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Lokales Leipziger Tüftler machen Wohnungen für Senioren attraktiver
Leipzig Lokales Leipziger Tüftler machen Wohnungen für Senioren attraktiver
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00:36 10.10.2015
Die neu entstehende Residenz in der Olbrichtstraße(im Hintergrund) hat viele geistige Väter und Mütter. Manuela Leipert von Provedo (links) und Stephanie Schlinger von der Projektentwicklungsgesellschaft K&P gehören dazu. Quelle: Foto: André Kempner
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Auch in Berlin ist man schon auf die Entwickler aufmerksam geworden. Dort wurde ihre innovative Wohntechnologie „Provedo Micro Automation“ für den Energie Award vorgeschlagen, den das Handelsblatt und der US-Konzern General Electric heute Abend in Berlin verleihen. Denn mit der Entwicklung der Leipziger lassen sich in Mehrfamilienhäusern auch 30 Prozent Heizenergie sparen.

Herzstück der Leipziger Entwicklung ist ein 16 mal 6 Zentimeter großes Server-Modul, in das sich eine Vielzahl von Daten einspeisen lässt – insbesondere der Tagesrhythmus von Mietern in Mehrfamilienhäusern. Der Vorteil: Wenn das alle Mieter tun, können die Daten direkt an die zentrale Heizungsanlage im Keller weitergegeben werden, die so erfährt, wann sie wie viel Wärme bereitstellen muss. „Wir erzeugen die Energie erst gar nicht, die nicht verbraucht wird“, sagt Klostermann. „Und wenn ein Mieter kurzfristig sein Verbrauchsverhalten ändert, kann er das per Knopfdruck signalisieren.“

Das gleiche kleine Modul wird genutzt, um Wohnungen seniorengerechter zu gestalten. Dann werden Bewegungsmelder und Deckenlautsprecher eingebunden. So wird registriert, ob ein allein lebender Mieter seinem täglichen Tagesablauf folgt. „Sollte er gestürzt sein und nicht mehr alleine aufstehen können, wird er über einen Lautsprecher gefragt, ob er Hilfe benötigt“, schildert Entwicklungschef Andreas Thurm. Wenn er nicht reagiert – weil er vielleicht ohnmächtig ist, informiert das System selbstständig einen Nachbarn, der für diesen Fall vorab als Helfer gewonnen wurde. Ist der nicht erreichbar, geht automatisch ein Notruf an einen Rettungsdienst, der ebenfalls vorab sensibilisiert wurde. „Sowohl der Nachbar als auch die Retter können von uns eine Chipkarte erhalten, die das einmalige Öffnen der Haustür und der Wohnungseingangstür ermöglicht – ohne sie aufbrechen zu müssen“, so Klostermann. „Denn oft zählt jede Sekunde.“ Natürlich bekomme der betagte Mieter auch noch ein Armband und eine Halskette, womit er selbstständig Hilfe anfordern könne. Und wenn eine Lautsprecher-Anfrage kommt, obwohl er keine Hilfe benötigt, könne er jederzeit mit einem Druck auf einen der Lichtschalter in der Wohnung signalisieren, dass alles in Ordnung ist. „Jeder Lichtschalter wird dafür doppelt belegt – wenn er drei Sekunden gedrückt bleibt, sendet er ein Signal an die Anlage.“

Zum System gehört zukünftig auch eine Medikamentenerinnerung. Sie erinnert den betagten Mieter über einen Lautsprecher so lange, bis dieser sein Medikament einnimmt und dies dem System bestätigt. „Wenn das nicht geschieht, wird die Familie informiert“, so Vertriebsleiterin Manuela Leipert. Und wer im Alter vergesslich wird, bekommt auf Wunsch beim Verlassen der Wohnung Sicherheitsinfos wie „Ein Fenster ist noch nicht geschlossen“ oder „Bitte den Schlüssel nicht vergessen“. Auch Rauchmelder können integriert werden – und wenn sie anschlagen, wird gleich auf dem Fluchtweg vom Schlafzimmer bis zum Wohnungsausgang das Licht angeschaltet. Auch stecknadelgroße Feuchtigkeitsmelder werden in die Fliesenfugen im Bad eingelassen – um zu signalisieren, wenn die Badewanne überläuft.

Vorbereitet wird derzeit noch eine Vitaldatenerfassung. Sie registriert, welche Werte die in der Wohnung befindlichen handelsüblichen Geräte zum Messen des Blutzuckerspiegels, des Gewichts, des Blutdrucks und des Pulses erfassen – und geben diese Daten bei starken Abweichungen gleich an den behandelnden Arzt weiter, der seinen Patienten dann kurzfristig zu einer Untersuchung einbestellen kann.

Damit die leistungsfähige Technik möglichst unsichtbar im Raum verschwindet, haben sich die Leipziger mit renommierten Firmen zusammengetan. „Wir haben fast ein Vierteljahr gesucht, bis wir unseren Kabelanbieter hatten“, berichtet Klostermann. Fündig geworden sei man bei der Firma Leoni – einem Spezialunternehmen mit weltweit
106 Kabelwerken, das für Auto-Airbags ex-trem dünne Kabel produziert. Der Vorteil: Die Kabel können mit minimalem Aufwand sogar direkt unter Tapeten verlegt werden – und bleiben trotzdem unsichtbar.

Damit die nur ein Viertel Millimeter dicken silberbeschichteten Leiter auch von Tapezierern problemlos verlegt werden können, haben die Leipziger dafür Spezialwerkzeuge entwickelt – mit Hilfe des Herstellers Knipex. „Das senkt die Installationskosten enorm“, sagt Manuela Leipert.

Von Andreas Tappert

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