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Lokales Leipziger Stadtrat beschließt höhere Gebühren ab Januar – Instrumentenausleihe wird teurer
Leipzig Lokales Leipziger Stadtrat beschließt höhere Gebühren ab Januar – Instrumentenausleihe wird teurer
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08:00 20.11.2017
Direktor Matthias Wiedemann mit Kinderinstrumenten in der Musikschule “Johann Sebastian Bach“. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Aufbewahrt werden sie im alten Banktresor: Etwa 2000 Instrumente bietet die Musikschule „Johann Sebastian Bach“, die in einem ehemaligen Bankgebäude in der Petersstraße beheimatet ist, zur Ausleihe an. Dafür müssen Kinder und Jugendliche, ebenso wie für den Unterricht, ab 1. Januar 2018 höhere Gebühren bezahlen. Das hat der Stadtrat am Mittwoch mit großer Mehrheit beschlossen.

Begründet wird dies mit gestiegenen Kosten, die auch für den Kauf und die Reparatur von Instrumenten deutlich höher geworden sind. Vor allem jene für „mitwachsende Instrumente“, also für Kinder. „Die werden am häufigsten verliehen. Denn das Alter der Kinder, die mit dem Unterricht beginnen, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich nach vorn verlagert“, sagt Musikschuldirektor Matthias Wiedemann. Die Instrumentenbauer haben sich darauf eingestellt, beispielsweise ein Fagottino – ein Fagott für Jüngere – entwickelt. Es gibt aber auch 16-tel-Geigen, verkürzte Flöten, kleine Akkordeons oder gar Harfen für die Jüngsten. Die Musikschule verfügt über ein Budget von 60 000 Euro für Neuerwerb und Reparaturen.

„Der Verschleiß ist bei Kinderinstrumenten enorm hoch“, bestätigt Doreen König, die mit ihrem Kollegen Hartmut Nater in der Ausleihe arbeitet. Da werde es immer schwieriger, die Qualität im Instrumentenfundus zu halten. Früher wurde gesagt, ein Fagott könne man erst ab zehn Jahren lernen, die Kinder wurden weggeschickt – das ist jetzt anders. Mittlerweile wird sogar überlegt, Pedalfußbänke fürs Klavier anzuschaffen. Die Höhe des Entgeltes, das jetzt in vier Entgeltgruppen in den ersten drei Jahren von 8,90 bis 18 Euro pro Monat pro Instrument eingeteilt wird, richtet sich nach Ausleihdauer sowie Höhe des Wiederbeschaffungswertes. Vorher waren es höchstens 15 Euro für ein Instrument. Bislang hat die Bildungsstätte Geigen und Co. zeitlich unbegrenzt verliehen und sämtliche Kosten für Verschleißreparaturen übernommen. Mit Ausnahme von Kinderinstrumenten steigen die Gebühren nach drei Jahren. „Wir wollen die Leipziger zum lebenslangen Musizieren ermuntern“, sagt Wiedemann: „Da kann man nach einigen Jahren schon darüber nachdenken, sich ein eigenes Instrument anzuschaffen.“

Erstmals seit 2012 sind nun auch die Gebühren für den Unterricht angehoben worden. Das hat zu einer Debatte im Stadtrat geführt, weil die Grünen eine sozial verträglichere Staffelung der Ermäßigung (unabhängig vom Leipzig-Pass) nach dem Familieneinkommen durchsetzen wollten. „Kinder sollen gemäß ihrer Begabung gefördert werden – das wäre ein Paradigmenwechsel“, argumentierte Grünen-Stadträtin Gesine Mertens. Das würde Eltern entlasten, deren Einkommen knapp über dem Richtwert liegt, um einen Leipzig-Pass zu erhalten. Eine Mehrheit gab es dafür nicht – wegen der hohen Bürokratie und des Datenschutzes. Auch Vorschläge von SPD, die Gebühren mit dem sächsischen Verbraucherindex zu dynamisieren, wurden abgelehnt. Die Linken scheiterten mit ihrem Vorstoß, die Gebühren bis 2020 auf diesem Niveau zu halten. „Natürlich tut es immer weh, Gebühren zu erhöhen“, so Michael Weickert (CDU): „Daher müssen wir endlich eine Debatte führen, welche Prioritäten wir in der Kulturpolitik setzen.“ Marco Götze (Linke): „Die Aufstockung der Entlohnung für die Lehrkräfte ist für uns eine soziale Frage.“ Die Gebührenerhöhung wurde bei 49 Ja-Stimmen, neun Gegenstimmen sowie zwei Enthaltungen beschlossen.

Einige Beispiele: Der Einzelunterricht steigt für Schüler um 4.70 Euro auf dann 48,20 monatlich, ab 18 Jahren auf 72,30 Euro. Für den Gruppenunterricht (45 Minuten pro Woche) werden 31,70 Euro (bisher 28,50 Euro) fällig. Die musikalische Früherziehung (45 Minuten) kostet künftig 15,74 Euro (bisher 14 Euro) pro Monat. Ermäßigung für Schüler mit Leipzig-Pass um 50 Prozent sowie Geschwisterrabatte gibt es weiterhin.

Von Mathias Orbeck

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