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Lokales Leipziger Südfriedhof: Behörden wollen für 17.-Juni-Opfer würdigen Gedenkort schaffen
Leipzig Lokales Leipziger Südfriedhof: Behörden wollen für 17.-Juni-Opfer würdigen Gedenkort schaffen
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01:00 22.08.2013
Grab für die Opfer des 17. Juni auf dem Südfriedhof. Quelle: André Kempner

Ob das sogenannte Ehrenhain umgestaltet wird, soll 2014 auch diskutiert werden.

Leipzig gehörte zu den Zentren des Volksaufstandes im Jahr 1953. Neun Tote gab es im Bezirk Leipzig, denen alljährlich an der Gedenktafel in der Straße des 17. Juni gedacht wird. Auch in diesem Jahr legte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) an der dortigen Gedenktafel einen Kranz nieder. Und erntete prompt Kritik. Denn die Gräber der Opfer befinden sich auf dem Südfriedhof - dorthin hatte lediglich die CDU zum Gedenken aufgerufen. Denn wer die Gräber und die Gedenkstätte für die Opfern von 1953 finden will, muss schon eine Weile suchen. "Seit Jahren mache ich darauf aufmerksam, dass es der Opfer unwürdig ist, dieses Denkmal am äußersten Ende des Friedhofes, hinter Hecken versteckt, zu belassen", schreibt Ute Scholz an die LVZ.

Roland Mey, ehemaliger SPD-Stadtrat, verweist auf die Nähe zu einer Kompostieranlage. Das sei wohl kein Ort für eine Kranzniederlegung durch den Oberbürgermeister der Stadt Leipzig. "Noch nach 23-jährigem Ende der SED-Diktatur ruhen Täter beziehungsweise deren Angehörige hingegen an repräsentativer Stelle im Ehrenhain des Südfriedhofes. Ihre Grabstätten werden dort noch immer auf Kosten der Steuerzahler aufwendig gepflegt", legt Mai in einem Brief an die LVZ nach und verweist auf einen Beschluss der Stadtverordneten von 1992 zur Umgestaltung dieses Ehrenhains, der bis heute nicht umgesetzt sei. Der Evangelische Arbeitskreis des CDU-Kreisverbandes Leipzig, so dessen Vorsitzender Jörg Kühne, fordert einen zentralen Gedenkort für die "Opfer der Kommunistischen Gewaltherrschaft von 1945 bis 1989".

Auf dem Südfriedhof erinnert derzeit eine kleine Platte an die Hingerichteten, zwei größere an die Leipziger Toten im Umfeld des 17. Juni 1953. Anonym geblieben sind sie nicht. Der Bekannteste ist Dieter Teich, gerade 18 Jahre alt, als er gegen 15 Uhr vor der Untersuchungshaftanstalt in der Beethovenstraße erschossen wurde. Inge Kunath, die Leiterin des Amtes für Stadtgrün und Gewässer, hat Verständnis, für die Wünsche, den Ort würdiger zu gestalten. "Den authentischen Ort zu verlassen, geht aber nicht. Es ist der Bestattungsort für die Opfer", erklärt sie. Die könne man also nicht umbetten. Dennoch sei vorgesehen, den gesamten "Urnengarten" - so heißt die Abteilung des Friedhofes - umzugestalten und somit den Grabstätten der Opfer ein würdigeres Umfeld zu geben. Zunächst kommen zusätzliche Gräberreihen hin, was künftig unweigerlich zu mehr Besuchern führt. "An der historischen Struktur mit Hecken und Großstauden wird aber festgehalten", ergänzt Abteilungsleiter Albrecht Graichen, der für Friedhöfe zuständig ist. 2014 gehen die Planungen los, kündigt Kunath an. Vorgesehen sei auch, einen zusätzlichen Eingang an der Connewitzer Straße einzurichten.

Was wird aus dem so genannten "Ehrenhain der Sozialisten"? Auch dazu will sich Kunath im kommenden Jahr vom Stadtrat einen Planungsauftrag holen. Namenswand und der einstige Appellplatz seien längst weg, die historische Hauptachse vom Nordtor zum Krematorium wieder zur Lindenallee umgestaltet. Mit dem Gräbern sei das aber viel komplizierter. Rund um die Umgestaltung des Terrains seit 1982 gibt es nach wie vor viele offene Fragen - und wenig Dokumente. "Wir müssen die Totenruhe achten", sagt Kunath. In der Mittelachse ruhen zunächst die 84 unbekannten Opfer des Konzentrationslagers Abtnaundorf, an die auch ein Gedenkstein erinnert. Die frei gewählten Stadtverordneten haben nach der Wende 1992 verfügt, dass alle Umgestaltungsmaßnahmen dort eine Beschränkung erfahren sollten, wo die Totenruhe unvermeidbar gestört wurde. Gräber aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft müssen laut Gesetz erhalten bleiben - darunter fallen neben den KZ-Opfern 46 Bestattete in der Anlage, in der 253 Menschen ruhen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese überbaut wurde, also die Ruhestätten praktisch aufeinander liegen können.

Für Gräber diverser Funktionäre - die letzten kamen 1989 unter die Erde - endete die Totenruhe am 31. Dezember 2009. Seitdem hat ein Mitarbeiter im Friedhofsamt drei Jahre recherchiert und alle Daten erfasst. Denn der Stadtrat wird sich namentlich mit allen befassen müssen und in einer politischen Diskussion entscheiden, wessen Grab dauerhaft erhalten bleibt und wie die Anlage künftig aussehen wird.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.08.2013

Mathias Orbeck

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