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Lokales Leipziger Tagesmutter klagt: Busfahrer ließ uns im Regen stehen
Leipzig Lokales Leipziger Tagesmutter klagt: Busfahrer ließ uns im Regen stehen
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08:57 29.11.2016
Im Spiel auf dem Verkehrsteppich ist alles so kinderleicht: Busse kommen, lassen Fahrgäste einsteigen und bringen sie nach Hause. Die Realität sah für Tagesmutter Nancy Reinke und ihre Schützlinge Jasmine (links) und Levin zuletzt ganz anders aus.  Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Erst vor zwei Monaten hatte ein ähnlicher Vorfall mit einer anderen Tagesmutter für Aufsehen gesorgt. Die LVB hatten sich damals öffentlich für das Verhalten ihres Fahrers entschuldigt und Besserung angekündigt. „Augenscheinlich ist es mit dem Serviceversprechen der LVB nicht weit her“, lautet jetzt der Vorwurf der Tagesmutter. „Statt ständig die Preise anzuheben, sollte man lieber an der Qualität beim Umgang mit den Fahrgästen arbeiten. Nicht nur im direkten Gegenüber, sondern auch am Telefon.“

Eigentlich hatte der Tag für Nancy Reinke und ihre fünf Schützlinge gut angefangen. Die 36-Jährige hatte die Ein- bis Dreijährigen in einen Krippenwagen einsteigen lassen, war mit ihnen in einer S-Bahn von Seehausen in die Innenstadt gefahren und hatte dort an einem Kinderturnen teilgenommen. Auch der Rückweg klappte zunächst gut: Mit der S-Bahn kamen sie gegen 11 Uhr auf dem Messebahnsteig an, stiegen aus und steuerten auf einen Bus der Linie 86 zu, der an der Wendestelle wartete. Dass es kalt war, inzwischen regnete und an ihrem Mehrplatzkinderwagen auf einem der Reifen keine Luft mehr war, konnte die Tagesmutter verschmerzen. Denn der Bus würde die Kinder und sie warm und trocken zurück nach Seehausen bringen – dachte sie.

„Wie gewohnt wollte ich im hinteren Teil des Busses einsteigen, was mir aber der Busfahrer verwehrte“, berichtet die Tagesmutter. Dabei sei der Bus so gut wie leer gewesen; lediglich drei weitere Fahrgäste hätten dort gesessen. „Auf meine Nachfrage erklärte mir der Fahrer in einem recht schnippigen Ton, dass mein Kinderwagen eine Gefahr sei und er das Recht hätte, mir die Mitfahrt zu verbieten.“ Die drei anderen Fahrgäste seien ihr beigesprungen, hätten versucht den Busfahrer umzustimmen, berichtet Nancy Reinke. Doch auch das habe nicht geholfen. „Als Krönung kam zum Schluss noch der Spruch: ,Hättest du nicht so viele Kinder gemacht, dann hättest du nicht das Problem’“, so die Tagesmutter. „Dann schloss er die Tür und fuhr winkend los.“

Für die Seehausenerin war der Fall damit nicht erledigt. Denn mit ihrem platten Reifen konnte sie die müden Kindern nicht bei strömendem Regen und Kälte zu ihrer vier Kilometer entfernten Tagespflege bringen. Die unerwartete Entscheidung des LVB-Fahrers drohte böse Folgen zu haben.

Die Tagesmutter rief bei der Hotline der LVB an, um Hilfe zu organisieren. Doch auch dort wurde sie enttäuscht. „Der Mitarbeiter in der Hotline war sofort auf der Seite des Fahrers und erklärte mir, dass dieser selber entscheiden könne, wen er mitnimmt und wen nicht.“

Weil sich die Situation immer mehr zuspitzte, alarmierte sie schließlich ihren Lebensgefährten. Auch dieser klingelte in der Hotline an. „Als er dort den Fall erneut schilderte, wurde mitten im Satz der Telefonhörer aufgelegt“, erzählt Nancy Reinke. „Bei einem zweiten Anruf wurde mein Lebensgefährte zurechtgewiesen. Die Fahrer würden nicht pampig oder patzig antworten, bekam er zu hören.“

Letztendlich stand die Tagesmutter mit den fünf kleinen Kindern im Regen und wartete 40 Minuten auf den nächsten Bus, der sie überraschenderweise ohne Probleme mitnahm. Noch am selben Abend schrieb sie eine Mail an die LVZ. „Sie hatten schon in einem Artikel vom 13. September über einen ähnlichen Fall mit einer anderen Tagemutter berichtet“, war darin zu lesen. „Leider gibt es augenscheinlich kein Umdenken bei den LVB.“

Das Unternehmen ist über die Schilderung entsetzt. „Wir nehmen den Vorfall sehr ernst“, sagt Sprecher Marc Backhaus. „Sollte sich das wirklich so ereignet haben, ist das Verhalten nicht zu tolerieren.“ Die LVB würden den Vorgang auswerten und Kontakt mit der Tagesmutter aufnehmen. „Derzeit erarbeiten wir auch einen Flyer mit Handlungsempfehlungen für die sichere Aufstellung von Krippenwagen und auch für die Aufstellung von Rollstühlen beziehungsweise Scootern“, so Backhaus. Der Flyer entstehe gemeinsam mit dem Behindertenverband und dem Jugendamt.

Von Andreas Tappert

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