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Lokales Leipziger Stadtrat beschließt über Asylbewerber-Unterbringung - Demo vor Rathaus für Toleranz
Leipzig Lokales Leipziger Stadtrat beschließt über Asylbewerber-Unterbringung - Demo vor Rathaus für Toleranz
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17:32 18.07.2012
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Vor allem zahlreiche junge Leute waren dem Aufruf des Initiativkreises Menschen.Würdig und der Grünen Jugend gefolgt. Der Iraner Mehrdad Janbazi appellierte an die Toleranz der Leipziger: „Wir möchten ein aktiver Teil der Gesellschaft werden.“

Janbazi lebt seit einem Jahr im Flüchtlingsheim in der Torgauer Straße, das die Stadt im Zuge der Neuregelung der Unterbringung auflösen will. „Alt, verfallen und dreckig“, so beschrieb Janbazi die Zustände dort. „Wenn man Kontakte zu Deutschen knüpft, ist es nicht leicht, Freundschaften zu pflegen“, sagt er. „Man schämt sich, wenn man jemanden einladen will.“

In den vergangenen Wochen waren in der Debatte um das Unterbringungskonzept vor allem in den Stadtteilen Wahren und Portitz erhebliche Vorbehalte gegen die Unterbringung von Flüchtlingen laut geworden. „Das tut weh, man denkt, man ist als Mensch nicht gut genug“, beschreibt der Iraner, der vor dem totalitären Regime aus seinem Heimatland geflüchtet ist.

Ben Winkler vom Initiativkreis Menschen.Würdig sagte gegenüber LVZ-Online, mit der Kundgebung wolle man alle, die noch nicht in ihrer Meinung gegenüber Asylbewerbern festgefahren seien, zum Dialog ermutigen. „Die Äußerungen der vergangenen Wochen kann man so nicht stehen lassen“, sagte Winkler. Flüchtlinge dürften nicht von vornherein als kriminell diskriminiert werden.

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„Die Diskussion hat Leipzig auch in der bundesweiten Außenwirkung nicht gut getan“, sagte Jürgen Kasek, Vorsitzender des Stadtverbands der Grünen. Mit der Demonstration vor dem Neuen Rathaus wolle man ein positives Zeichen für Toleranz setzen. „Auch wenn Ängste in der Bevölkerung da sind – das entbindet einen nicht davon, damit vernünftig umzugehen“, so Kasek.

Juliane Nagel von der Ratsfraktion der Linken wies darauf hin, dass die Initiative Menschen.Würdig rund 5400 Unterschriften zur Unterstützung des Konzepts zur dezentralen Unterbringung gesammelt hat. Die Liste sollte dem Oberbürgermeister noch vor der Beratung des Konzepts im Rat übergeben werden. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, so die Grünen-Stadträtin Katharina Krefft gegenüber LVZ-Online. „Es sieht gut aus, dass die Vorlage angenommen wird. Aber wir müssen auch sehen, dass wir ein Konzept verabschieden, in dem nach den Prognosen künftig 180 Plätze für Asylbewerber fehlen.“

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Evelyn ter Vehn

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