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Lokales Leipziger Stadtrat entscheidet über Supermarkt am historischen Felsenkeller
Leipzig Lokales Leipziger Stadtrat entscheidet über Supermarkt am historischen Felsenkeller
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15:37 06.10.2016
Blick auf den Felsenkeller in Leipzig (Archivfoto)  Quelle: Kempner
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Leipzig

 Am Felsenkeller im Stadtteil Plagwitz ist schon länger ein Supermarkt geplant – seit 2013 wird darum mehr oder weniger öffentlich gerungen. Inzwischen hat der Besitzer des historischen Ballhauses einen Bauantrag im Dezernat von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) eingereicht, dem Ende Oktober in der Ratsversammlung noch zugestimmt werden muss. Die Grünen sind auf Konfrontationskurs, wollen den Supermarkt unbedingt verhindern. Sie befürchten nicht nur ökologische Einschnitte, sondern auch Beeinträchtigungen für umliegende Bauten. Die Stadtverwaltung winkt ab, hält die neue Kaufhalle für angemessen und innerhalb der städtebaulichen Planungen auch für sinnvoll.

Der Einzelhandel auf dem Areal hat sich nicht nur lange angedeutet, sondern ist offenbar auch Teil im Gesamtkonzept der Felsenkeller-Sanierung. „Dem eingereichten Bauantrag liegt eine längere Abstimmung zwischen dem Grundstückseigentümer und einem beauftragten Projektentwickler sowie der Stadtverwaltung zugrunde, deren Ziel die Sanierung des Felsenkellers ist“, so die Stadtverwaltung in ihrer Stellungnahme. Einfacher ausgedrückt: Mit der neuen Kaufhalle soll die bereits begonnene, schrittweise Instandsetzung des neobarocken Ballhauses aus privater Hand mitfinanziert werden.

800 Quadratmeter Verkaufsfläche – 48 Parkplätze

Laut Bauantrag soll sich der künftige Supermarkt am westlichen Ende des Felsenkellers auf der bestehenden Freifläche erstrecken, nach Fertigstellung etwa 800 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten und in der Höhe 7,50 Meter nicht überragen. In etwa dieselbe Fläche nimmt beispielsweise auch der 2008 fertig gestellt Supermarkt an der Schleußiger Könneritzstraße ein – hier gibt es noch ein Parkhaus obendrauf.

Das Dach des Felsenkeller-Marktes soll dagegen begrünt werden, rings herum werden großkronige Bäume entstehen. Darüber hinaus sind insgesamt 48 Parkplätze geplant, die von der Straße her nicht zu sehen sein sollen. Zu einem überwiegenden Teil sind die Stellflächen nicht für den Supermarkt gedacht, sondern werden dringend für Veranstaltungen im Felsenkeller benötigt, heißt es weiter. Stadtverwaltung und Bauherr sehen die Zielgruppe für die Kaufhalle offenbar vor allem fußläufig in der Nachbarschaft.

Lageplan für den Neubau am Felsenkeller. Der geplante Supermarkt ist links hellgrün dargestellt. Quelle: Dezernat für Stadtentwicklung und Bau, Leipzig

Dezenter Bau - klares Anliegen im STEP

Alles in allem werde der Supermarkt im Straßenbild eher dezent erscheinen. „Das Marktgebäude wirkt städtebaulich nur mit der schmalen Stirnseite in den öffentlichen Raum der Zschocherschen Straße. Neben der voluminösen Längsseite des Felsenkellers hat es die Wirkung eines niedrigeren Nebengebäudes. Die farblich zurückhaltende Straßenansicht des Marktes entfaltet auch keine bedrängende Wirkung auf das angrenzende und ebenfalls höhere Bibliotheksgebäude, welches im Architekturstil der Moderne errichtet wurde“, so die Beschreibung des Bauvorhabens.

Die Grünen monierten zuletzt, die „Einzigartigkeit der unmittelbaren Umgebung“ könnte mit der neuen Kaufhalle nicht in Einklang gebracht werden – beispielsweise mit dem Nachbarschaftsgarten „Annalinde“ oder der modernistischen Stadtteilbibliothek. Der Einzelhandel führe zu einer Absenkung des Niveaus des Stadtbildes und widerspreche nicht zuletzt dem Stadtentwicklungsplan (STEP) für Plagwitz. Das bestreitet das Bau- und Stadtplanungsdezernat vehement. Generell sei der Ausbau von Handel und Dienstleistung ein wichtiges Entwicklungsziel in Leipzigs Stadtteilzentren, ein Supermarkt am Felsenkeller deshalb klar auch Anliegen des STEP. Angrenzende Flächen seien zudem durch den Bau nicht gefährdet: Die Bibliothek wird aktuell saniert, für den alten Gewölbekeller sei ein Pachtvertrag mit kultureller Nutzung in Vorbereitung und die „Annalinde“ nicht in Gefahr. Einen Verkauf der Gartenanlage könnte nur der Grundstücksverkehrsausschuss beschließen.

Von Matthias Puppe

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