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Lokales Leipziger Stadtrat votiert mit großer Mehrheit für Erhalt des Technoclubs Distillery
Leipzig Lokales Leipziger Stadtrat votiert mit großer Mehrheit für Erhalt des Technoclubs Distillery
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15:22 22.01.2014
Steffen Kache, Geschäftsführer des Technoclubs Distillery, am Mittwoch vor der Leipziger Ratsversammlung. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Vor der Sitzung hatten mehr als 60 Distillery-Anhänger im Neuen Rathaus für den Club demonstriert. Betreiber Steffen Kache übergab an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) einen dicken Ordner mit 10.561 Unterschriften.

"Ich bin froh, dass der private Besitzer des Grundstücks signalisiert hat, dass er an einer friedlichen Lösung interessiert ist", sagte Jung vor der Sitzung gegenüber LVZ-Online. Das Gelände gehört der Stadtbau AG und ist Teil des neu entstehenden Stadtquartiers Bayerischer Bahnhof. Der private Eigentümer habe letztlich auch alle Handlungsoptionen in der Hand, so Jung.

Leipzig. Der Leipziger Stadtrat hat sich am Mittwoch mit großer Mehrheit für die Erhaltung des Technoclubs Distillery in der Südvorstadt ausgesprochen. Das Plenum folgte dem entsprechenden Antrag von SPD, Grünen und Linken. Vor der Sitzung hatten mehr als 60 Distillery-Anhänger im Neuen Rathaus für den Club demonstriert. Betreiber Steffen Kache übergab an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) einen dicken Ordner mit 10.561 Unterschriften.

Bereits vor dem Votum der Stadträte für die Distillery zeigte sich Geschäftsführer Kache verhalten optimistisch. "Wir sind mit der Stadtbau AG in Kontakt und wollen fair miteinander umgehen", sagte er. Wenn der Antrag durchgehe, sei das "ein super Rückenwind", so Kache. "Es geht auch in anderen Städten zu oft nur um das, was lukrativ ist. Das Lebensgefühl spielt dann keine Rolle mehr", sagte er.

Dass das für viele eng mit der Distillery verknüpft ist, drückten die Teilnehmer der Demo vor den Türen des Sitzungssaals aus. "Der Club gehört einfach zur Südvorstadt" sagt Marc (36). "Und wo soll er auch hin? In Plagwitz gibt es doch schon genug." Die Zustimmung vom Stadtrat wäre ein Zeichen, "dass nicht immer die Subkultur weichen muss, wenn jemand mit viel Geld kommt", sagte Martin (27) gegenüber LVZ-Online. "Käme ja auch niemand auf die Idee, dass das Gewandhaus umziehen muss", ergänzte Gamal.

In der Diskussion im Plenum führte Linke-Abgeordnete Juliane Nagel kurz in die stürmische Geschichte des Clubs in der Nachwendezeit: 1992 entstand die Distillery aus privat organisierten Techno-Partys in den Räumen einer ehemaligen Brauerei in Connewitz. Erst 1995 bekam die "Tille" mit dem Standort Kurt-Eisner-Straße eine legale Bleibe. "Damals haben vor dem Rathaus bis zu 1000 junge Leute dafür demonstriert", erinnerte Nagel.

Sie rückte die überregionale und internationale Anziehungskraft des Clubs ins Licht: "Junge Leute kommen wegen der Distillery nach Leipzig", sagte sie. Als Gäste, die übernachten und Geld in der Stadt ausgeben, habe das auch wirtschaftliche Aspekte. "Wir wollen Bestandsschutz, nicht nur für fünf Jahre", sagte Nagel. "Warum kann das Stadtquartier nicht mit der Distillery geplant werden? Warum soll ein lebendiger Kulturbetrieb wegen wirtschaftlicher Interessen unter die Räder kommen?"

Norman Volger, Fraktionschef der Grünen, bekräftigte: "Die Leipziger der Südvorstadt haben das Stadtviertel mit Eigeninitiative zu einem gastronomischen und kulturellen Zentrum gemacht." Erst dadurch sei das angrenzende Viertel am Bayerischen Bahnhof attraktiv und kommerziell verwertbar geworden. Die Stadt solle jetzt die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass alle Möglichkeiten für eine gemeinsame Lösung mit der Distillery offen stünden. "Letztlich muss über die Zukunft die Stadtbau AG als Flächeneigentümer entscheiden", so Volger.

Im Umfeld der Distillery könne schon bei der Planung des neuen Stadtquartiers darauf geachtet werden, dass es keine Störungen durch Lärm gebe, betonte Christopher Zenker von der SPD. Läden für die Nahversorgung oder eine Schule in der Nähe könnten dazu führen, dass es zu den Öffnungszeiten des Clubs keine Interessenkollision gebe. "Wir erwarten vom neuen Eigentümer, dass er nach gemeinsamen Lösungen mit der Distillery sucht und das Gebiet entwickelt", so Zenker.

René Hobusch von der FDP-Fraktion skizzierte die rechtlichen Möglichkeiten. Die Stadt könne das Grundstück kaufen, was eine Belastung für die Stadtkasse wäre. Planungsrechtlich könnten konkurrierende Nutzungen ausgeschlossen werden. Dann hätte der Eigentümer Anrecht auf finanziellen Ausgleich, "wieder aus der Stadtkasse", so Hobusch. "Sollen wir die Distillery unter eine Käseglocke stecken? Was macht die Distillery so besonders gegenüber allen anderen, die sich hilfesuchend an die Stadträte wenden?"

Letztlich entschied das Gremium mit einer breiten Mehrheit, sich für die Erhaltung des Standorts einzusetzen. Von 66 anwesenden Stadträten enthielten sich 13 der Stimme, ungefähr ebenso viele lehnten den Antrag ab. OBM Jung kommentierte: "Jetzt ist Gesprächskunst gefragt, besonders mit dem privaten Eigentümer. Das wird schwierig, was jetzt vor uns liegt."

Evelyn ter Vehn

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