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Lokales Leipziger Schriftsteller und Karl-May-Biograf Christian Heermann ist tot
Leipzig Lokales Leipziger Schriftsteller und Karl-May-Biograf Christian Heermann ist tot
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22:50 28.11.2017
Karl-May-Fan Christian Heermann mit seiner Biografie "Winnetous Blutsbruder". Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Leipziger Schriftsteller und Karl-May-Biograf Christian Heermann ist am Montagabend in der Park-Klinik Leipzig im Alter von 81 Jahren verstorben. Das erfuhr die LVZ aus dem engsten Kreis um den Autor. Mit „Der Mann, der Old Shatterhand war“ brachte Heermann 1988 seine erste Karl-May-Biografie in der DDR heraus. Binnen weniger Tage war die erste Auflage (Verlag der Nation, Berlin) verkauft. Die DDR hatte sich lange Zeit ganz schwer getan mit dem Sachsen Karl May, der noch heute mit etwa 100 Millionen verkauften Exemplaren  weltweit zu den erfolgreichsten Autoren deutscher Sprache gehört. Seine Bücher waren nicht direkt verboten, sie wurden aber auch nicht neu verlegt, aus Bibliotheken ausgesondert, vom Zoll beschlagnahmt.

Erst Anfang der 1980er-Jahre begann man zaghaft mit einer Neuedition im Verlag Neues Leben, eine umfassende, faktenorientierte Lebensbeschreibung Mays gab es nicht. Die brachte  schließlich  ein Leipziger Naturwissenschaftler heraus: Dr. Christian Heermann. Am 11. September 1936 in Chemnitz geboren, kam Heermann zum Studium der Physik und der Mathematik nach Leipzig und blieb dann für immer. Seine Liebe zu Karl May war durch eine Tante geweckt worden, die ihm den „Schatz im Silbersee“ geschenkt hatte. Als Student durchstöberte Heermann die Leipziger Antiquariate nach alten Vorkriegsausgaben  seines Lieblingsautors und kaufte, was er kriegen konnte.

Heermann promovierte und arbeitete als Mathematikdozent an der Uni Leipzig, aber sein eigentliches Forschen und Streben galt Karl May. Die DDR ließ ihn recherchieren und zu diesem Zweck sogar zwei Mal in den Westen reisen, wie er berichtete. Aber: „Von der Antragstellung bis zur Genehmigung vergingen zwei Jahre und 20 Tage. Und danach hatte ich eine dicke Stasi-Akte.“

Der Naturwissenschaftler hatte schon in  den 1970er-Jahren schreibend auf sich aufmerksam gemacht. Mit dem „Würger von Notting Hill“ rollte Heermann anhand von historischen Dokumenten, die er in Leipziger Archiven fand, „Große Londoner Kriminalfälle“ (Untertitel) auf. Bis 1989 erlebte dieses Buch acht Auflagen, die Stückzahlen überschritten die 100.000er Marke weit...

1988 machte Heermann dann mit „Old Shatterhand“ erstmals seine große Liebe zu Karl May öffentlich und legte 2012 zum 100. Todestag des Abenteuerschriftstellers mit „Winntous Blutsbruder“ nochmals eine völlig neue Biografie vor. Natürlich basiert auch diese auf bekannten Fakten, ist aber von Heermann nochmals durch weitere Recherchen ergänzt, erweitert und komplett überarbeitet worden. „Mit das Beste, was es in dieser Richtung gibt“, wie Bernhard Schmid, Chef des Karl-May-Verlags (Bamberg/Radebeul), versichert. Und Heermann schreibt weiter, inzwischen gibt es elf Bücher über Karl May, an denen er mitgewirkt hat - als Autor, Mitautor oder Herausgeber. 

2016 entsteht in der Leipziger Volkszeitung die Serie „Plaudereien über Karl May“ mit einem Dutzend groß aufgemachter Folgen, in denen Heermann Spannendes über May in Interviews preisgibt. Im vergangenen Jahr am Heiligabend dann wieder ein Text in der LVZ aus seiner eigenen Feder über sein Lieblingsbuch von May  – „Weihnacht“. Heermann über die Story: „Sie beginnt im Erzgebirge, in meiner Heimat, und geht dann bis nach Wyoming in die Rocky Mountains –  das war ein Traum für einen DDR-Menschen.“

Den letzten Artikel aus seiner Feder wird die LVZ am 24. Dezember veröffentlichen.

Von Jan Emendörfer

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