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Leipziger Stadtgeschichtliches Museum stellt Bestände auf den Kopf

Nach Münzdiebstahl Leipziger Stadtgeschichtliches Museum stellt Bestände auf den Kopf

Das Stadtgeschichtliche Museum in Leipzig hat nach dem Münzdiebstahl eine Generalinventur eingeleitet und die internen Richtlinien zum Betreten des Depots verschärft. Die IHK fordert unterdessen von der Stadt Schadenersatz. Denn unter den entwendeten Kostbarkeiten befanden sich auch etwa 100 Münzen aus dem sogenannten Kramerschatz der IHK.

Museumsleiter Volker Rodekamp (rechts) und der damalige IHK-Präsident Wolfgang Topf im Jahr 2012 bei einer Ausstellung zum Kramerschatzes anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  
 

„Es handelt sich um Münzen aus der ganzen Welt, vorwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert“, sagte Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig. „Zum Wert der Münzen können wir aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden keine Angaben machen.“ Jedoch hat die IHK Schadenersatzforderungen an die Stadt gerichtet. Hofmann: „Die IHK zu Leipzig ist verpflichtet ihre Ansprüche geltend zu machen und hat das auch hier gegenüber der Stadt Leipzig getan.“

Den Kramerschatz, zu dem eine bis in das 14. Jahrhundert zurückreichende Urkunden- und Aktensammlung, Glas, Goldschmiedearbeiten, Porzellan, Gemälde, Münzen und Medaillen gehören, hat die IHK als Dauerleihgabe unter anderem an das Stadtgeschichtliche Museum abgegeben. Eine Rückgabe der Sammlung beabsichtigt die IHK nach den Worten ihres Hauptgeschäftsführers nicht. „Wir begrüßen die Aktivitäten der Stadt Leipzig zur Wiederbeschaffung fehlender Münzen“, hob Hofmann vielmehr hervor.

Lediglich ein kleiner Teil der insgesamt 576 verschwundenen Münzen ist bislang wieder aufgetaucht. Ob darunter auch Teile des Kramerschatzes sind, ist der IHK nicht bekannt.

Bis Ende des Monats soll ein Gutachter im Auftrag der Stadt den Wert der gestohlenen Münzen festgestellt haben. Auf der Ratsversammlung im Dezember sprach Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke
(Die Linke) von rund 348 000 Euro.

Als Tatverdächtiger konnte ein Mitarbeiter des Museums ermittelt werden, von dem sich die Stadt in der Zwischenzeit getrennt hat. Dem Mann war es gelungen, über einen längeren Zeitraum hinweg unbemerkt die wertvollen Münzen zu entwenden. Er flog erst auf, als im Internet zum Kauf angebotene Münzen als Ei-
gentum der Stadt Leipzig identifiziert wurden.

Gegen den ehemaligen Museumsmitarbeiter ermittelt die Staatsanwaltschaft. Wann dieser sich vor Gericht verantworten muss, steht noch nicht fest. Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz gegenüber der LVZ: „Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.“ Ein Zeitpunkt für eine mögliche Anklageerhebung könne nicht genannt werden.

Ein Mitverschulden seitens des Leiters des Museums, Volker Rodekamp, liegt nach Einschätzung der Stadt nicht vor. Es gebe bislang keinen Grund für ein arbeits- und disziplinarrechtliches Verfahren gegen Rodekamp, so Jennicke.

Gleich nach Bekanntwerden des Diebstahls im August sei damit begonnen worden, die Bestände des Museums zu überprüfen. 20 Mitarbeiter waren an den Inventuren im Böttchergäßchen beteiligt. Die Überprüfung der Sammlungen, die neben Münzen und Medaillen auch Glas, Metall, Porzellan, Puppen, Uhren, Maße, Gewichte, Gemälde, Holzplastiken und Fotos umfassen, sind laut Jennicke abgeschlossen. Im Bibliotheksmagazin seien die historischen Buch- und Schriftbestände dokumentiert und inventarisiert worden. Noch in Bearbeitung befinden sich die Autographensammlung und die Grafiksammlung mit über 30 000 Werken. „Die Inventurarbeiten werden kontinuierlich weitergeführt und aufgrund der großen Stückzahlen voraussichtlich Mitte kommenden Jahres abgeschlossen sein“, so Jennicke. Nach jetzigem Stand sei lediglich die numismatische Sammlung vom Diebstahl betroffen gewesen.

Die Sicherheitsvorkehrungen im Museum sind unterdessen auch überprüft worden. So sei die Depotschließanlage ausgewechselt worden. Die neuen Transponder wurden an eine strenger begrenzte Anzahl ausgewählter Personen ausgereicht. Jennicke: „Die Sicherheitskriterien wurden durch die strikte Einführung des Vier-Augen-Prinzips beim Betreten der Depots nochmals verschärft.“

Von Klaus Staeubert

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