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Leipziger Stadion-Ausbau: Mehr Ränge, VIP-Logen und Stehplätze

57.000 Zuschauer Leipziger Stadion-Ausbau: Mehr Ränge, VIP-Logen und Stehplätze

Leipzig hat bald eine Großbaustelle mehr: Die Rasenballer kaufen das RB-Stadion, erweitern es auf 57.000 Zuschauerplätze – 14.000 mehr als heute. Die Bauherren wollen dabei sogar in die Statik der 2004 eröffneten Spielstätte eingreifen. Und die Stadt soll alles besonders schnell genehmigen.

Das Stadion in Innenstadtnähe bleibt Leipzig erhalten. (Archivbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Es gebe „konkrete Überlegungen, wie wir ausbauen werden“, erklärte gestern Vorstandschef Oliver Mintzlaff im neuen RB-Trainingszentrum am Cottaweg. Gedacht sei unter anderem daran, einen Sektor der Sitzreihen zum Stehplatzbereich umzugestalten. Ebenso die Erweiterung des Oberrangs hinter den Toren mit zusätzlichen Tribünen sowie der Bau zusätzlicher unterer Zuschauertraversen bis an den Spielfeldrand.

Zentral ist für RB auch die Erweiterung der Logenplätze beziehungsweise Sky-Boxen. Dies spiele eine „ganz, ganz große Rolle“, betonte Mintzlaff. Derzeit vermarktet Rasenballsport 18 separate Logen für je 15 Personen: Bei einem Preis von 10.000 Euro pro Person und Saison ergibt das insgesamt 2,7 Millionen Euro Einnahmen. Der Vorstandschef will diese Kapazitäten jetzt mehr als verdoppeln.

Experten erwarten, dass RB die VIP-Logen über das gesamte Stadionrund verteilen und teils sogar übereinander stapeln wird. Dadurch könnten bis zu 46 weitere Sky-Boxen entstehen – bei voller Belegung mit jeweils 15 Personen wären Mehreinnahmen von 6,9 Millionen Euro erzielbar. Dafür müssen die Planer von RB und des Leipziger Rathauses allerdings mehrere harte Nüsse knacken. Denn das Stadion ist sehr filigran gebaut und seine Statik nicht für so viele Anbauten ausgelegt. Darauf wies kürzlich Architekt Johannes Zech hin, der von 2000 bis 2004 die Spielstätte maßgeblich mit geplant und errichtete hatte (anfangs für das in Basel ansässige Büro Wirth+Wirth).

Problematisch seien etwa die geplanten Stehplätze – wenn die Fans dort hüpfen, könnten Schwingungen entstehen, für die Tribünen und Traversen nicht ausgelegt sind. Auch die Fluchtwege für weitere 14 .000 Menschen seien nicht leicht zu schaffen – es müssten weitere Brücken und Treppen angedockt werden. Zech: „Das Stadion steht auf Torf, Schlamm und Braunkohle – eigentlich denkbar ungünstige Voraussetzungen“.

Noch nicht alle Gutachten

RB hat dies erkannt und plant offenbar gravierende Eingriffe in die vorhandene Bausubstanz. „Beim Umbau haben wir die Möglichkeit, im gewissen Umfang in die Statik einzugreifen“, erklärte Mintzlaff dazu am Donnerstag. Dies sei aber nur möglich, wenn Leipzigs Bauverwaltung die Eingriffe grundsätzlich genehmige. „Wir erwarten, dass die Bauvoranfrage Ende Februar durch ist.“ Erst nach einem positiven Bescheid der Kommune würden die Rasenballer sowie Familie Kölmel den Kaufvertrag beim Notar unterschreiben.

Derzeit liegen aber noch nicht alle Gutachten vor, die zur Entscheidung über die Bauvoranfrage benötigt werden, hieß es vergangene Woche im Stadtrat. Die Gutachten müsse in jedem Fall der Antragsteller auf seine Kosten erbringen, erläuterte Roland Quester, der Sprecher des Baudezernats. „Natürlich wird sich die Verwaltung alle Mühe geben, die gewünschten Termine zu halten. Schließlich hatte sich die Stadt stets sehr darum bemüht, RB von den Vorteilen des Standorts im Zentralstadion zu überzeugen.“ Dennoch: Die Genehmigungsfähigkeit hänge auch bei Großprojekten wie die auf 40 Millionen Euro taxierte Stadionerweiterung stets davon ab, was in den Anträgen steht und ob alle Vorschriften beachtet sind. Quester: „Im Normalfall dauert die Bearbeitung durch uns drei Monate.“

Von der Statik her sei die Erweiterung der Platzkapazität um fast ein Drittel durchaus machbar, meinte Siegfried Schlegel, der Baufachmann der Linke-Fraktion: „Es ist vor allem eine Frage der Kosten.“ Nicht zuletzt geht es bei den RB-Plänen aber auch darum, ob die majestätische, weiße Riesenschüssel am Elster-Flutbecken trotz der anstehenden Veränderungen ihren hervorragenden Ruf als „eleganter Stimmungstrichter“ behält. „Bei Events wird es aufgrund der dichten Atmosphäre zum Hexenkessel“, hatte Architekt Zech vor der Eröffnung des Stadions prophezeit – und Recht behalten.

Andreas Tappert und Jens Rometsch

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