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Leipziger Tierheim am Limit: 19 Boa Constrictor Imperator auf einmal abgegeben

Platz reicht nicht mehr Leipziger Tierheim am Limit: 19 Boa Constrictor Imperator auf einmal abgegeben

Das Leipziger Tierheim hat große Platzprobleme. Besonders durch viele Reptilien stößt es an seine Grenzen: Anfang August kamen 19 Boa Constrictor Imperator auf einmal ins Tierheim. Der Halter hatte sich als Züchter versucht.

Immer mehr Reptilien kommen ins Tierheim. Das gibt Platzprobleme. (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Das Leipziger Tierheim stößt an seine Kapazitätsgrenze. Insbesondere bei den Reptilien wird das Platzproblem immer deutlicher, berichtet Tierheimsprecher Michael Sperlich. Besonders dramatisch: Anfang August kamen 19 Boa Constrictor Imperator auf einmal in das Heim. Der Halter der Schlangen hatte sich als Züchter versucht.

Für Michael Sperlich ist das ein Riesenproblem. Noch sind die Schlagen klein, doch: „Wo ich sie artgerecht unterbringen soll, wenn die mal größer werden, das weiß ich nicht“, sagt er. Die neuste Einlieferung ist nur die Spitze des Eisbergs: Insgesamt hat das Tierheim zuzeit 86 Reptilien, die meisten davon sind Schlangen. Kaum vermittelbar seien sie, so Michael Sperlich: „Der Markt ist zugeschüttet. Die Tiere gibt es billig und kaum einer will sie mehr haben.“ Auch können sich sehr viel weniger Menschen für Reptilien als für einen Hund oder eine Katze erwärmen.

Aufwendige Pflege

Im Ergebnis bedeutet das: Die Reptilien werden häufig nicht nur kurzzeitig verwahrt und dann vermittelt, wie es die Aufgabe eines Tierheims ist, sondern sie müssen sehr viel länger gepflegt werden. „Wir bräuchten da eher Standards wie ein Zoo“, so Sperlich, „sich um zehn Hunde mehr zu kümmern, das ist nicht das Problem. Aber zehn Landschildkröten können ein Tierheim in den Wahnsinn treiben.“

Die Pflege von Reptilien ist aufwendig: Insbesondere Milben können für die Tiere schnell tödlich sein. Weil solche Erreger durch neue Tiere ins Heim eingeschleppt werden können, kommen diese Reptilien erst einmal in Quarantäne. „Auch, wenn ein Terrarium so einer Schlange natürlich viel besser gefällt. Aber das ist auch ein Nährboden für diese Erreger“, erklärt Sperlich. Dazu braucht es Fachtierärzte und ausgebildete Tierpfleger. Insgesamt arbeiten zurzeit 14 Pfleger im Tierheim und neue werden gerade gesucht. Allein mit ehrenamtlichen Mitarbeitern ist die Arbeit nicht mehr zu stemmen.

Doch wenn die Vermittlung an Privatpersonen nicht funktioniert, könnte nicht ein tatsächlicher Zoo die unter Artenschutz stehenden Reptilien nehmen? Michael Sperlich winkt ab: „Zoos würden die Tiere auf gar keinen Fall nehmen. Man kennt die Blutlinie der Schlangen ja nicht, was da reingezüchtet wurde. Häufig sind das Hybriden, Mischlinge. Die weitere Zucht ist da auch nicht erlaubt“. Hinzu kommt: Ähnlich wie bei Haustieren werden auch Schlangen immer farbenfroher gezüchtet. Mit der natürlichen Farbe hat das meist nichts mehr zu tun. Auch diese Entwicklung, der eine undurchsichtige Züchtung vorausgeht, wollen Zoos nicht zeigen und damit unterstützen.

Forderung: Auffangstation für Reptilien

So muss das Tierheim sein Platzproblem selbst lösen. Denn zurzeit werden Räume, die eigentlich für andere Tiere gedacht waren, auch für die Exoten genutzt. Damit ist die Kapazitätsgrenze im gesamten Tierheim erreicht. Lösen soll dies eine über das Land finanzierte Auffangstation, wünscht sich Michael Sperlich. Denn das Land ist durch den Artenschutz sowieso für die Tiere verantwortlich. Aus Dresden heiße es, das werde beobachtet. Michael Sperlich geht das nicht schnell genug. Land, Stadt, Tierschutzvereine und auch die Uni Leipzig, die eine Reptilienklinik hat, müssten jetzt an einen Tisch geholt werden. Leipzig als Standort für so ein Auffangzentrum wäre gar nicht so eine schlechte Idee, so Sperlich: „Wir kennen uns jetzt aus mit Reptilien und die Reptilienklinik der Uni ist auch ein Vorteil für den Standort.“ Klar ist: Es muss schnell etwas passieren im Leipziger Tierheim. Denn auch die 19 noch kleinen Boa Constrictor Imperator wachsen.

Reptilien sind eine Lebensentscheidung

Interessierten rät Michael Sperlich, sich die Anschaffung eines Exoten genau zu überlegen. Reptilien leben sehr viel länger als ein Hund oder eine Katze und sind damit eine Entscheidung für's Leben. Eine Riesenschlange wird bis zu 35 Jahren alt, ein Papagei bis zu 70 Jahre und Schildkröten werden sogar noch älter. Wer wirklich ein Reptil halten will, sollte sich im Tierheim umschauen und dort beraten lassen. Nur so könne der Teufelskreis der übermäßigen Züchtung durchbrochen werden, so Michael Sperling. Auf der Internetseite des Tierheims können sich Interessierte einige Tiere ansehen.

Paula Drope

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