derzeit gut im Saft stehen, hatten Giele & Co. schon bei der Ausschreibung zu ihrem Vorhaben erfahren müssen. „Von den fünf angesprochenen Betrieben haben wir zuletzt nur das eine vollständige Angebot zurückerhalten, aus dem jetzt nichts wird“, schildert der 51-jährige Propst. Alle anderen hätten zwar Interesse signalisiert, mit dem Hinweis auf zu volle Auftragsbücher letztlich aber abgewunken.

Auf den schmerzlichen Tiefschlag, dass aus dem für Frühherbst 2017 avisierten ersten Glockenschlag nun doch nichts wird, hat die Pfarrgemeinde am Dienstag mit einer geänderten Strategie reagiert: „Wir schreiben neu aus und tun dies in der Hoffnung auf ein breiteres Angebotsspektrum“, erläuterte Giele. Zugleich werde man sich mit „feierfähigen Daten im nächsten Jahr“ befassen. Natürlich, so der Geistliche, könnte dabei auch der 9. Mai 2018 eine Rolle spielen. An diesem Tag würde die Pfarrei des dritten Weihetages ihrer Kirche gedenken. Da passte die Segnung von drei Glocken nicht schlecht.

Die unendliche Geschichte des fehlenden Trinitatis-Geläuts nahm 2015, dem Jahr der Eröffnung des neuen Gotteshauses, ihren Anfang. Damals stellte sich bei einem Schwingungstest heraus, dass die historische Glocke aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Trinitatiskirche in der Rudolphstraße die Statik des Turms überfordern würde. So verabschiedeten sich die Katholiken vom ursprünglich vorgesehenen Sechser-Geläut und taten folgenden Lösungsansatz kund: Der klingende Rest der zerbombten, 1954 abgerissenen Propstei sollte neben dem Glockenstuhl stabil aufgestellt und wie eine Stundenglocke angeschlagen werden. Doch dann geschah das Unfassbare: Im September 2016 schleppten Einbrecher das gute alte und vergleichsweise kleine Stück aus ihrem letzten Aufbewahrungsort, der stillgelegten Trinitatiskirche am Rosental. Einem Schrotthändler wurden bald darauf zwei Glockenhälften zum Kauf angeboten. Von der abgetrennten Glockenkrone fehlt bis heute jede Spur. Die Diagnose von Fachleuten: Eine Reparatur wäre unverhältnismäßig bis unmöglich.

Dass es nun auch noch beim geänderten Konzept mit fünf Glocken (drei neue plus zwei gut erhaltene aus der Rosental-Propstei) hakt, erfreut zumindest den einen unmittelbaren Anwohner der Kirche. So könne das Ausschlafen hin und wieder gelingen, sagt der Mann mit Namen Giele, für einen Scherz immer zu haben.

Von Dominic Welters

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