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Lokales Leipziger Schlafforscherin: Das hilft gegen Mini-Jetlag durch Zeitumstellung
Leipzig Lokales Leipziger Schlafforscherin: Das hilft gegen Mini-Jetlag durch Zeitumstellung
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21:10 24.03.2018
Am Sonntag, 25. März 2018, beginnt die Sommerzeit: Die Uhren werden von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt. Quelle: epd
Leipzig

Wer hat an der Uhr gedreht? Ab Sonntag herrscht auf den Uhren der Republik wieder Sommerzeit. In der Nacht zum 25. März wird die Zeit um 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt. Für LVZ.de erklärt Dr. Andrea Bosse-Henck, Leiterin des Schlaflabors an der Universität Leipzig, die Auswirkungen der Zeitumstellung – und wie man sie mildern kann.

Dr. Andrea Bosse-Henck, Leiterin Schlaflabor an der Uni Leipzig Quelle: privat

Womit kämpfen die Menschen am stärksten in der Woche nach der Zeitumstellung?

Die Menschen haben Beschwerden im Sinne eines Mini-Jetlag. Vorwiegend wird tagsüber über Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und auch eine gewisse Gereiztheit geklagt. Dazu kommen Schlafstörungen, mitunter auch leichte depressive Symptome. Manche Menschen leiden zusätzlich unter Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden. Ein ähnliches Beschwerdebild tritt häufig auch bei Schichtarbeitern auf.

Wie kann man seinem Biorhythmus helfen, im Takt zu bleiben?

Es kann helfen, bereits in den Tagen vor der Zeitumstellung jeweils etwa 10 Minuten früher ins Bett zu gehen und auch morgens früher aufzustehen. Auf diese Weise erfolgt die Zeitumstellung nicht abrupt, sondern auf eine Woche verteilt allmählich. Das ist auch für Kinder eine gute Strategie. Es sollte in der Woche vor und nach der Zeitumstellung möglichst auf den Mittagsschlaf verzichtet werden, um den Schlafrhythmus so nicht noch zusätzlich zu stören. Spaziergänge im Freien – wenn möglich bei Sonne – sind die bessere Alternative.

Welche Vorteile hat die Zeitumstellung aus Sicht von Schlafforschern?

Aus Sicht der Schlafmedizin gibt es keine echten Vorteile durch die Zeitumstellung. Auch kleine Zeitverschiebungen in unserem Biorhythmus haben Auswirkungen auf den Schlaf-Wach-Rhythmus und erfordern Anpassungsleistungen, welche zwischen 4 und 14 Tagen dauern können. Diese sind bei älteren Menschen, Kindern, chronisch Kranken und Menschen mit einem leicht irritierbarem vegetativen Nervensystem ausgeprägter vorhanden als bei gesunden jüngeren Erwachsenen, die eventuell gar keine Beschwerden haben.

Wo sieht die Schlafmedizin im Alltag konkrete Risiken?

Schlafmedizinisch relevant ist aus meiner Sicht der zeitigere Arbeitsbeginn für z.B. Bus- und Straßenbahnfahrer, die morgens dann vielleicht schon gegen 2 Uhr (statt 3 Uhr) aufstehen müssen, um den Berufsverkehr abzusichern. Hier besteht in den Tagen nach der Zeitumstellung eine erhöhte Unfallgefahr und der Jetlag wird zum Risiko.

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Wann und wie?

An jedem letzten Sonntag im März wird die Zeit um 2 Uhr um eine Stunde vorgestellt. Am jeweils letzten Sonntag im Oktober dreht man den Zeiger von 3 Uhr auf 2 Uhr zurück. Zeitumstellung 2018: 25. März und 28. Oktober.

Wer ist zuständig fürs ganze Land?

In Deutschland liegt die Verantwortung beim Ministerium für Wirtschaft, die Umsetzung nimmt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig vor.

Eselsbrücken?

Straßencafé-Regel: Im Frühjahr werden Tische und Stühle VOR das Café gestellt, im Herbst kommen sie ZURÜCK ins Lager.

Wortspiel: Der englische Merksatz „spring forward, fall back“ kann mit „Spring VOR, fall ZURÜCK“ übersetzt werden – oder einfach mit „Frühling VOR, Herbst ZURÜCK“.

Was sagt die Politik?

Im Februar hat das Europäische Parlament für eine Überprüfung der Sommerzeit gestimmt – mit dem Ziel, die Zeitumstellung abzuschaffen. 384 Abgeordnete waren dafür, dass die EU-Kommission die Vor- und Nachteile der Zeitumstellung prüfen soll. 153 Politiker sprachen sich dagegen aus. Wenn die EU-Kommission ein Ergebnis ihrer Untersuchung vorlegt, können Verhandlungen mit den 28 Mitgliedsstaaten der Union folgen.

Was sagt die Wissenschaft?

Das „Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag“ legte eine Untersuchung zum Nutzen der Sommerzeit vor. Tenor: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind dünn. Das ursprüngliche Hauptargument Energieeinsparungen scheint widerlegt: Der Effekt beim Stromverbrauch liegt offenbar bei knapp einem Prozent. Ergebnisse im Überblick.

Von Evelyn ter Vehn

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