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Lokales Leipziger Trabi-Tour-Anbieter kämpft seit zwei Jahren gegen die Umweltzone
Leipzig Lokales Leipziger Trabi-Tour-Anbieter kämpft seit zwei Jahren gegen die Umweltzone
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13:24 14.10.2013
Trabi-Tour durch Leipzig: Ein Anbieter von Stadtrundfahrten kämpft seit mehr als zwei Jahren für eine permanente Ausnamegenehmigung in der Umweltzone. Bislang vergeblich. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Ihre Firma, die Trabi-Touren durch Leipzig anbietet, kämpft seit mehr als zwei Jahren vor Gericht um eine Ausnahmegenehmigung für die DDR-Kultautos in der Umweltzone.

Die Trabi-Akten füllen bei Karen Ulber inzwischen zig Ordner – und rund zweitausend Seiten. Offiziell dürften ihre zwölf Autos gar nicht mehr in Leipzig fahren, würde die Chefin der Saxonia Touristik International sich nicht im Rechtstreit gegen die Stadt durch die Instanzen kämpfen. Mittlerweile liegt die Sache beim Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen.

Leipzig. Sie sind inzwischen fast ausgestorben auf Leipzigs Straßen: Höchstens ein paar Dutzend Trabant knattern derzeit noch durch die Messestadt – darunter auch die von Karen Ulber. Ihre Firma, die Trabi-Touren durch Leipzig anbietet, kämpft seit mehr als zwei Jahren vor Gericht um eine Ausnahmegenehmigung für die DDR-Kultautos in der Umweltzone.

Stadt muss jede Trabi-Tour einzeln genehmigen

„Status Quo ist, dass das Gericht der Stadt Leipzig auferlegt hat, uns mit unseren Trabis weiterfahren zu lassen, bis eine abschließende Entscheidung getroffen worden ist“, erklärt die Geschäftsführerin. Heißt im Klartext: Ihre in Leipzig einmalige Zweitakter-Flotte aus panamagrünen oder papyrusweißen Fahrzeugen – alle gebaut in den späten 1980er-Jahren – darf auch ohne grüne Plakette weiter in die Umweltzone. Vorerst.

Ulber hatte in der LVZ vom Trabi-Schwund in Leipzig gelesen. „Höchstens zehn“ Exemplare seien derzeit mit Ausnahmegenehmigungen unterwegs, sagte Ordnungsamts-Leiter Helmut Loris. Für Ulber keine Überraschung: Seit die Umweltzone im März 2011 eingeführt wurde, liegt die Saxonia-Chefin im Dauer-Clinch mit der Stadt. „Es gab bislang keinerlei Entgegenkommen“, berichtet sie. Jede Fahrt muss Ulber derzeit einzeln beim Ordnungsamt anmelden.

Ordnungsamt verweigert offizielle Erklärung

Die Behörde will sich mit Verweis auf ein „schwebendes Verfahren“ gegenüber LVZ-Online nicht zu dem Fall äußern. Die in Leipzig noch fahrenden Trabis hätten „die entsprechenden Voraussetzungen für eine der möglichen Ausnahmen erfüllt“ heißt es lediglich aus dem Amt auf Nachfrage. Hierzu gehören laut einer amtlichen Verordnung beispielsweise Schwierigkeiten bei der Umrüstung des Fahrzeugs oder die Nutzung für Film- und Fernsehaufnahmen.

Die Behörde hatte dem Antrag der Firma auf eine permanente Sondergenehmigung für die Trabi-Touren bereits 2011 eine Absage erteilt. Begründung: Auch ohne die Rundfahrten mit den DDR-Autos könne der Tourismusanbieter wirtschaftlich überleben. Dem widerspricht Ulber jedoch: „Würden die Trabant-Touren wegfallen, wäre unsere Existenz gefährdet.“ Selbst die Industrie- und Handelskammer (IHK) hatte sich für eine Fortsetzung der bei Touristen und Firmen beliebten Fahrten eingesetzt – ohne Erfolg.

Firma denkt über Umstieg auf Oldimer nach

Sondergenehmigung hinter der Windschutzscheibe: Jede Trabi-Tour muss die Firma derzeit einzeln beim Ordnungsamt beantragen. Quelle: Volkmar Heinz

Eine einstweilige Verfügung der Firma gegen die Stadt war Anfang 2012 vor dem Leipziger Verwaltungsgericht abgelehnt worden. Deutschlandweit hatten Medien damals über das vermeintliche Aus für die Trabi-Touren durch die Sachsen-Metropole berichtet – auch die LVZ. Doch Ulber kämpfte weiter und legte noch im Januar Beschwerde gegen die Entscheidung beim OVG in Bautzen ein. Dort ist die Sache bis heute anhängig.

„Derzeit ist das Gericht bemüht, den Rechtsstreit gütlich beizulegen und eine vergleichsweise Einigung der Beteiligten herbeizuführen“, teilte OVG-Sprecher Thomas Tischer auf Anfrage von LVZ-Online mit. Wann es eine Entscheidung gibt, ist offen. Die Saxonia-Chefin denkt derweil schon darüber nach, ihre Flotte auf Oldtimer umzurüsten. Denn mehr als 30 Jahre alte Fahrzeuge dürften in Leipzig ohne Ausnahmegenehmigung in die Umweltzone fahren – die Touristen-Trabis sind aber jünger. Für die Stadt wäre der Umstieg ein klassisches Eigentor. „Ältere Autos“, sagt Karen Ulber, „machen eben auch mehr Dreck.“

Robert Nößler

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