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Leipziger Rathaus findet immer schwerer neues Personal

Weniger Bewerber Leipziger Rathaus findet immer schwerer neues Personal

Immer öfter bleiben Stellen in der Leipziger Stadtverwaltung unbesetzt, weil sich keine geeigneten Bewerber finden. „Ich glaube, wir werden in Zukunft immer mal mit Personalberatern zusammenarbeiten müssen, sonst werden wir bestimmte Stellen einfach nicht mehr besetzen“, sagt Personalamtschefin Claudia Franko.

Die Personalsuche im Leipziger Rathaus wird immer schwerer.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Die Stadtverwaltung findet immer schwerer Personal. Das Jugendamt sucht seit anderthalb Jahren zwei Abteilungsleiter – bislang vergeblich. Von fünf Betriebsärzten ist gerade mal eine Stelle noch besetzt. Und um den Job des Rechtsamtsleiters der 580 000-Einwohner-Metropole bewarben sich jetzt gerade mal 35 Personen – dabei hatte das Rathaus die Einstellungsvoraussetzungen sogar schon abgesenkt.

Dass sich Bewerber stapelweise auf die Stellenausschreibungen der Stadt melden, ist vorbei. „Auch die Qualität der Bewerber nimmt tendenziell ab“, stellt Personalamtschefin Claudia Franko fest. „Vor Jahren haben sich viele hochkarätige Leute beworben.“ Heute scheiterten viele schon nach der ersten Sichtung der Bewerbungsunterlagen.

„Bei zwei Abteilungsleitern im Jugendamt haben wir in den vergangenen anderthalb Jahren mehrmals versucht, die Stellen zu besetzen“, berichtet Franko. „Wir haben keine geeigneten Leute gefunden.“ Umso spezifischer die Aufgaben sind, desto schwieriger wird es. Eine der noch offenen Führungsstellen im Jugendamt ist ein Abteilungsleiter für Hoheitliche Jugendhilfe. Franko: „Da können Sie an einer Hand abzählen, was an Bewerbungen eingeht.“

Die öffentliche Hand, die bis vor einigen Jahren mit guten Verdienstmöglichkeiten und Arbeitsplatzsicherheit punkten konnte, muss sich mittlerweile gegen lukrative Jobangebote aus der freien Wirtschaft behaupten. „Wir merken das ganz massiv im Baubereich“, so die Personalerin. Aufgrund der großen Investitionen in Schulen und Kitas habe die Stadt etwa einen Riesenbedarf an Bauingenieuren. Franko: „Auf diese Stellen melden sich bei uns nur noch ganz wenige Bewerber. Es wird einerseits zunehmend schwieriger, Bauingenieure und Baukoordinatoren zu finden, andererseits aber auch unser bestehendes Personal zu halten. Denn es wird abgeworben.“ Die freien Ingenieurbüros bezahlen heute oft mehr als der öffentliche Dienst. Das war vor ein paar Jahren noch anders. Franko: „Wir haben heute eine völlig andere Arbeitsmarktsituation durch den Boom, der für unsere Stadt ja ganz toll ist.“

Am Freitag startete die Ausschreibung für die Stelle des Wirtschaftsförderers. Ab Oktober soll sie neu besetzt werden, dann geht Amtsinhaber Michael Schimansky in Rente. Ursprünglich wollte Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (SPD) das Auswahlverfahren in die Hände eines externen Personalberaters geben und den Auftrag mit 45 000 Euro honorieren (die LVZ berichtete). Damit stieß er im Stadtrat jedoch auf so starken Widerstand, dass er zurückruderte. Der Rat, der mit mehreren Mitgliedern in der Personalauswahlkommission vertreten ist, wollte sich seinen Einfluss auf das Stellenbesetzungsverfahren nicht nehmen lassen. Hörning: „Wir haben uns mit der Auswahlkommission nun verständigt und gemeinsam den Leistungsbereich des Personalberaters festgelegt.“ Jetzt sei die Auftragssumme so niedrig, dass sie nicht mehr durch die Gremien des Stadtrates genehmigt werden müsse, so Hörning. Nach LVZ-Informationen soll man sich auf 23 000 Euro geeinigt haben.

Der Headhunter soll gezielt Personen ansprechen und zu einer Bewerbung animieren. Diese Direktansprache-Kandidaten fließen in das normale Bewerbungsverfahren mit ein, das die Auswahlkommission führt. Sie werden genauso behandelt wie diejenigen, die sich auf die Stellenanzeigen bewerben. Der Headhunter trifft demnach nicht wie sonst üblich eine Bewerber-Vorauswahl. „Das ist ein guter Kompromiss zwischen Verwaltung und Politik“, findet Personalchefin Franko. „Die Wirtschaft“, sagt sie, „ist der Motor unseres Wachstums. Deshalb suchen wir für die Wirtschaftsförderung eine Top-Kraft – jemanden, der sehr gut vernetzt ist, der charismatisch und entscheidungsstark ist. Wir wollen einfach, dass sich die Besten bei uns bewerben.“

Auch die Stelle des Rechtsamtsleiters soll noch dieses Jahr neu besetzt werden. Amtsinhaber Dirk Müller übernimmt im kommenden Monat im bayrischen Ingolstadt den Posten des Leiters des Referats „Recht, Sicherheit und Ordnung“ – vergleichbar in Leipzig mit dem eines Bürgermeisters. Für die Nachbesetzung schrieb Leipzig nicht wie sonst einen Volljuristen aus, sondern öffnete das Bewerberfeld auch für Personen mit einem Abschluss als Master der Rechtswissenschaften. Verwaltungsbürgermeister Hörning hoffte, auf diese Weise eine größere Kandidatenauswahl zu generieren. Man suche vordergründig eine Person, „die als Führungskraft das Rechtsamt im Modernisierungsprozess der Stadtverwaltung voranbringt und leitet“. Dafür brauche es nicht zwingend einen Volljuristen. Denn die Vertretung vor Gerichten übernähmen die Justiziare des Rathauses und externe Anwälte und nicht der Amtsleiter. Letztlich bewarben sich aber trotzdem nur Volljuristen um den Job.

„Wir müssen uns überlegen, was wir bei der Personalgewinnung anders machen können“, sagt Amtsleiterin Franko. „Ich glaube, wir werden in Zukunft sicher immer mal mit Personalberatern zusammenarbeiten müssen, sonst werden wir bestimmte Stellen einfach nicht mehr besetzen.“ Im kommenden Jahr sind gleich drei Amtsleiter zu ersetzen. Dann gehen Ruth Schmidt (Statistik und Wahlen), Karsten Gerkens (Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung) und Peter Heitmann (Branddirektion) in den Ruhestand.

Von Klaus Staeubert

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