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Leipziger Stura verleiht Negativ-Preis für angeblich rassistisches Buch eines Schwarzen

Leipziger Stura verleiht Negativ-Preis für angeblich rassistisches Buch eines Schwarzen

Der Studentenrat (Stura) der Universität Leipzig hat den Hamburger Carlsen Verlag wegen der Darstellung von rassistischen Inhalten mit der Negativauszeichnung „Der Preis ist heißßßß – oder auch nicht“ prämiert.

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Autor Marius Jung veröffentlichte im Dezember 2013 sein Buch „Singen können die alle. Handbuch für Negerfreunde“.

Quelle: PR

Leipzig. Der Verlag hatte das Buch „Singen können die alle. Handbuch für Negerfreunde“ des Komikers Marius Jung herausgebracht und beworben – der Autor des Buches ist allerdings schwarz.

„Als ich das gehört habe, musste ich erst einmal lachen, denn ich bin alles andere als ein Rassist“, sagte Marius Jung gegenüber LVZ-Online. „Auch wir haben diese Auszeichnung mit einem Schmunzeln aufgenommen“, berichtete Oliver Thomas Domzalski vom Carlsen Verlag. „Wir gehen davon aus, dass es keine Absicht war, sondern eher Ausdruck übertriebener politischer Korrektheit, die sich verselbstständigt hat.“

Mit Witz gegen Rassismus

In dem im Dezember 2013 erschienenen satirischen Erstlingswerks des in Trier geborenen Autors geht es genau darum: um Sprach-Tabus, um eine Abrechnung mit verkrampfter political correctness bei der Wortwahl, Missverständnisse und drohende Fettnäpfchen im Umgang mit Menschen anderer Hautfarbe. Und der 49-Jährige nähert sich dieser Debatte mit Humor und Ironie – auf dem Buchcover posiert er fast komplett nackt, der Untertitel „Handbuch für Negerfreunde“ soll zudem zu Diskussionen anregen, wie er sagt. Er war bereits Gast in vielen Radio- und Fernsehsendungen.

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Stein des Anstoßes: Das Buchcover des farbigen Komikers Marius Jung sorgte beim Leipziger Studentenrat für Diskussionen über Rassismus und Sexismus.

Quelle: PR

„Ich bin als Schwarzer in Deutschland aufgewachsen. Das Buch ist zum einen Ratgeber, zum anderen enthält es autobiografische Züge, wenn ich von meinen Erfahrungen im Umgang mit Rassismus berichte“, erklärt Jung. „Anscheinend hat sich der Studentenrat nicht einmal die Zeit genommen, den Klappentext durchzulesen und nur auf das böse N-Wort geschaut – er schreibt von Neger, also ist er ein Rassist.“

Der Stura weist die Vorwürfe zurück. „Es ist gar nicht unser Anliegen, Herrn Jung als Rassisten zu bezeichnen“, betont Initiatorin Kerstin Schmitt vom Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik. „Allerdings wird es auch Menschen geben, die den Titel des Buches und die Verwendung des N-Wortes als diskriminierend empfinden.“ Satire sei für sie kein Grund, Menschen zu diffamieren.

Den erstmals ausgelobten Schmäh-Preis erhalten sexistische und diskriminierende Publikationen – vor allem Werbeanzeigen – die beim Stura Anfang dieses Jahres eingeschickt wurden. Darunter waren beispielsweise Reklamen, die leicht bekleidete Frauen und Männer zeigen, die für Gerüstbauer, Hotelketten oder einen Parfümduft sowie überholte Rollenbilder und Stereotypen werben.

Preisträger erhielten keine Begründung

In einem Standardbrief hatten die Studentenvertreter die Gewinner Anfang April benachrichtigt und zur Preisverleihung der wenig schmeichelhaften Auszeichnung und zur parallel stattfindenen Podiumsdiskussion am 27. Juni nach Leipzig eingeladen. Statt einer richtigen Begründung, gab es allerdings nur Auswahlkriterien zum Ankreuzen. Alle der 150 Einsendungen wurden auch prämiert, daher sei es nicht möglich gewesen, eine individuelle Erklärung einzufügen, heißt es dazu in der Vorlage. „Wenn man das Buchcover betrachtet, hätte man dies zusätzlich als sexistische Darstellung einstufen müssen. Das ist aber bei der Menge der versendeten Gewinnbenachrichtigungen untergegangen“, ergänzt Kerstin Schmitt.

„Ich würde gerne hingehen, werde es aber aus Zeitgründen nicht schaffen“, sagt Marius Jung. Andererseits sei es für ihn schlechter Stil eine „Urkunde“ zuzuschicken und nicht einmal mit ihm oder dem Verlag Kontakt aufzunehmen. „Das spricht wohl dafür, dass die Veranstaltung nicht gut organisiert und fundiert sein wird“, ergänzt der 49-Jährige. Die Diskussionsrunde wurde mittlerweile aus organisatorischen Gründen abgesagt, soll aber Anfang November nachgeholt werden. „Über eine Teilnahme von Herrn Jung würden wir uns sehr freuen“, sagt Kerstin Schmitt.

„Wir haben es durch unsere Aktion auch als wichtig erachtet, dass dadurch Debatten entstehen“, fügt sie hinzu. Womöglich könnte ein persönliches Gespräch die Wogen glätten. „Wer gegen Rassismus, Sexismus oder ähnliches vorgeht, was eine sehr ehrenwerte Sache ist, sollte das auch ernsthaft tun, Recherche betreiben, genauer hinsehen und Menschen, die auf der gleichen Seite stehen, nicht verteufeln“, meint Marius Jung.

Benjamin Winkler

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