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Leipziger Studentin zeichnet gegen gesellschaftliche Stereotype an

Feminismus auf Instagram Leipziger Studentin zeichnet gegen gesellschaftliche Stereotype an

Soziale Medien transportieren Körperbilder, die jungen Frauen schaden können. Eine Leipziger HGB-Studentin will das ändern. In ihren Zeichnungen haben Frauen Bauch und Haare an den Beinen. Wie wichtig es ist, sich gegen ein negatives Körperbild zu engagieren, betont auch eine Forscherin aus Gera.

Lea Wegner zeichnet Frauen, die nicht dem Körperideal entsprechen, das in Werbung und Medien sonst oft transportiert wird.
 

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Lea Wegner sitzt in einem Café in der Leipziger Innenstadt, trinkt einen Schluck von ihrer heißen Schokolade und sagt bestimmt: „Frauen müssen rasiert sein, Männer müssen stark sein – das ist doch Quatsch. Ich hab einfach keine Lust, mir von so was mein Leben vorgeben zu lassen.“ Die 26-Jährige aus Gera wohnt seit zehn Jahren in Leipzig, studiert an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, steht kurz vor ihrem Diplom. Seit zwei Jahren zeigt sie ihre feministischen Zeichnungen auch auf Instagram. Inspiration sind dabei vor allem eigene Erfahrungen. Sie höre häufig von unbekannten Männern auf der Straße, wenn sie sich „anders anziehen würde“, dann wäre sie „ganz geil“. Wegner sagt: „Daran merkt man: Frauen werden immer sofort nach dem Äußeren beurteilt. Es interessiert mich überhaupt nicht, ob mich irgendein beliebiger Typ geil findet. Deswegen bin ich nicht hier.“

Lea Wegner alias Slingaillustration sagt

Lea Wegner alias Slingaillustration sagt: „Mich stören viele sexistische Dinge in der Welt, und darüber mache ich gerne Beiträge.“

Quelle: Dirk Knofe

Die junge Frau mit filigraner Hornbrille, kurzen braunen Haaren, locker sitzenden Jeans und Ringelshirt spricht leise und bedacht. Schon als Jugendliche habe sie verwundert, dass „Zeitschriften und Serien diktieren, wie Sachen zu sein haben“, zum Beispiel: Der Mann muss nach dem ersten Date anrufen. Sie weiß aber auch: Nicht jeder hat das Selbstbewusstsein, solche Sprüche einfach an sich abprallen zu lassen. Deswegen zeichnet sie: Frauen mit behaarten Beinen, kleinen Brüsten, Dellen an den Oberschenkeln und Bäuchen, die sich beim Sitzen faltig zusammenknautschen. Ihre Protagonistinnen druckt sie auf Postkarten, Sticker, Notizhefte und mittlerweile auch T-Shirts, Stoffbeutel und Unterhosen. Auf Instagram, wo sie unter dem Namen Slingaillustration zu finden ist, folgen ihr fast 7000 Menschen.

Ein schlechtes Körperbild kann krank machen

Instagram ist ein soziales Netzwerk, zu dem Claudia Luck-Sikorski von der SRH Hochschule für Gesundheit in Gera sagt, es habe „Besonderheiten“. Damit meint sie, dass dort ein ungesundes Körperbild propagiert wird. „Mir fällt spontan das Thight Gap ein – also eine Lücke zwischen den Oberschenkeln, die im Stand bei geschlossenen Beinen entsteht und auf besondere Schlankheit hindeutet“, sagt Luck-Sikorski. Die Lücke wurde in Bildern inszeniert, es entstanden regelrechte Wettbewerbe. „Wenn der Mensch sehr stark mit bestimmten Inhalten konfrontiert ist, dann neigt er auch dazu zu denken, dass diese Inhalte wahr sind. Das ist auch auf Instagram so. Wenn junge Frauen immer wieder perfekt inszenierte Körper sehen, dann nehmen sie diese Körperformen eher als Realität wahr und haben das Gefühl, dieser Realität nicht zu genügen“, erklärt die Forscherin. Das gelte auch für junge Männer. Die Professorin für Psychische Gesundheit und Psychotherapie betont, dass Menschen mit einem schlechten Körperbild auch immer ein höheres Risiko hätten, zum Beispiel depressiv zu werden.

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Die Leipziger HGB-Studentin Lea Wegner zeichnet Frauen mit Bauch, haarigen Beinen und Dellen an den Oberschenkeln, thematisiert gleichgeschlechtliche Liebe und die Periode. Unter dem Namen Slingaillustration veröffentlicht sie auf Instagram ihre Arbeit.

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Lea Wegner möchte, dass sich möglichst viele Menschen von diesem schlechten Körperbild frei machen. Sie thematisiert nicht nur den weiblichen Körper, sondern auch gleichgeschlechtliche Liebe oder die Periode, immer noch für viele ein Tabu-Thema. „Ich finde, dass alle Themen, mit denen ich mich beschäftige, feministische Themen sind. Feminismus ist ja nicht nur für Frauen“, sagt Wegner. Meist seien die Reaktionen auf ihre Arbeit positiv. „Aber ich habe zum Beispiel auch schon von sehr schicken, älteren Damen gehört: ‚Das ist ja ekelhaft’“, erzählt sie. Ihr sei es wichtig, nicht mit erhobenem Zeigefinger dazustehen. „Ich finde, dass solche Themen oft mit einer solchen Ernsthaftigkeit erklärt werden. Ich meine das auch ernst, aber in einem freundlichen Ton und auch mal lustig.“

Studie: Das Körperbild verschlechtert sich durch soziale Medien

Dass es notwendig ist, über Körperbilder zu sprechen, betont auch Luck-Sikorski: „Körper sind einfach unterschiedlich. Body Positivity kann dazu beitragen, Menschen zu entlasten und eine Stütze sein.“ In einer eigenen nicht repräsentativen Studie fand sie gemeinsam mit einer Studentin heraus, dass sich die Stimmung und das Körperbild junger Frauen nach dem Betrachten von fitness- und körperbezogenen Bildern verschlechtern. „Das ist in gewisser Weise fatal“, sagt die Forscherin, die auch eine Forschungsgruppe zum Thema Übergewicht und damit verbundener Stigmatisierung leitet. Sie verweist auch auf eine Studie aus den USA, bei der untersucht wurde, inwieweit das Surfen im Internet und in sozialen Netzwerken das eigene Körperideal beeinflusst. Das Resultat: Je länger die jungen Mädchen online waren, desto höher war die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper.

Lea Wegner geht es in ihrer Arbeit nicht nur um den Kampf gegen schwer erreichbare Ideale, sondern auch um Stereotype, also zum Beispiel darum, dass Frauen sich weiblich kleiden sollen und Männer kein Rosa tragen. „Die Menschen, die sagen, Feminismus brauchen wir nicht mehr, leben glaube ich in einer Blase.“ Es sei immer noch so, dass diejenigen, die den Stereotypen nicht entsprechen, als seltsam angesehen würden.

Wegner: „Mich stören viele sexistische Dinge in der Welt“

Als Beispiel kann eine aktuelle Zeichnung von Wegner dienen. Sie zeigt eine junge Frau mit kurzen Haaren, locker sitzenden Jeans, flachen Schuhen, Brille und einer voluminösen Jacke. Daneben steht: „Girls do not dress for boys“ – „Mädchen ziehen sich nicht für Jungs an“. Das klingt banal – ist es aber nicht, wenn Wegner erzählt, wie oft sie in genau diesem Outfit schon wegen ihrer Kleidung beleidigt wurde. „Das ist doch verrückt. Was gibt Menschen das Recht dazu?“, fragt die Studentin. „Klar könnte man sagen: Ich suche mir das aus, ich könnte mich ja auch anders anziehen. Aber da sind wir ja dann wieder bei dem Thema, dass uns andere diktieren, wie wir aussehen sollen.“ Sie wünscht sich, dass einfach jeder sein kann, wie er ist, ohne von anderen dafür beurteilt zu werden.

Dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, sagt auch Forscherin Luck-Sikorski. Vor allem junge Menschen seien verletzlich, was das eigene Körperbild betrifft. „Viele können nicht so leicht sagen: Dann schau ich mir solche Bilder eben nicht an, die berühren mich nicht, ich bin zufrieden mit mir, wie ich bin.“ Wegner plant auf jeden Fall fest, auch nach ihrem Diplom weiter Frauen zu zeichnen, die nicht wie Models aussehen. Sie sagt weiter: „Mich stören viele sexistische Dinge in der Welt, und darüber mache ich gerne Beiträge. In meiner Arbeit werden Frauen auch andere Rollen spielen als die Rolle der Geliebten. Das ist mir ziemlich wichtig, dass sich diese Bilder normalisieren.“

Info:

Slingaillustration auf Instagram.

Claudia Luck-Sikorski, Professorin für Psychische Gesundheit und Psychotherapie.

Von Sophie Aschenbrenner

Historische Leipzig - in Text und Bildern.

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