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Lokales Leipziger Streetworker sind seit 25 Jahren unterwegs
Leipzig Lokales Leipziger Streetworker sind seit 25 Jahren unterwegs
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13:29 24.09.2016
Streetworkerin Katharina Diehl (28).  Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

 „Has(s)t Du Stress?“ Mit dieser Frage sprechen Katharina Diehl, Cornelia Ziehn und Willie Wildgrube Jugendliche auf der Straße an. Seit 25 Jahren hilft die Leipziger Straßensozialarbeit jungen Menschen, die an Problemen wie Straßenkarrieren, Vernachlässigung, Delinquenz oder Drogenmissbrauch leiden.

„Wir beraten, betreuen und begleiten Jugendliche, die durch die Maschen der sozialen Systeme fallen“, erklärt Lutz Wiederanders, Sachgebietsleiter der Straßensozialarbeit. „Wir bieten ihnen unsere Hilfe an, vermitteln Kontakte durch unsere Netzwerke. Aber vor allem geht es uns darum, die Lebenslage der Menschen zu stabilisieren und ihnen neue Motivation zu geben.“ So begleiten die Leipziger Streetworker mit ihrer Arbeit zwischen 450 und 500 hilfsbedürftige Jugendliche im Jahr, erklärt der 52-jährige Chef-Streetworker. Die Arbeit erfolgt mit zehn Leuten in drei Teams – und in Kooperation mit dem Zentrum für Drogenhilfe, mit dem Jobcenter, der JVA, ...

Unauffällig und mit offenem Blick laufen Katharina Diehl, Cornelia Ziehn und Willie Wildgrube mit ihren Kollegen durch Parks, Abrisshäuser, Wohnungen und zu Treffpunkten. „Wir unterhalten uns mit den Menschen, hören ihnen zu – entweder vor Ort oder in einer unserer drei Beratungsstellen“, erläutert Katharina Diehl. „In unserem Streetwork-Mobil können sie alles bekommen, was sie brauchen – von Informationsmaterial über Essen und Trinken bis hin zu Kondomen und frischen Spritzen“, erklärt die 28-Jährige das Angebot, mit dem auch weiteren Krankheiten vorgebeugt werden soll. Das Streetwork-Mobil steht regelmäßig an verschiedenen Straßenecken. „Außerdem sind wir zu Fuß unterwegs – mit voll gepackten Rucksäcken“, ergänzt die Sozialarbeiterin. An den drei lokalen Standorten (Nord, Ost und Südost) könnten die Hilfsbedürftigen nicht nur ausführlicher beraten werden, sondern auch duschen, Wäsche waschen oder einfach gemütlich beisammen sitzen.

„Wir hören bewegende Geschichten von Jugendlichen ohne familiären Anschluss und ohne ein festes Zuhause, von Gewalterfahrungen und Problemen mit Alkohol und Drogen“, erzählt Willie Wildgrube. „Es mag schwierig wirken, sich in die Menschen hineinzuversetzen, aber jeder hat schon einmal eine schwierige Situation erlebt und weiß wie es ist, auf Hilfe angewiesen zu sein“, sagt Cornelia Ziehn. Wichtig sei es, keine Tipps zu geben, sondern Fragen zu stellen, damit die Menschen selbst Lösungen finden, erklärt die 37-Jährige.

In den letzten 25 Jahren habe sich nicht viel verändert, konstatiert Sachgebietsleiter Wiederanders. Die Hauptprobleme wie Drogenmissbrauch, Vernachlässigung und Delinquenz sind die gleichen geblieben. „Aber wir merken, dass viele Jugendliche sich immer mehr in ihre Zimmer zurückziehen. Sie schauen Fernsehen oder spielen Videospiele, aber wir können sie auf der Straße nicht mehr erreichen“, bedauert er. „Dabei ist es gerade wichtig, den Kontakt mit Minderjährigen zu suchen, da sie oft am meisten an die Hand genommen werden müssen“, betont Willie Wildgrube. „Aber wir geben unser Bestes, um ihre Situation zu verbessern.“

Von Katharina Wolf

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