Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger Tierschützer warnen vor Hunde-Kastrationen
Leipzig Lokales Leipziger Tierschützer warnen vor Hunde-Kastrationen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:59 22.04.2013
Hunde-Kastrationen sollten das letzte Mittel bleiben. Quelle: Kirsten Neumann

Der Erste Freie Tierschutzverein Leipzig und Umgebung hat jetzt eine Informationskampagne gestartet, um unnötige Operationen einzudämmen und vor irreversiblen Eingriffen in den Hormonhaushalt zu warnen.

In weiten Kreisen der Bevölkerung und leider auch bei manchen Tierärzten gilt die Kastration als Allheilmittel bei Verhaltensproblemen und wird als Routineeingriff bedenkenlos durchgeführt, weiß Vereinschef Michael Sperlich. "Über die Risiken der Kastration wird unzureichend aufgeklärt, das wollen wir ändern", sagt er. Nur allzu häufig sei weder dem Hundehalter noch dem Operateur klar, welch fundamentaler, irreversibler Eingriff in den Hormonhaushalt hier stattfindet.

Im Tierschutz galt die Kastration bei Hunden ebenfalls lange Zeit als nicht zu hinterfragendes Mittel der Wahl, um die Vermehrung zu unterbinden und insbesondere Rüden leichter führbar zu machen. "Wie wir heute wissen, ist die Realität eine andere, eine Kastration beim Hund nur in seltenen Ausnahmefällen überhaupt legal und sinnvoll."

Die Kastration eines Tiers bedeutet die Entfernung von Organen. Sie ist damit nach Paragraf 6 des deutschen Tierschutzgesetzes verboten. Zwar würden gern die Einschränkungen dieses Verbots zitiert ("tierärztliche Indikation" oder zur "Verhinderung unkontrollierter Fortpflanzung"). Doch die tierärztliche Indikation so weit zu fassen, dass die Kastration Erkrankungen wie Gebärmuttervereiterungen oder Hodentumore durch vorzeitiges Entfernen der Organe vorbeugen kann, sei inakzeptabel. "Diese Interpretation ist laut eindeutigen Rechtskommentaren unzulässig. Die medizinische Indikation gilt nur bei einer Erkrankung des Organs, nicht als Präventivmaßnahme."

Auch bezüglich der Verhinderung der Fortpflanzung seien sich die Juristen einig: "Ein in geordneten Familienverhältnissen gehaltener Hund kann problemlos so weit kontrolliert werden, dass er sich nicht fortpflanzt." Nach dem Rechtsprinzip des geringstnötigen Eingriffs wäre allenfalls eine Sterilisation, also die Durchtrennung der Ei- oder Samenleiter, zulässig.

Sperlichs Fazit: Die Kastration beim Hund ist in den meisten Fällen verboten. "Weil aber kaum etwas so lange haften bleibt wie alte Vorurteile, haben wir jetzt den gesamten Newsletter des Tierheims Leipzig ausschließlich zu diesem einen Thema gestaltet. Dort wird ausführlich erklärt, warum zum Beispiel die Frühkastration vor dem Durchlaufen der Pubertät besonders schädlich ist, dass sie Krankheiten an den Gelenken und sogar Herzschwäche hervorrufen kann." Der Hund bleibe dann häufig auch geistig auf einem Teenie-Niveau zurück, könne unkontrollierte Aggressionschübe erleiden.

Dies sei nur ein Beispiel dafür, dass die Kastration auch als Mittel der Regulierung von Verhaltensproblemen - wie das "Aufreiten" auf anderen Tieren - meist untauglich ist. "Die Idee, fix operieren statt lange trainieren verstärkt die Probleme häufig noch", warnt der Tierheimleiter.

Mehr Infos zum Thema unter www.tierheim-leipzig.de, dort auf den Link "Newsletter" gehen. Außerdem gibt es diesen Donnerstag um 19 Uhr im Dorfgasthof Plaußig eine Gesprächsrunde zum Thema "Sinn und Unsinn der Kastration bei Rüde und Hündin". Der Leipziger Tierarzt Volker Jähnig sowie das Hundezentrum Bettina Krist laden dazu alle Interessierten ein. Der Eintritt ist frei.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.04.2013

Rometsch, Jens

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

An der Alten Messe heulten jetzt die Motorsägen noch mal auf. Grund: Die Porta-Gruppe hat mit der Neugestaltung des riesigen, betonierten Vorplatzes an der Prager Straße begonnen.

22.04.2013

Auf kurzeitige Schwankungen beim Wasserdruck und bei der Stromversorgung am Dienstag müssen sich die Anwohner des Wasserturms in Leipzig-Probstheida einstellen.

22.04.2013

Das Leipziger Amt für Statistik und Wahlen sucht nach weiteren Bewerbern, die ehrenamtliche Schöffen und Jugendschöffen werden und zwischen 2014 und 2018 an Strafprozessen am Amts- und Landgericht mitwirken möchten.

22.04.2013
Anzeige